23.10.2020 Schauspielerin

Julia Richter

Julia Richter spielt eine der zwei Hauptrollen in der ZDF-Reihe "Ella Schön".
Julia Richter spielt eine der zwei Hauptrollen in der ZDF-Reihe "Ella Schön".  Fotoquelle: imago images/POP-EYE

In der ZDF-Reihe "Ella Schön" spielt Julia Richter die Rolle der Christina Kieper, die mit Ella eine ungewöhnliche Patchwork-Familie bildet. 

Was ist das Besondere an der Filmreihe Ella Schön?

Es geht um zwei vollkommen unterschiedliche Frauen. Diese Frauen treffen ihre eigenen Entscheidungen darüber, wie sie ihr Leben gestalten. In der Regel teilen sich im Fernsehen Frau und Mann die Hauptrollen. Das ist bei uns anders.

Genau wie Ellas Asperger Syndrom

Das ist das andere, was Ella Schön so besonders macht. Wir sprechen ein Thema an, das viele Menschen nicht kennen. Oder sie sind selbst betroffen und fühlten sich bisher ausgeschlossen. Neulich hat mich eine betroffene Mutter darauf angesprochen, sie war berührt als auch begeistert, das Thema ihrer Familie im Fernsehen zu sehen.

Hatten Sie vor Ella Schön schon mal Kontakt zu Menschen mit Asperger?

Bewusst nicht, aber es ist schon möglich, dass ich Menschen begegnet bin, die davon betroffen waren, ohne dass ich es wusste. Unsere Reihe hat mir geholfen, den Blickwinkel zu ändern. Vielleicht ist der Mensch zu mir nicht unhöflich oder "komisch" – vielleicht ist er betroffen vom Asperger Syndrom. Man bekommt einen Einblick in eine neue Welt. Neues entdecken ist etwas, was ein großer Teil meines Berufes ist.

Warum sind Sie Schauspielerin geworden?

Als Teenie war ich ständig im Theater oder auf Festivals. Das Theater hatte auch eine politische Funktion, die mich beeindruckte. Kurz vor der Wende wurden nach den Vorstellungen Resolutionen vorgelesen – das waren die Grundsteine für die Demonstration am 4. November 1989. Jetzt ist das Schauspiel weniger politisch.

Wünschen Sie sich mehr Politik im Schauspiel?

Wenn Politik Eigenverantwortung bedeutet auf jeden Fall. Es gibt für mich eine Menge Themen, die in Drehbüchern Platz finden und für die wir Schauspieler uns einsetzen sollten. Diversität, Toleranz und Nachhaltigkeit zum Beispiel. Dazu gibt es eine Homepage mit einer freiwilligen Selbstverpflichtung und Erklärung von Schauspieler und Schauspielerinnen, unter www.changemakers.film. Gerade in dieser besonderen Zeit überdenken wir doch alle, was uns wichtig ist.

Mögen Sie Ihre Rolle der Christina Kieper?

Ja, unbedingt. Christina ist eine Frau mit Bauchgefühl, die Spaß und vor allem ein großes Herz hat. Sie ist aber auch mal überfordert und scheitert an ihren Ansprüchen. Christina ist ein wunderbarer Kontrast zur spröden, verkopften, wie ich finde, oftmals sehr männlichen Ella. Das macht die Rolle – und auch die Reihe – sehr lebendig. Ella und Christina sind beide nicht berechenbar, das macht das Ganze realistischer, denn wir Menschen sind es auch nicht.

Also können noch mehr Ella-Schön-Filme kommen?

Zwei neue haben wir grade abgedreht – und ja, auf jeden Fall. Es sollen weitere folgen und ich entdecke an meiner Rolle immer wieder Neues.

TV-TIPPS

  • "Ella Schön: Feuertaufe" am 25.10.
  • "Ella Schön: Schiffbruch" am 1.11.
  • beide 20.15 Uhr, ZDF

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