Frankreichs normannische Küste spielte eine entscheidende Rolle für das Ende des Zweiten Weltkriegs. Eine internationale Kampagne lässt Geschichte wiederaufleben – gegen das Vergessen.

Das mittlere der fünf dunklen Totenkreuze überragt die anderen. Die Anordnung der Kreuzreihen setzt sich nach allen Seiten fort. Dazwischen liegen Grabplatten, mit männlichen Namen, Lebensdaten, militärischen Rängen. Eine Jahreszahl wiederholt sich schier endlos: 1944. Das Todesjahr der Begrabenen. Auf dem rund elf Quadratkilometer großen "Cimetière militaire al-lemand de La Cambe" in der Normandie ruhen mehr als 21 000 deutsche Soldaten, vereint durch dasselbe Schicksal, das die einheitliche Gräbergestaltung spiegelt.

"La Cambe konfrontiert uns mit den Folgen von Krieg und Gewalt und mahnt, wie wertvoll Frieden ist", sagt Marie-Annick Wieder vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Als Ruhestätte für deutsche Soldaten im ehemaligen Feindesland trage der Friedhof zudem zur Völkerversöhnung bei. Er ist eine von weltweit mehr als 830 Kriegsgräberstätten, die der gemeinnützige Verein betreut – für eine nachhaltige Erinnerungskultur. "Die Landung der Alliierten in der Normandie am 6. Juni 1944 schuf den Anfang für Frieden und Demokratie in Europa", beschreibt Wieder die zentrale Bedeutung des "D-Day" und der Region für das Ende des Zweiten Weltkriegs, die nicht in Vergessenheit geraten soll. "Die Normandie ist einer der ersten und wichtigsten Partner unserer Stiftung", sagt der Historiker Jory Brentjens von der "Liberation Route Europe Foundation".

Entlang der "Straße der Befreiung Europas" treffen Reisende auf zahlreiche historische Meilensteine. "Sie vollzieht den Weg der Alliierten nach, von Südengland über Normandie, belgische Ardennen, Niederlande, den Hürtgenwald bis nach Berlin", sagt Brentjens. Zu den Erinnerungsorten gehören das stille Dörfchen Sainte-Mère-Église und dessen Umgebung, wo unzählige amerikanische Fallschirmspringer landeten. Der amerikanische Soldatenfriedhof bei Colleville-sur-Mer ist die letzte Ruhestätte von 9 387 in der Schlacht gefallenen US-Soldaten. "Die Stätte ehrt die USA für ihre Opfer zur Befreiung Europas vom Nationalsozialismus", sagt Brentjens.

Aussöhnung im Mittelpunkt

Der Standort des American War Cemetery gewährt einen Blick auf den sechs Kilometer langen Omaha Beach, den bekanntesten der fünf Landungsstrände am D-Day. Zwischen ihm und dem Utah Beach, wo die ersten amerikanischen Truppen landeten und zu dem heute ein gleichnamiges Museum gehört, befindet sich die Steilküste Pointe du Hoc: Bis zur Zerstörung durch das Zweite US-Ranger-Bataillon am 6. Juni 1944 befand sich dort eine deutsche Artilleriebatterie. An den signifikanten Beitrag Kanadas zur Befreiung Westeuropas erinnert das "Juno Beach Centre" in Courseulles-sur-Mer. Brentjens: "An diesen und vielen weiteren Stätten der Liberation Route Europe möchten wir zum Nachdenken über den Wert unserer hart erkämpften Freiheiten anregen – und über die Bedeutung der Aussöhnung zwischen den Völkern dieser Welt."

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