Mit "Der König der Tiere" legt Moderator und Entertainer Jürgen von der Lippe sein neues Buch vor.

Mann muss sich ja schon fragen dürfen, was dieser Buchtitel denn eigentlich ist: eine Inhaltsangabe? Eine Selbstbeschreibung? Und wenn Jürgen von der Lippe mit „Der König der Tiere“ sich selbst beschreibt – wer sind dann die Tiere? Wir alle?

Ein Blick in das Vorwort hilft leider nicht wirklich weiter. Darin warnt der Moderator, Entertainer, Schauspieler, Musiker, Komiker und Autor lediglich vor seinem neuen Buch, in dem er aus dem Brief einer Leserin (64, Krankenschwester) zitiert, die beim Hören einer seiner CDs während einer Autofahrt eine "Lach-Synkope" erlitt (Doch, so etwas gibt es wirklich!). Die Folgen dieser kurzen Bewusstlosigkeit: "ein kaputtes neues Auto mit gebrochener Hinter- und Vorderachse, kaputter Antriebswelle und zwei völlig zerfetzten Reifen".

Auch das Inhaltsverzeichnis verrät über den Titel des Buches nicht wirklich mehr. Von Tieren ist das nicht viel zu finden, lediglich eine Birke, ein paar Außerirdische, ein Ödipus sowie ein "Neurosenbündel" tauchen hier auf, mit dem von der Lippe aber ganz offensichtlich sich selbst meint. Und dann, im letzten Kapitel: der "König der Tiere".

Zwischen diesem letzten Text und dem Vorwort: 64 "Geschichten und Glossen", so der Untertitel – wobei dieses Buch auch noch einen Unteruntertitel hat: "Mit einer eingeschmuggelten Geschichte von Thorsten Sträter“ (seines Zeichens Horror- und Comedy- Schriftsteller, Slam-Poet und Kabarettist). Wo genau die sich versteckt, wollen wir an dieser Stelle nicht verraten. Sehr wohl aber, worum sich die verbleibenden 63 Texte so drehen. Die kurze Antwort wäre: um alles und nichts. Die lange Antwort? Um Ausreden für den genervten Partner, gutes Benehmen, Alkohol in Flugzeug-Cockpits, von der Lippes Sternzeichen und dessen Auswirkungen, Autos, Arztbesuche und Autoverkäufer, einen galaktischen Knall, den Versuch, die Gebrüder Grimm zu modernisieren, oder eine Bimmel- Studie zum Thema Sex. Kurz: um alles und nichts.

Liebe, Mord und Streuselkuchen

Von der Lippe versammelt in seinem neuen Bändchen alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist: Alltagsbeobachtungen, Fundstücke, Erlebnisse aus seinen fiktiven VHS-Kursen "Kreatives Schreiben", Kalauer, Monologe, Dialoge und vieles mehr. Manches ist so albern, wie von der Lippe eben manchmal ist, manches kommt mit Hintersinn daher und manches mit der ganz eigenen Poesie, die dieses 1948 in Bad Salzuflen geborene Multitalent auszeichnet. So wie die kleine Geschichte von "Liebe, Mord und Streuselkuchen", die damit beginnt, dass ein Mann in den mittleren Jahren und einem abgetragenen Anzug eine Frau fragt, ob sie ihm einen Euro verkauft. Die beiden kommen ins Gespräch, das mehr und mehr Fahrt aufnimmt – und dessen Ende Sie schon selbst nachlesen müssen. Es lohnt sich, wie so viele Kapitel.

Für manche dieser Geschichten schlüpft von der Lippe in Rollen wie die des Startup-Unternehmers, der durch seinen Psychiater das große Glück findet, andere wirken wie aus seiner eigenen Biografie ausgeschnitten. "Wie Musik mir durch die Kindheit half" ist so ein Fall, darin schreibt von der Lippe von einem Phänomen, das er "Heimwehlieder" nennt, von schweren Zeiten, einer Frau namens Vera – und von der schicksalhaften Zahl 17. Nicht immer enden diese Geschichten mit einer Pointe, von der Lippe übersetzt Kabarett und Comedy nicht einfach in Buchform. Aber alle enden so, dass der Leser etwas aus ihnen mitnehmen kann. Und wenn es nur ein Schmunzeln ist.