20.12.2021 Moderator

Jörg Pilawa: "Wir sollten mehr den Moment genießen"

Von Sarah Schneidereit
Moderator Jörg Pilawa.
Moderator Jörg Pilawa. Fotoquelle: ARD / Thomas Leidig

Jörg Pilawa moderiert den Silvesterabend im Ersten. Im Interview blickt er zurück auf das Jahr 2021 und erklärt, was sich seiner Meinung nach 2022 ändern sollte.

Die Sendung wurde bereits im Vorfeld aufgezeichnet. Wie fühlt es sich an, mitten im November Silvester zu feiern?

Ich war anfangs auch skeptisch, da wir die Show früher immer live gemacht haben. Aber wir haben festgestellt, dass viele Künstler gar nicht so gerne an Silvester auftreten, sondern lieber im Kreis der Familie feiern wollen. Und es ist definitiv kein Unterschied, wenn man vorher die Uhr auf 20.15 Uhr stellt und bis 0.30 Uhr eine Show aufzeichnet. Es wird gefeiert und sich zugeprostet, als wäre wirklich schon Silvester. Es war ganz witzig zu sehen, dass am Ende das Baulicht im Studio anging und die Leute sich dennoch weiter "Frohes Neues" gewünscht haben.

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Wie werden Sie denn den Silvesterabend verbringen?

Angesichts der unglaublich steigenden Zahlen kann man das im Vorfeld schlecht planen. Die vergangenen zwei Jahre Pandemie haben uns gezeigt, dass man nicht viel planen und einfach nicht wissen kann, ob man in einem Monat mit 20, 30 Leuten zu Hause feiern kann.

Ist das nicht auch ein bisschen die Gefahr, wenn man eine Sendung aufzeichnet – von der Gegenwart überholt zu werden?

Natürlich ist die Gefahr da, das haben wir ja auch vergangenes Jahr gesehen, als wir mit 4000 feiern wollten und am Ende ohne Live-Publikum da standen. Aber bei der Show geht es im Grunde darum, den Leuten einen schönen Abend zu bieten. Egal ob Lockdown oder nicht, der Wunsch nach Unterhaltung und Ablenkung ist da und größer denn je.

Was war Ihr persönliches Highlight 2021?

Das Jahr war sehr von Meldungen aus der Politik geprägt. Wir haben da dieses Machtvakuum in Berlin und man hat so ein bisschen das Gefühl, dass sich dort nichts bewegt. Und trotz der Corona-Einschränkungen würde ich sagen, dass der Großteil der Bevölkerung sehr vernünftig gewesen ist und sich solidarisch gezeigt hat. Ich sehe das zum Beispiel ganz gut an meinen Kindern. Das Jahr hat ihnen und den jungen Leuten im Allgemeinen viel abverlangt. Die Zeit zwischen 16 und 22 ist doch eigentlich die Zeit, wo man sich mit Freunden trifft, weggeht und auch mal Blödsinn anstellt. Dass die Jugend auf Kontakte und Feiern verzichtet und das alles auf sich genommen hat, macht mir Mut für das, was noch kommt.

Und was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ich hoffe, dass sich in der Politik etwas bewegt und dass wir 2022 aus diesem Machtvakuum in Berlin herauskommen. Dass wieder Politik für die Menschen gemacht wird und zum Beispiel die Pflegekräfte wirklich mehr Geld statt nur Applaus bekommen.

Vergangenes Silvester haben alle auf ein besseres Jahr gehofft. Silvester 2021 sieht die Situation nicht unbedingt sehr gut aus, Corona bestimmt weiterhin unser Leben. Was sagen Sie – sollten wir weniger auf das Morgen warten?

Auch vor Corona war das Problem mit dem 1.1. schon da. Die Menschen glauben, dass sich an Neujahr alles zum Guten wendet. Doch Vorsätze wie weniger Alkohol, mehr Sport und eine Diät halten sind dann oft nur von kurzer Dauer. Wir sollten mehr den Moment genießen und schätzen, was wir haben. Darum geht es auch in unserer Silvester-Show.

Was soll sich 2022 Ihrer Meinung nach ändern?

Ich hoffe, dass aus der Pandemie eine Endemie wird, und wir lernen, mit dem Virus zu leben. Als Kind der 70er-Jahre bin ich Debatten gewöhnt, damals ging es um AKWs oder den Nato-Doppelbeschluss. Ich habe nur das Gefühl, dass schon länger keine zielführenden Diskussionen mehr geführt werden. Wir müssen uns von diesem Schwarz-Weiß-Denken lösen und wieder lernen, miteinander zu diskutieren und der anderen Seite zuzuhören. Denn dann würden wir merken, dass die andere Seite vielleicht auch ein bisschen Recht hat.

  • "Die Silvester Show mit Jörg Pilawa", Freitag, 31. Dezember, 20.15 Uhr im Ersten

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