10.06.2020 Sängerin

Doro Pesch

Von Marcus Italiani
Fotoquelle: Marcus Italiani

Doro Pesch ist vielen nur als die "Metal Queen" bekannt. Die gebürtige Düsseldorferin, die gewöhnlich zwischen Deutschland und den USA hin und her pendelt, veröffentlicht am 26. Juni ihre neue Single "Brickwall" und schildert im prisma-Interview, wie sie mit der aktuellen Situation umgeht und warum sie dennoch optimistisch bleibt.

Hallo Frau Pesch, wie geht es Ihnen in der aktuellen Isolationsphase?

Ich habe eigentlich gut zu tun. Aktuell arbeite ich an der neuen Platte. Im letzten Jahr hatten wir dazu schon einige Dinge vorbereitet, die jetzt vollendet werden. Zudem wird es ein Doppelalbum mit Balladen geben, das „Magic Diamonds“ heißt. Zudem wird es in Amerika ein Best-Of-Album mit Balladen und Rock-Stücken geben. Damit ist man gut beschäftigt. Ansonsten gibt es noch ein paar Fernsehauftritte – allerdings vor leeren Rängen. Das fühlt sich schon irgendwie komisch an.

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Und dann gibt es da noch Ihre Radioshow für Rock-Antenne.

Ja, stimmt. Und das Beste daran ist, dass diverse Radiomoderatoren und einige Musiker wie Henning Wehland von den H-Blockx, Alex Wesselsky von Eisbrecher und Gil Ofarim mit mir zusammen meinen Hit „Für Immer“ neu aufgenommen haben. Es ging darum, etwas zu machen, das Gemeinschaft verkörpert. Die Einnahmen sollen der zurzeit arg gebeutelten Live-Szene zugute kommen.

Zudem kommt am 26. Juni eine neue Single namens „Brickwall“ auf den Markt.

Genau. Die Single ist der Vorbote zum neuen Album, das nächstes Jahr erscheint. „Brickwall“ ist eine Liebesgeschichte in harten Zeiten. Es geht um eine schwere Zeit, in der man das Gefühl hat, ein wenig mehr geben zu müssen, um dem anderen zu beizustehen. So was ist ja eh immer schon mein Thema gewesen, ist aber heutzutage eben wieder richtig aktuell. Das Video dazu ist gerade in der Mache – allerdings muss man auch hier die Corona-Regeln beachten. Ich habe meinen Part schon abgedreht. Jetzt sind die Schauspieler dran. Zusammen mit der Veröffentlichung der Single soll das dann fertig werden. Und dann starten auch schon die Autokino-Konzerte.

Das stellt man sich bei Ihnen mit Verlaub gesagt ziemlich schwierig vor.

Klar, wir haben so viele Interaktionsphasen mit den Fans – Mitsingteile, Kommunikation. Das alles ist natürlich hinfällig. Die Songs werden wohl etwas kürzer ausfallen. Außerdem sind wir nicht mit der normalen Band am Start, da wir Musiker aus Italien oder den USA haben, die aktuell nicht reisen können. Aber wir werden uns etwas einfallen lassen, damit es trotzdem unvergessliche Erlebnisse werden – so viel ist sicher.

Das müssen Sie auch, wenn Sie im übernächsten Jahr 40-jähriges Bühnenjubiläum feiern.

Da werden wir auf jeden Fall etwas Schönes auf die Beine stellen. Ich würde gerne mal etwas in Burgen machen. Oder ein Mad Max-Thema. Es gibt so viele Ideen. Aber momentan kann man ja leider noch nicht planen.

Glauben Sie, dass man als Künstler bald wieder halbwegs geregelt seinem Beruf nachgehen kann?

Ich glaube, dass wir noch lange keinen Normalzustand bekommen werden. Ich vermisse die Interaktion mit den Fans. Aber Sicherheit geht nun mal vor. Künstler sind die ersten, die aufhören mussten und die letzten, die wieder auf die Bühne dürfen.

Was sollte die Regierung tun?

Hauptberufliche Musiker sollten in absehbarer Zeit wieder arbeiten dürfen. Wir sind auf das Touren, auf die Auftritte angewiesen. Klar verdient man ein wenig mit Streaming-Diensten. Aber das ist nicht vergleichbar mit früheren CD-Verkäufen. Und natürlich muss man irgendwie für Sicherheitsabstände sorgen, was auch das Live-Feeling verändern wird. Aber es wäre nicht schön, mit der Lösungssuche alleingelassen zu werden. Zum Beispiel könnte man ausreichend große Örtlichkeiten finden, in denen man hohe Leinwände aufstellen kann, auf denen das Publikum mit dem nötigen Abstand dennoch alles sehen kann. Das ist natürlich nicht dasselbe wie sonst, aber wenn man das Gefühl hat, dass sich die politisch Verantwortlichen schon mal mit der Materie auseinandersetzen und ein paar Ideen sammeln, dann gäbe das vielen glaub ich auch Hoffnung. Aktuell bekomme ich oft mit, dass man sich verstärkt mit den Sorgen der klassischen Musiker auseinandersetzt. Auch die Gema zahlt dem klassischen Segment viel höhere Beträge aus als Rockmusikern. Hier sollte eine Gleichstellung stattfinden, das wäre ein erster Schritt.

Ein paar Alternativen zur staatlichen Wertschätzung gibt es ja dennoch.

Natürlich. Die Autokino-Konzerte habe ich ja schon angesprochen. Und auch Streams sind eine Option. Aber das alles ist natürlich nicht dasselbe wie ein richtiges Live-Konzert. Letztlich hängt alles daran, was man in der Szene selbst auf die Beine stellen kann. Und der Gesetzgeber muss die Ideen freigeben. Damit wären wir wieder bei den Politikern, die sich Gedanken machen müssen.

Trotz allem startet im September Ihre Tour. Ohne Netz und doppelten Boden?

Na ja, wenn man bedenkt, dass die Tour in den USA beginnt und von dort aus weiter nach Südamerika zieht, dann sehe ich das momentan ehrlich gesagt noch nicht. Dort möchte man auch nicht krank werden, wenn man an das Thema Versorgung denkt. Aber wir werden versuchen, einige Dinge auf jeden Fall möglich zu machen. Ich war immer ein Kämpfertyp und bin auch jetzt guter Dinge.

Das zeichnet Sie ja schon seit frühester Jugend aus. Im Grunde sind Sie ein Risikopatient.

Stimmt. Ich hatte als Jugendliche Tuberkolose im Endstadium und ein wirklich schreckliches Jahr. Das Positive kam erst danach, als ich meine erste Band hatte. In der Corona-Phase kommen jetzt wieder die schlimmsten Erinnerungen hoch. Daher versuche ich, ein wenig zurückzugeben, und kümmere mich aktuell hier in Deutschland um meine Mutter, die weit über 80 ist und nicht alleine einkaufen gehen oder sich anderweitig anstrengen soll. Hinter den Corona-Zahlen stecken so viele Schicksale. Ich möchte in dieser Zeit zumindest die eigene Familie nicht alleine lassen.

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