Im Interview

Mikkey Dee über das neue Album: "Das ist uns sehr gut gelungen"

19.06.2026, 10.38 Uhr
Mikkey Dee, bekannt durch die Scorpions und Motörhead, spricht über die Entstehung und Zukunft der Band Lex Legion. Mit Andy LaRocque, Pete Blakk und weiteren prominenten Musikern schafft die Band einen einzigartigen Sound, der das Beste der 80er mit modernen Elementen verbindet.

prisma: Mikkey, wie geht es dir?
Mikkey Dee: Gut, gut. Ich habe gerade 500 Bilder signiert.

Wow. Funktioniert deine Hand überhaupt noch?
Meine Hand bringt mich um. Insgesamt sind es sogar 700 Autogramme, aber heute habe ich immerhin 500 geschafft.

Respekt, dass du das alles noch selbst unterschreibst.
Ich wünschte, ich hätte einfach einen Stempel.

KI-Stempel wie beim Präsidenten?
Genau. So einen automatischen Präsidenten-Stift.

Wie viele Stunden hat dein Tag eigentlich? Bei all den Projekten fragt man sich fast, ob du einen Klon hast.
Nein, ich mag es einfach, beschäftigt zu sein. Bei den Scorpions haben wir oft längere Pausen. und das funktioniert für mich überhaupt nicht. Ich muss spielen und aktiv bleiben. Wenn man das nicht tut, verliert man ständig etwas – körperlich und mental. Aktiv zu bleiben, ist extrem wichtig für mich. Aber ja, manchmal ist es definitiv etwas zu viel.

Für uns ist das natürlich großartig, weil dadurch ständig spannende neue Sachen passieren.
Und ihr kennt nicht mal die Hälfte von dem, was ich mache. Ich bin neben der Musik in der Automobilbranche tätig und vermittele Sportwagen wie Ferrari, Lamborghini oder McLaren. Dazu bin ich im Möbel-Business und schreibe Kinderbücher. Dazu kommen noch viele andere Dinge.

Verrückt.
Ein bisschen verrückt, ja.

Lass uns über deine neue Band sprechen. Wann wurde aus Lex Legion eigentlich mehr als nur eine Idee?
Andy und Pete schreiben schon seit Jahrzehnten gemeinsam Riffs. Vor etwa zwei Jahren kam Pete mit einigen Ideen zu mir und ich habe sofort gehört, dass da riesiges Potenzial drinsteckt. Dann haben wir Andy und Hal gefragt, ob sie dabei sein wollen, und natürlich wollten sie das. Danach brauchten wir noch einen Sänger. Andy schlug Nils aus Norwegen vor, mit dem er bereits gearbeitet hatte. Und das passte perfekt.

Anfangs war es also eher ein Nebenprojekt?
Am Anfang ja. Aber Lex Legion ist mittlerweile keine kurzfristige Sache mehr. Das ist eine echte Band. Wir sind hier, um zu bleiben. Wir arbeiten sogar schon am zweiten Album.

Viele Fans verbinden mit Lex Legion natürlich sofort die klassische King-Diamond- beziehungsweise „Them“-Besetzung.
Klar, und das verstehen wir auch. Andy und ich kennen uns praktisch unser ganzes Leben. Wir haben früher sogar in rivalisierenden Bands gespielt. Mit Pete habe ich schon in Geisha gespielt. Wir waren immer Freunde. Irgendwann haben wir einfach gesagt: Lass uns endlich gemeinsam etwas machen.

Das Album erinnert atmosphärisch stark an die alten King-Diamond-Platten.
Natürlich wird man daran erinnert. Das liegt daran, wie wir Musik schreiben. Aber wir wollten melodischer und weniger kompliziert sein als damals bei King Diamond. Weniger verspielt, dafür schwerer und grooviger. Früher wollte man als junger Drummer ständig beweisen, wie kompliziert man spielen kann. Heute weiß ich: Weniger ist oft mehr.

War es schwierig, bewusst simpler zu spielen?
Nein, überhaupt nicht. Früher wollte man überall Drumfills unterbringen und möglichst technisch spielen. Heute höre ich viel stärker auf die Musik selbst. Die Songs müssen atmen können. Ich hätte über jeden der neuen Songs ein Drumsolo spielen können – und damit alles zerstört.

Trotzdem gibt es auf dem Album diese typischen ungewöhnlichen Arrangements.
Absolut. Moderne Produzenten würden wahrscheinlich durchdrehen und fragen, warum wir bestimmte Parts eingebaut haben oder warum plötzlich ein zusätzlicher Takt auftaucht. Aber genau das macht diese Musik aus. Wir arrangieren immer noch wie in den Achtzigern – nicht nach dem klassischen Schema Verse, Chorus, Verse, Solo, Ende.

Neben Lex Legion und den Scorpions bist du ja auch mit deiner Motörhead-Tribute-Show unterwegs.
Und ich sage es immer wieder: Das ist keine neue Version von Motörhead. Das wäre unmöglich. Manche verstehen das falsch und glauben, ich wolle Motörhead ersetzen. Aber Motörhead wird niemals zurückkommen.

Nervt dich diese Diskussion?
Mich nervt nur, wenn Leute glauben, ich würde versuchen, Motörhead neu zu erschaffen. Das ist unmöglich ohne Lemmy. Aber ich darf meine Songs spielen. Und die Nachprisma nach Motörhead-Musik ist heute größer als damals, als die Band aufgehört hat.

Viele junge Fans hatten nie die Chance, Motörhead live zu sehen.
Genau. Junge Leute kommen nach den Shows zu mir und sagen: „Das ist wahrscheinlich so nah an Motörhead dran wie keine andere Band.“ Das bedeutet mir viel. Manchmal stehen große, harte Biker-Typen vor der Bühne und weinen bei bestimmten Songs. Diese Musik löst echte Emotionen aus.

Gleichzeitig gibt es immer wieder Kritik an den vielen Motörhead-Produkten und Veröffentlichungen.
Ja, manche behaupten, wir wollten nur Geld verdienen. Aber diese Leute verstehen Motörhead nicht. Lemmy selbst wollte, dass die Musik weiterlebt..

Warum ist Motörhead heute vielleicht sogar größer als früher?
Weil die Band echt war. Es gab vorher keine Band wie Motörhead, und es wird nie wieder eine geben. Die Leute merken heute, wie einzigartig diese Band war.

Du hast mit unglaublich vielen Legenden gespielt – King Diamond, Motörhead, jetzt Scorpions. Wie geht man mit solchen Bands um?
Man braucht Fingerspitzengefühl. Man muss wissen, wann man sich zurücknimmt und wann man Druck macht. Als ich zu den Scorpions kam, wollte ich nicht James Kottak kopieren. Ich wollte Mikkey Dee in die Band bringen. Mehr Energie, mehr Tightness, mehr Rock’n’Roll.

Und gleichzeitig muss man die Band respektieren.
Genau. Man muss sich gegenseitig respektieren. Ich kann nicht in eine Band wie die Scorpions kommen und behaupten, ich wüsste alles besser. Man muss sich das Vertrauen erst verdienen.

Was ist dir auf der Bühne heute am wichtigsten?
Spaß. Wenn ich keinen Spaß mehr habe, bin ich raus. Musik muss Freude machen – das ist das Wichtigste überhaupt.