Im Interview

Rachel Bolan: "Oft ist man selbst sein schlimmster Feind"

08.06.2026, 14.45 Uhr
Rachel Bolan, bekannt als Bassist von Skid Row, bringt sein erstes Solo-Album "Gargoyle Of The Garden State" heraus. Die Platte, die eine Hommage an seine Heimat New Jersey darstellt, besticht durch spontane Punk-Vibes und Gastauftritte wie Danko Jones.
Rachel Bolan sitzt in einem dunklen Outfit auf einem Thron.
Rachel Bolan hat mit uns über sein Debütalbum. Fotoquelle: Anabel DFlux

Rachel Bolan (Skid Row) ist nicht nur ein Urgestein der amerikanischen Rockszene, sondern auch seit vier Jahrzehnten mit seiner Band quasi verheiratet. Nun bringt er sein erstes Solo-Album heraus.  

prisma: Rachel, „Gargoyle Of The Garden State“ ist mit Sicherheit eine Anspielung auf deine Heimat New Jersey. Aber hältst du dich tatsächlich für einen solch monströses Wesen? 

Rachel Bolan: Ich liebe Gargoyles. Viele Menschen fürchten sich vor ihnen und finden sie abstoßend. Nur die wenigsten wissen, dass diese Figuren alle einem bestimmten Zweck dienen. Meistens beschützen sie die Menschen vor etwas, aber das wird gerne übersehen. Als ich kürzlich zurück in meine Heimat New Jersey gezogen bin, kam mir dieser Titel sofort in den Sinn. Denn wir Bassisten dienen ebenfalls einem bestimmten Zweck, werden aber auch gerne mal übersehen (lacht). 

Die Platte hat viele Punk-Vibes und klingt sehr spontan. 

Punk ist mein Lieblingssound, daher gebe ich dir recht. Bezüglich der Spontaneität ist es so, dass ich mit meinem Produzenten Nick Raskulinecz im Studio saß, er auf Aufnahme drückte und meinte: „Spiel!“ Nach kurzer Zeit sagte er: „Stop!“ Und oft waren wirklich großartige Sachen dabei. Daher ist „spontan“ schon die richtige Beschreibung für diesen Prozess. 

Mit Skid Row gab es ja auch schon Songs wie „Bonehead“ oder „Chaingang“, die diese wilderen, punkigeren Ansätze besaßen.

Es ist gut, dass die das aufgefallen ist. Der Unterschied zwischen uns und vielen anderen Bands aus der damaligen L.A.-Szene ist auf jeden Fall der, dass bei Skid Row gar nichts geplant wurde. Alles ist absolut organisch entstanden. Deshalb hatten die Songs auch immer schon diesen etwas raueren und unberechenbaren Charme.

Du hast im Video zu „At War With Myself“ das Thema der gespaltenen Persönlichkeit aufgegriffen und als Gaststar Danko Jones für Song und Video engagiert.

Yeah. In dem Song geht es darum, dass man sein oft eigener schlimmster Feind ist. Für das Video habe ich meinen Freund Danko Jones angerufen und ihn gefragt, ob er das Ganze als Duett machen würde. Wir brauchten drei Tage, um die Nummer aufzunehmen, und ich war so happy damit. Als es an das Video ging, sagte er: „Kann ich machen, aber ich habe genau 24 Stunden Zeit.“ Und er hat es wunderbar hinbekommen, mein dunkleres Alter Ego darzustellen – ich bin total glücklich damit. Danko ist so ein Champ.  

Warum hast du so lange mit deinem ersten Solo-Album gewartet? 

Skid Row ist mein Leben. Seit 1985, um genau zu sein. Und die Band nimmt irrsinnig viel Zeit in Anspruch. Daher kam mir bislang nie in den Sinn, eine Solo-Platte zu machen. Bis ich irgendwann in Nashville mit Nick sprach und er mich geradeheraus fragte, ob ich nicht mal meine eigene Scheibe machen wolle. Und ich dachte: Oh, gute Idee, hahaha.

Wie sieht es mit einer Tour durch Deutschland aus?

Oh, das wäre toll, wenn uns ein Promoter buchen würde. Daran hängt es ja immer. In Übersee zu touren ist mit großen Kosten verbunden. Daher muss alles passen. Aber ich hätte schon Lust darauf.  

Neues Album: „Gargoyle Of The Garden State“