Die Sommelière Romana Echensperger hat ein Weinbuch für Frauen veröffentlicht. Ein Gespräch über Emanzipation, einen entspannten Umgang mit Wein und den Beruf des Winzers.

Frau Echensperger, 2017 ein Weinbuch nur für Frauen zu veröffentlichen, ist das nicht ein Widerspruch zur Emanzipation?

Ein Großteil der Weintrinker sind mittlerweile Frauen, die in Bezug auf Wein einfach anders denken als Männer. Gerade deshalb wollte ich mit dem Buch ein Statement für uns Frauen setzen.

"Frauen lesen anders" heißt ein Buch von Ruth Klüger. Heißt das also, dass Frauen auch anders trinken? Oder: anders schmecken?

Frauen können tatsächlich besser riechen und schmecken. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass sie mehr Aromen wahrnehmen als Männer. Und sie sind meist entspannter, was Wein angeht. Sie genießen mehr anlassbezogen und kaufen Wein, um ihn mit Freunden und Familie zu teilen. Es geht mehr um den eigenen Geschmack als um Image und Parker-Punkte.

Historisch gesehen waren Frauen lange Zeit vom Weingenuss ausgeschlossen. Warum war das so?

Das lag am traditionellen Rollenverständnis, physischen Eigenschaften und sozialen Stereotypen. Während bei Männern Wein und seine Rauschwirkung mit Freundschaft, Kameradschaft, Genuss, Kennerschaft, gesellschaftlichem Status und Stärke assoziiert wurde, galten Wein trinkende Frauen als liederlich und unschicklich. Der sichere Umgang mit Wein erforderte Selbstbewusstsein, Wissen und rhetorische Fähigkeiten. Damit besiegelte man die Zugehörigkeit zur besseren Gesellschaft. Frauen waren da nicht erwünscht.

Vor allem der praktische Teil Ihres Weinbuches für Frauen, der sich beispielsweise mit der Frage beschäftigt, woher man den richtigen Wein überhaupt bekommt, oder der nach Korken oder Schraubverschluss, behandelt ja nicht per se weibliche Themen. Ist dieser Teil also so etwas wie Aufklärungsarbeit zu verstehen?

Mir ist ein entspannter Umgang mit Wein wichtig. Es ist immer noch so, dass alle Fragen rund um das Thema Wein sehr ehrfürchtig behandelt werden. Man bekommt dadurch das Gefühl, man könnte im Umgang mit Wein viele Dinge ganz fürchterlich falsch machen. Auch weil in der Weinwelt einfache Sachverhalte zu kompliziert erklärt werden. Das hat mich immer geärgert. Ich möchte in diesem Kapitel Hintergrundwissen zu diesen Themen vermitteln und damit Frauen die Möglichkeit geben, Entscheidungen in Bezug auf Wein ganz selbstbewusst zu treffen.

Sie beschreiben, dass Frauen besonderen Wert auf das Etikett legen. Doch gerade das kann doch auch trügerisch sein, oder?

Ein schönes Etikett verrät noch nichts über die Qualität, das stimmt. Allerdings kann es durchaus Aufschluss über den Geschmack geben, den die Genießerin erwarten kann. Wenn zum Beispiel ein Rosé mit einem sehr verspielten Etikett daherkommt, wird er wohl eher aromatisch und süßlich schmecken und nicht unbedingt würzig und kräftig.

Die meisten Sommeliers sind Männer. Und ich erinnere mich an eine Verkostungsnotiz, bei der der Rezensent einen Rotwein als nach "scharf gerittenem Damensattel" schmeckend beschrieb. Wenn man so etwas liest, fragt man sich schon: Wie viel hat Wein mit Machismo und Sexismus zu tun?

Wir Frauen haben in der Weinwelt stark aufgeholt. Es gibt mittlerweile viele weibliche Sommeliers. Das mit dem Sexismus kann ich so nicht bestätigen und habe ich auch noch nicht erlebt. Ich hoffe, so etwas gehört mittlerweile der Vergangenheit an.

In Deutschland gibt es auch immer mehr Winzerinnen. Woher kommt diese Entwicklung?

Früher wurde der Familienbesitz üblicherweise an männliche Nachfahren weitergegeben. Der Beruf des Winzers war eine körperlich sehr schwere Arbeit. Heute gibt es viele technische Neuerungen, die die Arbeit erleichtern, und Weingüter werden mittlerweile genauso an weibliche Nachkommen vererbt. Diese Entwicklung trägt sicherlich dazu bei, dass die Weinschulen seit einiger Zeit immer mehr Winzerinnen hervorbringen.

Der Untertitel Ihres Buches heißt zwar "Das ultimative Weinbuch nur für Frauen", aber ist es vielleicht trotzdem auch etwas für Männer?

Natürlich! Für alle Männer, die Wein als Genussmittel sehen und nicht unbedingt als Statussymbol, ist es genau das richtige Buch.

Florian Blaschke führte das Interview.