25.01.2021 Schauspielerin

Lisa Maria Potthoff

Von Felix Förster
Lisa Maria Potthoff spielt Sara Kohr. Herbert Knaup spielt Staatsanwalt Anton Mehringer.
Lisa Maria Potthoff spielt Sara Kohr. Herbert Knaup spielt Staatsanwalt Anton Mehringer. Fotoquelle: ZDF / ©die film gmbh / Thorsten Jander

Am 1. Februar ist Schauspielerin Lisa Maria Potthoff wieder als "Sarah Kohr" im ZDF zu sehen. Ein Gespräch über die Situation der Kulturszene in Zeiten des Lockdowns, Paraderollen und Kampfszenen beim Dreh.

Ich habe ein Interview mit Ihnen vom April 2020 gelesen, da haben Sie über die Anfänge von Corona gesprochen, den ersten Lockdown, und sich Sorgen um die gesellschaftliche Situation gemacht. Wie sehen Sie die Situation jetzt knapp ein Dreivierteljahr später während eines weiteren, noch härteren Lockdowns?

Lisa Maria Potthoff: Die Sorgen sind nicht kleiner geworden. Unser System ist zwar nicht kollabiert, aber es gibt Begleiterscheinungen, die jetzt durch Corona wie unter dem Brennglas sichtbar werden, die zermürbend und traurig sind. Als Beispiel kann ich nur die Bildungssituation in Deutschland nennen. Da ist noch viel Luft nach oben, denken Sie nur an die fehlende Digitalisierung. Dieser erneute Flickenteppich an Maßnahmen zermürbt die Menschen. Dabei wurde uns versprochen, es würde jetzt nicht mehr im Klein-Klein entschieden, sondern so, dass man weiß, woran man sich halten muss. Einige Freundinnen von mir sind Lehrerinnen, die bekommen gefühlt alle drei, vier Stunden neue E-Mails vom Senat, dass alles gerade Entschiedene wieder umgeworfen wird. Das kann man über Wochen und Monate nur schwer aushalten.

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Gerade die kulturelle Szene ist komplett herunter gefahren, vielen Menschen fehlt dieser Ausgleich völlig. Wie sehen Sie das als Schauspielerin, gerade für die Kollegen, die auf den Bühnen arbeiten?

Lisa Maria Potthoff: Wenn aus der Politik solche bagatellisierenden Aussagen kommen wie, es sei ja nicht so furchtbar schlimm ein paar Wochen nicht ins Kino oder ins Theater gehen zu können, dann missachtet man die existenzbedrohende Situation der Kulturbranche völlig. Besonders den freien und kommunalen Bühnen geht es schlecht. Im Kontrast dazu gibt es dann die Amazon-Großzentren, die teilweise ja auch Corona-Hotspots waren und normal weiter arbeiten dürfen. Das ist schwer nachvollziehbar.

Wie gehen Sie als körperlich aktiver Mensch mit der aktuellen Situation um?

Lisa Maria Potthoff: Müsste ich nicht Ende Februar für "Sarah Kohr" vor die Kamera, wäre meine ganze sportliche Betätigung wahrscheinlich auf null herunter gefahren. Es wäre wohl das Letzte, woran ich im Moment denken würde, wo ich online vielleicht eine Pilates-Stunde machen kann. Aber so bin ich seit Januar wieder im Personal Training bei meinem Kampfsporttrainer für die Kämpfe und Stunts unseres nächsten Films.

Sie sind am 1. Februar ab 20.15 Uhr wieder als Sarah Kohr im ZDF zu sehen. Kann man sagen, dass diese Figur Ihre Paraderolle geworden ist?

Lisa Maria Potthoff: Das müssen andere beurteilen. Es ist allerdings eine Rolle, in die ich sehr viel Zeit investiere, Kraft und Freude. Sie liegt mir sehr am Herzen, aber das gilt auch für andere Rollen, wie etwa die Susi in den Eberhofer-Krimis.

Sarah Kohr unterscheidet sich von vielen anderen Ermittlern und Kommissaren im deutschen Fernsehen. Sie ist eine Einzelgängerin, die Aufträge annimmt. Das kennt man eher aus Hollywood von männlichen Rollen wie Jack Reacher mit Tom Cruise oder John Wick mit Keanu Reeves. War die Rolle von Anfang an so angelegt? Haben Sie da Einfluss auf die Entwicklung der Sarah Kohr?

Lisa Maria Potthoff: Als das ZDF überlegte, aus dem Fernsehfilm "Der letzte Kronzeuge", in dem Sarah Kohr vorgestellt wurde, eine Reihe zu machen, haben wir gemeinsam überlegt: Wo liegt bei ihr das Alleinstellungsmerkmal? Denn Ermittlerkrimis gibt es ja genug im deutschen Fernsehen. Irgendwo liegt in jedem Film ja immer eine Leiche herum. Wie kann man da das Bedürfnis der Zuschauerinnen und Zuschauer nach einer spannenden Handlung ohne das klassische "Whodunit" befriedigen? Wir wollten eher eine Thriller-Atmosphäre schaffen. Das war "Der letzte Kronzeuge" ja auch schon. Der Unterschied vom Thriller zum Krimi besteht darin, dass der Held oder die Heldin immer Teil des Geschehens ist und der einzige, der die Lösung finden kann, sich dadurch akut in Gefahr begibt. Das fand ich spannend, gerade für eine Frau. Denn diese Filme sind meist eher männlich besetzt. Sarah Kohr ist genau diese einsame Heldin, die unkonventionelle Wege geht, auch mal am Rande der Legalität.

Wieviel Lisa Maria Potthoff steckt in Sarah Kohr?

Lisa Maria Potthoff: Man steckt natürlich automatisch immer etwas von sich selbst in die Rolle. Das ist auch gut so. Mein Mann würde sich manchmal wünschen, dass ich so wortkarg bin wie Sarah Kohr (lacht). Ich bin sicher sozial-kompetenter, habe aber auch nicht solche traumatischen Erfahrungen wie Sarah gemacht. Sarah Kohr ist nicht ohne Grund so misstrauisch allen Menschen gegenüber. Ihre Vergangenheit offenbart große Abgründe. Das beleuchten wir übrigens in der Folge, die wir ab Februar drehen. Da geht es um ihre Zeit, bevor sie Polizistin wurde.

Sarah Kohr weiß sich zu verteidigen. Hatten Sie selbst schon vor dieser Rolle Kampfsporterfahrung?

Lisa Maria Potthoff: Ich habe für den ARD-Film "Carneval" mit dem Kampftraining begonnen. Die Figur, die ich da spielte, war sehr abgemagert, muskulös, manisch dem Ziel folgend sich an ihrem ehemaligen Peiniger zu rächen und ihn zu töten. Dort musste ich auch das erste Mal kämpfen.

Sie machen Ihre Stunts selbst?

Lisa Maria Potthoff: Alles was mit kämpfen zu tun hat, mache ich selbst. Dafür gehe ich ins Training und wir haben ausgiebige Stuntproben. Wenn es aber zum Beispiel um Szenen mit Autos geht – wie jetzt im aktuellen Film, wo Sarah Kohr einen Powerslide durch einen Zaun macht – übernimmt das eine Stuntfrau. Das hat auch versicherungstechnische Gründe. Ich stehe dann zwar immer da und bettle: "Ach, kann ich das nicht versuchen, bitte!" (lacht), aber das geht dann nicht. Die Produzenten sagen, dass mein Leben für das Weiterdrehen des Films nicht ganz unerheblich ist (lacht).

Welche Reaktionen bekommen Sie von den Zuschauern? Sind Sie ein Vorbild für Frauen?

Lisa Maria Potthoff: Gerade Frauen reagieren sehr beeindruckt. Viele freuen sich, dass unser Geschlecht mal nicht typisch weiblich, brav oder vernünftig dargestellt wird. Auch was den Kampfsport und die Selbstverteidigung wie das Krav Maga angeht, weckt das bei Frauen Interesse. Sie stellen sich oft die Frage, was kann ihr Körper überhaupt alles. Wir Frauen wissen oft gar nicht, zu was wir fähig sind, wieviel Kraft wir mobilisieren könnten, um uns zu verteidigen.

Der nächste Dreh steht jetzt im Februar an, also können sich die Zuschauer auf weitere Folgen freuen?

Lisa Maria Potthoff: Absolut, wir zeigen am 1. Februar die neue Folge, eine weitere ist bereits produziert und im Februar startet der Dreh für eine dritte. Wenn es weiterhin so gut läuft, werden wir weitere drehen, denke ich.

TV-TIPP

  • "Sarah Kohr – Schutzbefohlen"
  • 1. Februar, 20.15 Uhr
  • ZDF

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