10.08.2020 Deutscher DJ und Musiker

WestBam

Von Sarah Schneidereit
WestBam sprengt gerne musikalische Grenzen.
WestBam sprengt gerne musikalische Grenzen. Fotoquelle: imago/Sven Simon

Klassische Musik trifft Techno: Bei "Klassik im Club" macht auch Star-DJ West Bam mit. Im Interview erklärt er, was ihn an dem ZDF-Format so gereizt hat und was sein persönliches Highlight bei der Aufzeichnung war.

Wie kommt es, dass Sie bei "Klassik im Club" mitmachen?

Es werden ziemlich viele Anfragen an mich herangetragen und aus diesem Pool wähle ich dann aus, was für mich spannend klingt und wovon ich mir viel verspreche. Das ZDF hat mich angefragt und ich fand das Konzept interessant.

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Was genau reizt Sie so an dem Format?

Es treffen unterschiedliche Musikstile aufeinander und es entsteht etwas völlig Neues. Für mich als DJ gehört das Experimentieren sowieso dazu. Ein DJ legt auf Plattenspieler eins eine Platte auf, auf Plattenspieler zwei eine andere, und dann wird daraus etwas Neues geschaffen. Andere Soundwelten waren in der DJ-Kultur schon immer immanent. Und musikalische Grenzen habe ich bereits am Anfang meiner Karriere überschritten. Nur so als Beispiel: 1987 habe ich in Riga ein Lied mit einer russischen Punkband aufgenommen, und mein erster Auftritt war in Berlin mit den Einstürzenden Neubauten.

Bei "Klassik im Club" teilen Sie sich die Bühne mit jungen Künstlern aus dem Bereich Klassik. Hatten Sie einen Einfluss darauf, mit wem Sie performen?

Nein, und das ist auch das Schöne daran. Ich bin dieses Mal nicht der DJ, der sich die Künstler aussucht. Wir haben uns alle vorab zu einer Probe in den legendären Hansa-Studios in Berlin getroffen. Da stand dann das DJ-Equipment, das ich mir vom Sender gewünscht habe, und wir haben uns erst einmal alle unterhalten und danach zusammen zwei Durchläufe gespielt. Ich muss sagen, dass es für mich als DJ jetzt nicht die größte Herausforderung ist, da ich kein komplexes Set spiele.

Aber dennoch hat es Ihnen Spaß gemacht?

Das auf jeden Fall. Es hat Spaß gemacht, ein Teil von diesem Konzept zu sein und zu sehen, mit wie viel Freude und Präzision die anderen Künstler an die Sache herangehen. Ich bin eher so der Ideenmusiker. Ich habe nie wirklich gelernt, ein Instrument zu spielen oder Noten zu lesen. Ich habe mich dementsprechend auch nie hingesetzt und Sachen einstudiert.

Was sagen Sie zu dem Ergebnis?

Mein persönliches Highlight war, dass ein String Arranger aus einem meiner Lieder ein orchestrales Stück gemacht hat. Das ist schon etwas Besonderes, sein Lied in dieser Form zu hören. Und es hat mir wirklich viel Freude gemacht, den anderen Musikern zuzuschauen und zuzuhören. Ich habe mich weniger als Musiker gefühlt, sondern selbst auch als Zuschauer beziehungsweise Zuhörer.

An welches Publikum richtet sich "Klassik im Club"?

Ich möchte ungern eine Altersgrenze festlegen oder eine Zielgruppe definieren. Das Format lebt ja gerade davon, dass wir Grenzen überschreiten. Weshalb sollte ich also jetzt welche ziehen?

Die Sendung wurde noch vor der Corona-Krise vor Publikum aufgenommen. Aktuell haben Künstler es nicht so leicht. Wie gehen Sie mit der Situation um?

Natürlich haben Künstler es aktuell nicht gerade leicht, und die Lage setzt vielen finanziell sehr stark zu. Es gibt viele, die sagen, dass von staatlicher Seite aus nicht genug für die Kreativen getan wird, doch ich sehe das etwas anders. Und leider ist es nun einmal bei einer hochansteckenden Lungenkrankheit so, dass Live-Konzerte, wo viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen, mit als Letztes wieder erlaubt werden können.

Haben Sie den Corona-Lockdown genutzt, um wie andere Kollegen zu streamen?

Ja, aber ich finde Streaming ist ein bisschen so, als würde man zu Hause sitzen und ein Mixtape aufnehmen. Ich habe in den vergangenen Jahren immer mehr auf meinen Laptop gesetzt und bin weniger ins Studio gegangen. Von daher mache ich Musik da, wo ich stehe und gehe. Und wenn ich der letzte Mensch auf Erden wäre, der noch tanzen würde, ich würde weiterhin meine Musik machen. Das ist einfach das, was mir Spaß macht. 

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