Als Tierarzt will der ehemalige Polizist Hauke Jacobs in einer kleinen Gemeinde an der Ostee neu anfangen – doch so ganz kann er die Arbeit als Ermittler nicht sein lassen. An drei aufeinanderfolgenden Donnerstagen (23. Januar, 30. Januar und 6. Februar) strahlt die ARD drei neue Folgen von "Nord bei Nordwest" aus. Im Interview spricht Hauptdarsteller Hinnerk Schönemann über das Erfolgsgeheimnis der Reihe und die Flut an Regionalkrimis im deutschen Fernsehen.

Regionalkrimi oder Krimikomödie – was ist "Nord bei Nordwest" eigentlich?

Habe ich nur diese beiden Rubriken zur Auswahl?

Nein.

Ok. Wichtig ist, dass wir keinesfalls zu den Heimatfilmen gehören. Das passt überhaupt nicht. Wir sind eher ein schwarzer Krimi im Sinne von schwarzem Humor. Aber natürlich sind wir auch ein bisschen lokal.

Hätten Sie vor fünf Jahren zu Beginn Ihres Engagements gedacht, dass die Serie so erfolgreich sein könnte? Immerhin acht Filme inzwischen, jetzt werden die Folgen neun bis elf ausgestrahlt.

Nein. Aber mit dem Produktionsteam arbeite ich schon seit fast 20 Jahren zusammen. Wir haben schon einige Reihen zusammen gemacht, deshalb wusste ich natürlich ungefähr, was auf mich zukommen wird. Ich hatte auch ein wenig Einfluss auf das, was wir in den Handlungen bei "Nord bei Nordwest" wollen oder eben auch nicht. Das alles zusammen gab mir direkt ein gutes Gefühl. Das unser Erfolg aber jetzt so überwältigend ist, das ist natürlich Wahnsinn.

Dicht aufeinander werden jetzt drei Folgen Ende Januar/Anfang Februar ausgestrahlt. Der Donnerstagskrimi ist also zwei Wochen lang in Ihrer Hand!

Mir gefällt daran sehr, dass das eine Art Miniserie ist. Ich mag es sehr, wenn man sich mehrere Folgen nacheinander anschauen kann. Ich glaube, dass sich die Sehgewohnheiten ohnehin sehr in eine solche Richtung entwickeln.

"Nord bei Nordwest" ist gelegentlich auch komödiantisch und auch romantisch, weil sowohl Ortspolizistin Lona Vogt und Tierarztgehilfin Jule Christiansen für Sie schwärmen. Wünschen Sie sich nicht manchmalein ernsthafteres Drehbuch?

Ich finde, die Drehbücher müssen genau so sein wie sie jetzt sind. Unsere Bücher sind ernsthaft, haben natürlich auch einen gewissen Humor. Und das ist genau richtig so. Die Folgen spielen ja schon in einer etwas skurrilen Ecke Deutschlands. Da Geschichten zu erzählen und zu spielen, das liegt uns. Und es funktioniert.

Die Reihe spielt im beschaulichen Schwanitz in der Ostsee. Wundern Sie sich nicht manchmal, wie viel guten Filmstoff Ihnen die Autoren immer wieder in die Bücher schreiben?

Es ist genau so gewollt, in einer scheinbar trostlosen Region einen guten Krimi zu spielen mit vielen Toten und viel Action. Ich mag das. Lieber aus einem kahlen Raum etwas rausholen als aus einem überbordeten. Also lieber etwas zu erfinden und Sachen in etwas hinein zu projizieren als Dinge zu nutzen, die ohnehin da sind. Das ist ein tolles Konzept.

Sind Sie lieber der Tierarzt Hauke Jacobs oder doch ganz der Polizist?

Im Grunde ist mir das egal. Hauptsache die Rollen sind so gestaltet, sodass ich ihnen etwas Persönliches geben kann. Ich spiele beides gerne. Die Kombination ist natürlich sehr verlockend. Ich werde ja jetzt wieder öfter den Ermittler spielen.Wenn ich nur Tierarzt wäre und immer mit der Polizistin mitlaufen müsste, wären meiner Figur die Hände gebunden. Ich könnte nicht selbst aktiv werden und wäre ein reiner Befehlsempfänger. Das haben wir gemerkt. Deshalb muss meine Rolle aktiver sein. Das bekomme ich durch etwas mehr Macht in der Ermittlerrolle. Dadurch werden die Filme für mich auch viel lebendiger und ich kann mehr an der Handlung teilhaben, als wenn ich nur Tierarzt wäre. Dass ich in Zukunft wieder mehr Ermittler sein werde, wird auch den Bedürfnissen der Zuschauer gerecht, die gerne Krimis sehen.

Sie spielen einen typischen Eigenbrötler. Passt das auch zu Ihnen im Privaten?

Ja, ich bin schon ein bisschen wie Hauke im Film. Ich wohne mit meiner Familie auf dem Land, bin eher zurückhaltend, gehe nicht so gerne auf rote Teppiche. Deshalb liegt mir der Hauke in seiner Art sehr nah.

"Nord bei Nordwest" ist einer der vielen Regionalkrimis, die derzeit auf vielen Sendern zu sehen sind. Wie stehen Sie zu dieser Regionalkrimiflut?

Da ich selbst nicht so viel Fernsehen gucke, kann ich das nicht richtig beurteilen. Wenn es so sein sollte, dann wird es sich schon selbst regulieren. Vielleicht fliegt dann auch mal wieder eine Serie raus. Da sich die Sehgewohnheiten ohnehin weiter verändern werden, werden wir viele weitere kleinere Formate produzieren müssen, Miniserien zum Beispiel. Ich finde das gut, vor allem, wenn ich dabei sein darf.