Das Musical "Bodyguard" feiert in Köln Einjähriges. Ein Gespräch mit den Hauptdarstellern Patricia Meeden und Jürgen Fischer.

Das erste Jahr Bodyguard ist rum. Wie ist die persönliche Bilanz, hat sich die Rolle binnen eines Jahres verändert?

Patricia Meeden: Ich wachse immer noch an der Rolle, die Dinge entwickeln sich ständig weiter. Schauspielerisch liegt jetzt mehr Ruhe drin: Rachel Maron ist nicht mehr so extrem divenhaft. Klar, sie ist immer noch eine Diva, aber so wie sie jetzt ist, ist es cool. Ganz ehrlich: Ich bin erst nach sieben Monaten so richtig zufrieden mit ihr und mir gewesen.

Jürgen Fischer: Stimmt, auch die Rolle des Frank Farmer ist ein dynamischer Prozess, eine Reise. Absolut überrascht hat mich der enorme Publikumszuspruch. Es ist eine wunderbare Motivation, die Menschen jeden Abend happy zu machen.

Sie und Ihre Figur Rachel Maron scheinen sich prächtig zu verstehen...

Meeden: Seitdem ich ihrer Divenhaftigkeit die Extreme genommen habe, kommen wir prima miteinander klar. Vielleicht bin ich jetzt sogar zu nett.

Ist Rachel Maron die Traumrolle für Sie?

Meeden: Absolut. Ich wollte immer ein Popstar sein – jetzt spiele ich einen. Wo gibt es heute noch diese Songs, in denen man alles von sich zeigen kann? Hinter der Musik von Whitney Houston stehe ich zu 100 Prozent. Das ist mehr als ein Job, hier kann ich die Liebe zum Beruf ausleben...

Fischer: ...und das ist so wichtig. Wenn man Kunst ohne Liebe betreibt, macht dich das kaputt.

Was macht die Faszination Bodyguard aus?

Meeden: Ich freue mich jeden Abend darauf, in meine Traumrolle zu schlüpfen. Ich darf all diese tollen Songs singen und jeden Abend wohl eine der schönsten Liebesgeschichten live auf der Bühne spielen. Das Publikum geht begeistert mit. Diese positive Energie ist unglaublich, die trägt das Ensemble und mich Show für Show.

Fischer: Das Musical ist unwahrscheinlich dicht gebaut. Es ist auf lauter Höhepunkte fixiert und findet auf einer wunderbar konstruierten Bühne statt. Und dann die unglaublichen gesanglichen Leistungen: Das finde ich als Schauspieler sehr erhebend. Ich kann mich auf einen Teppich aus Emotionen legen und zusammen mit den Zuschauern darauf schweben.

Gibt es für Sie ein Lieblingslied in Bodyguard?

Meeden: Sogar zwei: Die wunderbare Ballade "I have nothing" am Ende des ersten Teils sowie die Tanznummer "I'm every woman".

Ihre Rolle verlangt einen Gesangsmarathon. Wie "grooven" Sie sich ein?

Meeden: Das Warm-up beginnt bereits 90 Minuten vor der Vorstellung. Ich fange aber schon am frühen Nachmittag zu Hause an, mich einzusingen. Die Stimme braucht eine Weile, bis sie in Höchstform ist. Wie bei einem Profisportler müssen sich alle Muskeln aufwärmen.

Wie nähert man sich Whitney Houston an?

Meeden: "Mache eine Whitney aus mir", habe ich zu meinem Gesangslehrer gesagt. Klar, dem Vergleich mit Whitney kann niemand standhalten. Ich habe mir zunächst als Gerüst ihre Manierismen und Phrasierungen angeeignet. Erst wenn man sehr nah am Original ist, kann man ausbrechen...

Sie schlüpfen in die Rolle eines Weltstars. Und danach, wenn das Bühnenlicht erloschen ist?

Meeden: Ich mag das Danach, diesen Bruch, ich brauche keine Claqueure. Ich kann loslassen und dann meine aktuelle Wahlheimat Köln genießen. Auf der Straße erkennt mich niemand, ich kann wie ein Schlumpf aus dem Haus gehen.

Gibt es Traumrollen für Sie?

Meeden: Die Rachel Maron in Bodyguard ist eine Traumrolle. Aber eine Musical-Traumrolle habe ich noch: Tina Turner! Für Kino oder TV muss es eine dramatische Rolle sein. Oder die einer Superheldin. Am besten beides!

Das Interview führte Matthias M. Machan.