03.08.2020 Kommentator und Moderator

Frank Buschmann

Von Felix Förster
Frank Buschmann hat bei Sky mit "Eine Liga für sich" seine eigene Show.
Frank Buschmann hat bei Sky mit "Eine Liga für sich" seine eigene Show. Fotoquelle: SKY Deutschland GmbH/Willi Weber

Frank Buschmann, auch "Buschi" genannt, ist einer der bekanntesten Sport-Kommentatoren und Moderatoren des Landes. Auf Sky kommentiert er regelmäßig die Bundesliga und begrüßt prominente Sportler in seiner Comedy-Show "Eine Liga für sich". Für RTL ist er ab Herbst wieder bei den "Ninja Warrior Germany" zu sehen. In unserem Gespräch gibt er einen Einblick in seinen Kommentatoren-Alltag in Zeiten von Corona, berichtet uns von seinen Shows und erklärt, warum Deutschland keine Autobiografie von ihm zu "befürchten" hat.

Die Bundesligasaison, die wegen Corona ohne Zuschauer zu Ende gespielt werden musste, liegt jetzt hinter uns. Wie war das für Sie ganz persönlich, unter diesen Umständen auf Sky zu kommentieren?

Das war schon eine ganz spezielle Situation, aber das sehe ich ja nicht anders als jeder andere auch. Die Wiederkehr der Bundesliga war jedoch alternativlos. Die Frage war nur, wie soll das vonstatten gehen. Ich habe da meine eigene Philosophie: Wenn ich die Wahl habe zwischen spielen und nicht-spielen, wähle ich immer die erste Möglichkeit. Zudem haben diese Corona-Spiele gezeigt, wie wichtig das Gesamterlebnis Fußball ist. Was viele übrigens nicht wissen, die Sky-Konferenzen am Bundesligaspieltag werden aus Unterföhring kommentiert und das ist schon seit 20 Jahren so. In Nicht-Corona-Zeiten sitzen da alle Kommentatoren mit einem Redakteur und einem sogenannten Operator nebeneinander in einem großen Raum, getrennt durch spanische Wände. Während Corona waren es nur die Kommentatoren in Einzelboxen. Es ist also nicht so, dass die Konferenzkommentatoren ins Stadion fahren. Die Konferenzen bestehen aus Einblendungen aus allen Stadien. Wir haben jeder eine Sprechzeit von 60-Sekunden-Intervallen, dafür muss man nicht live im Stadion sein. Ich bin allerdings ein absoluter Verfechter davon, Einzelspiele immer nur live aus dem Stadion zu übertragen. Ich habe Sky gesagt, dass ich wegen meiner Familie während Corona nicht reisen möchte und deshalb ausschließlich für die Konferenz zur Verfügung stehe. Von daher unterschied sich diese Art der Kommentierung gar nicht so sehr von "normalen" Spieltagen. Allerdings bekommt man im Studio natürlich auch während der Konferenz an normalen Spieltagen die Fans und die Stimmung im Stadion mit. Das war jetzt während der Corona-Krise nicht so, das ist einfach ein Unterschied.

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Sie gelten als ein sehr emotionaler Kommentator und wer Sie im letzten wichtigen Spiel zwischen Bremen und Köln gehört hat, konnte keinen Unterschied zu Ihren Kommentaren im vollbesetzten Stadion hören. Ist das Professionalität oder woran liegt das?

Seien Sie mir nicht böse, aber diese Frage bekomme ich immer wieder gestellt und sie ist einfach falsch. Das ist viel einfacher als die Leute denken, denn ich drücke da keinen Knopf von wegen 'heute will ich der emotionale Buschi sein'. Es hat auch schon Spiele gegeben, bei denen ich aus der Regie gefragt wurde: 'Frank, bist Du noch da?' Ich verstehe den Sport so: Das Ereignis macht den Kommentar. Und wenn ich dazu nicht die Möglichkeit habe, kann ich schlecht emotional kommentieren. Das Spiel Werder gegen Köln am 34. Spieltag war da allerdings ein anderes Kaliber. Das ging es um ganz viel, die Bremer schießen Tor um Tor, da packt einen das Spielgeschehen dann einfach. Ich kommentiere so, wie ich bin, das war auch bei den Corona-Spielen so.

Jetzt ist die Saison vorbei und für Sie haben die Dreharbeiten für die mittlerweile vierte Staffel von "Eine Liga für sich" auf Sky begonnen, die im Herbst ausgestrahlt wird. Erzählen Sie unseren Lesern kurz, worum es bei der Show geht.

"Eine Liga für sich" ist ein großer Kinderspielplatz für Erwachsene. Das ist eine Show, die es heutzutage so gar nicht mehr gibt. Dabei treffen sich Gleichgesinnte aus der Welt des Sports, die auf ihre Karrieren zurückblicken, sich mit Sport beschäftigen und interessante Geschichten aus ihrem Sportler-Leben preis geben, die man in normalen Interviews gar nicht erfährt. Wir brauchen dafür natürlich Gäste, die Humor haben, und über sich selbst lachen können. Dabei erleben auch wir mitunter Überraschungen. Lothar Matthäus stand ja bisher eher nicht im Verdacht, besonders selbstironisch zu sein. Leute, da erlebt Ihr ihn bei uns aber von einer total anderen Seite! Und Lothar ist bei uns bereits zum fünften oder sechsten Mal dabei. Es sind aber auch Nicht-Fußballer im Studio. Silvio Heinevetter und Stefan Kretzschmar dissen sich da gegenseitig, das ist unglaublich. Dann hatten wir Christian und Felix Neureuther dabei – Neureuther gegen Altreuther – das war einfach herrlich. Wir haben auch Sportlerinnen wie Kristina Vogel, die Bahnrad-Olympiasiegerin, oder Weitsprung-Weltmeisterin Malaika Mihambo zu Gast. Das sind tolle Auftritte, immer mit einem Augenzwinkern. Mir ist klar, dass die Sendung häufig albern ist und nicht jedermanns Humor, aber das ist mir auch egal. Everybody's Darling wollte ich nie sein und das kann ich auch gar nicht.

Die Dreharbeiten für "Ninja Warrior Germany – Die stärkste Show Deutschlands" sind gerade in Köln zu Ende gegangen. Diese Show moderieren Sie auch. Wann startet die neue Staffel?

Wir haben Ende Juni in Köln abgedreht und senden im Herbst auf RTL. Eine interessante Geschichte am Rande: Das Format lag bei den Sendern schon seit Jahren vor, aber keiner wollte so eine Sport-Challenge-Show machen. Originärer Sport wäre doch nichts für eine Abendshow, so die allgemeine Meinung. Die Macher bei RTL haben sich gedacht: Das kann spektakulär aussehen, das kann funktionieren. Ich war mir ehrlich gesagt auch nicht sicher, ob das was wird, aber an sich fand ich das geil. Und nun läuft die Show seit 2016 mit großem Erfolg! Jetzt haben wir regelmäßig über drei Millionen Zuschauer an einem Freitagabend. Eines darf man dabei nicht vergessen, Ninja Warrior Germany ist Hochleistungssport, deshalb verbietet sich auch ein Vergleich mit 'Schlag den Raab', das ich ja auch moderiert habe. Momentan läuft auf Super RTL übrigens mit 'Warrior Kids' ein Ableger, der mir sehr am Herzen liegt. Die neue Generation macht das einfach klasse. Und dass ich mit 55 noch einmal im Kinderprogramm zu sehen bin, hätte ich auch nicht gedacht (lacht).

Ihr Projekt "Buschi TV" auf YouTube hat mir immer sehr gefallen, da Sie sich dort in sehr persönlichen Interviews bekannten Sportlern nähern und sich dabei in kein redaktionelles Korsett zwängen müssen. Das Format ist momentan jedoch auf "Pause". Werden Sie die Idee in der Zukunft wieder aufnehmen?

Das hat mir viel Spaß gemacht, ist aber auch sehr aufwendig. Mal eben nach Madrid zu fliegen, um Toni Kroos zu interviewen, das ist mir jetzt aktuell einfach too much. Und in den Phasen wie momentan, in denen ich viel Fernsehen mache, ist das schwer möglich, so viel Content rein zu holen. Zudem haben mich ein paar Dinge geärgert. Die Gespräche mit den Fußballern oder mit Dirk Nowitzki gingen durch die Decke. Aber wenn ich die Snowboarderin Ramona Hofmeister oder den Bobfahrer Johannes Lochner interviewe, dann geht das Interesse zurück. Das nervt mich persönlich, das ist mir echt zu blöd, diese Unfairness den anderen Sportarten gegenüber.

Basketball gilt als Ihre große Liebe. Wie haben Sie das außergewöhnliche Finalturnier empfunden, indem jetzt wegen Corona der Deutsche Meister Alba Berlin ausgespielt wurde? Wäre das auf andere Sportarten übertragbar?

Ich sehe das unter zwei Aspekten: Die Umsetzung war gut und für Hallensportarten funktioniert das auch. Trotzdem ist diese Meisterschaft mit einem Sternchen zu versehen. Das war im Gegensatz zu den Vorjahren kein normaler, sportlicher Wettkampf. Für Handball könnte das auch funktionieren, beim Eishockey bin ich skeptisch.

"Einfach mal frei Schnauze" und "Am Ende kackt die Ente" sind zwei Bücher von Ihnen, gibt es bald Neues vom Autor Frank Buschmann?

Autor ist übertrieben, den das erste Buch ist eine Transkription der Interviews aus Buschi TV und das andere eine Aneinanderreihung kleinerer Episoden, die ich erlebt habe. Das ist auch keine Autobiografie, denn die braucht Deutschland nun wirklich nicht. Außerdem fände ich es traurig, wenn ein Buch, das man in fünf Stunden auf dem Klo lesen kann, mein Leben widerspiegeln würde. Das ist in Sprechsprache verfasst und dass es 32 Wochen auf der Spiegel-Bestsellerliste stand, zeigt, dass es in Deutschland anscheinend wirklich Probleme mit der Bildung gibt (lacht).

Vielen Dank für das Gespräch!

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