20.07.2020 Moderator

Rudi Cerne

Von Lara Hunt
"Aktenzeichen XY"-Moderator Rudi Cerne.
"Aktenzeichen XY"-Moderator Rudi Cerne. Fotoquelle: ZDF / Nadine Rupp

Seit 18 Jahren moderiert Rudi Cerne die Fahnungssendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" im ZDF. Im Interview erklärt er, wie sich die Sendung und die Verbrechen im Laufe der Zeit verändert haben und wie er damit umgeht, wenn durch das Format tatsächlich Verbrechen aufgeklärt werden.

Herr Cerne, einmal im Monat berichten Sie über Verbrechen. Wie schaffen Sie es, danach abzuschalten?

Es gelingt mir erstaunlich gut, auch wenn ich nicht genau weiß, wie. Natürlich hängt man die Fälle nicht mit dem Anzug in den Schrank, aber ich versuche, Abstand zu halten.

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Gibt es da Fälle, wo das nicht so gut gelingt?

Ja, bei Lolita Brieger. Ein Fall, der nach 29 Jahren tatsächlich aufgeklärt werden konnte. Sie wurde mit 18 getötet und vom Täter und einem Mitwisser auf einer Mülldeponie vergraben. Die Polizei hatte keine Leiche und keine Beweise. Aber nach unserer Sendung kam der entscheidende Hinweis. Eine Bekannte des Mitwissers meldete sich bei der Polizei. Bei einer erneuten Vernehmung packte der Mitwisser schließlich aus.

Feiert man in solchen Fällen?

Zum Feiern wäre das der falsche Anlass, aber es zeigt, welche Relevanz unsere Sendung hat.

Die zeigt sich auch beim Fall Maddie McCann. Auch hier gab es durch "Aktenzeichen XY" wichtige Hinweise. Wie war das für Sie?

Ich habe die Eltern 2013 in Birmingham schon vor ihrem Auftritt bei XY persönlich kennengelernt, und das gibt dem Ganzen eine andere Dimension. Ich weiß, wie verzweifelt sie auf der Suche nach Antworten sind. Abschließen können sie immer noch nicht. Man weiß nicht, was mit Madeleine passierte, es gibt keine Leiche.

Meinen Sie, da wird noch Licht ins Dunkel kommen?

Ich bin kein Orakel, aber ich hoffe, dass der Fall irgendwann geklärt werden kann.

Seit 18 Jahren sind Sie das Gesicht von "Aktenzeichen XY… ungelöst". Wie hat die Sendung sich in der Zeit verändert?

Die Sendung ist ihrer Linie treu geblieben, ungeklärte Verbrechen mit Hilfe der Zuschauer aufzuklären. Und dabei erreichen wir eine ziemlich respektable Quote von 40 Prozent. Was sich weiterentwickelt hat, ist die Qualität der Filme. Wir haben exzellente Schauspieler und Regisseure. Zusätzlich sind die Beiträge länger geworden. Beides trägt dazu bei, dass die Geschichten von Opfer und Angehörigen eindringlicher erzählt werden und die Zuschauer sich mehr in ihre Lage hineinversetzen können. Die Sendung vermittelt mehr Emotionen, obwohl kein Drehbuchautor am Werk ist. Das Drehbuch – das liefert die Realität.

Haben sich die Verbrechen verändert?

Ja. Die Verbrechen sind brutaler geworden, die Täter jünger. Dass eine alte Dame wegen 50 Euro im Portemonnaie umgebracht wird, das ist neu.

Haben Sie dadurch im alltäglichen Leben mehr Angst?

Nein. Aber die Sendung bestätigt mich darin, vorsichtig zu sein. Ich bin von Natur aus ein vorsichtiger Mensch. Angst hingegen ist meiner Meinung nach ein schlechter Begleiter.

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