In die Küche hält Hightech Einzug – doch wie sinnvoll ist das? Wir klären auf.

Null. Eins. Aus. An. Topf auf den Herd. Zutaten rein. So einfach kann Kochen sein. Oder sagen wir: könnte es sein. Wären da nicht komplizierte Prozeduren und vertrackte Rezepte. Bei "Null. Eins. Aus. An." denkt mancher aber gar nicht ans Kochen, sondern an Computer. Einsen und Nullen sind ihre DNA, dieser "Binärcode" ist die Grundlage aller Prozessoren und Rechner.

Zurück zum Thema Rezepte, fügen wir beide Zutaten zusammen: das Kochen und den Binärcode. Denn auch in der Küche funktioniert längst nicht mehr alles analog, haben etablierte Hersteller und Startups das ein oder andere smarte Helferlein entwickelt. Manches davon klingt selbst 2017 noch nach Science-Fiction. "Foodini" etwa, ein 3D-Drucker, der Essen drucken soll. Die Idee: Man legt mit Zutaten gefüllte Kapseln ein, aus denen Foodini dann Essen kreiert – etwa Pizza, Pasta oder Hamburger. Und auch Barilla kündigte schon einen 3D-Drucker an, der – was sonst? – frische Pasta drucken soll.

Perfekt für Kinder und Unerfahrene

Doch es müssen gar nicht so extravagante und für viele wohl auch unnütze Ideen sein. Manches Projekt geht ganz pragmatisch ans Kochen heran. So wie das Start-up Drop (www.getdrop.com). Gründer Ben Harris hat eine Waage erfunden, die sich mit einem Tablet koppeln lässt und darauf Schritt-für-Schritt-Anleitungen für Rezepte anzeigt. Hat man beispielsweise 500 Gramm Mehl abgewogen, erkennt Drop das und geht zu Schritt 2 über: Backpulver hinzufügen.

Für erfahrene Köche, die alles auswendig können oder am liebsten improvisieren, sicher überflüssig. Um Kinder oder Unerfahrene ans Kochen oder Backen heranzuführen, aber eine charmante Idee. Der Kostenpunkt: knapp 80 Euro. Ein ähnliches Konzept verfolgt Beurer mit seiner Waage "KS 800". Der Unterschied: Sie verfügt selbst über ein Display und einen Speicher, auf dem 130 Rezepte gespeichert sind. Auch dieses Modell lässt sich drahtlos mit dem Smartphone verbinden, sodass neue Rezepte auf die Waage geladen werden können. Zu haben ist die Beurer-Waage für rund 70 Euro.

Kochen, Backen, Schmoren, Frittieren

Ebenfalls als Unterstützung für Hobbyköche sieht WMF seinen "Cook Assist", eine Ergänzung für den Dampfgarer "Vitalis", ein per Smartphone-App gesteuertes Kochsystem: Zunächst gibt man alle Zutaten in der dazugehörigen App ein, dann befestigt man den "Cook Assist" am Dampfgarer. Dieser errechnet die unterschiedlichen Garzeiten und signalisiert, wenn Zutaten hinzugefügt werden müssen. Ist alles fertig, meldet sich der "Cook Assist" erneut. Mit rund 100 Euro ist er allerdings kein Schnäppchen, vor allem, da der Dampfgarer mindestens noch einmal so viel kostet.

Noch einen Schritt weiter geht Bosch mit seinem "AutoCook", einem Kochautomaten, der alles können soll – Kochen, Backen, Schmoren, Frittieren oder Sous-vide-Garen. Die Bedienung: laut Hersteller kinderleicht. Zunächst eines der Grund-Programme, dann die Zubereitungsdauer wählen (kurz, mittel, lang) und jetzt nur noch das Programm bestätigen. Fertig. 50 Programme bringt diese Küchenmaschine mit, dazu kommen eine Rezepte-App und eine Schnellkochfunktion. Einziger Haken: Der "AutoCook" ist mit knapp 400 Euro kein Schnäppchen.

11.000 Euro für eine Kaffeemaschine?

Wer Lust hat, noch mehr in seine Küche zu investieren, ist beim dänischen Hersteller Scanomat richtig. Das 50 Jahre alte Unternehmen stellt mit dem "Topbrewer" ein Produkt her, das man nur als Luxus bezeichnen kann. Zwar sieht es aus wie ein gewöhnlicher, wenn auch schicker Wasserhahn, doch es entpuppt sich als noble Kaffeemaschine. Fest in die Küche integriert, wobei der Großteil im Unterschrank verschwindet, brüht sie alle möglichen Kaffeespezialitäten samt Milchschaum auf – in nur 15 Sekunden und natürlich App-gesteuert, sogar per Smartwatch. So viel Hightech hat seinen Preis: Gut 11.000 Euro ruft Scanomat für das Designer-Gerät auf.

Die Visionen etlicher Hersteller aber können selbst das noch toppen. Während Experten schon seit Jahren über den smarten, mitdenkenden Kühlschrank philosophieren, der Lebensmittel nachbestellt oder erkennt, wenn die Milch sauer geworden ist, sieht die Wirklichkeit zwar noch etwas banaler aus – vernetzt aber ist sie trotzdem schon. Fast alle großen Hersteller arbeiten an Systemen, bei denen einzelne Geräte untereinander kommunizieren können. Bei Siemens und Bosch nennt sich das dann "Home Connect", bei Tielsa "Connected Kitchen" und Miele hat seine smarte Küche "Miele@home" genannt.

Die ganze Küche per App steuern

Die Basis des Systems von Siemens: eine App. Mit ihr lassen sich alle angeschlossenen Geräte steuern. Das Herzstück: "Mykie", ein intelligenter Assistent für die Küche, der sich am ehesten mit Amazons Alexa vergleichen lässt. Laut Hersteller weiß dieser Assistent, was sich im Kühlschrank befindet oder wie lange der Kuchen noch im Ofen bleiben muss. Er lässt sich per Sprache steuern und bietet durch die integrierte Kamera auch Funktionen wie virtuelles Kochen mit Freunden oder Familienmitgliedern, die sich an anderen Orten befinden, oder den digitalen Austausch von Rezepten. Apropos Rezepte: Diese lassen sich beispielsweise auch von der App an den Backofen übertragen, der dann das passende Programm starten kann. Und auch andere Haushaltsgeräte wie die Kaffeemaschine, die Waschmaschine oder der Trockner lassen sich mit dieser App steuern und so beispielsweise auch von unterwegs überwachen oder starten.

Ebenfalls eine Weiterentwicklung: Kühlschränke mit integrierten LEDs, die auch bei geschlossener Tür noch leuchten. Ihr Licht soll das Gemüse länger frisch halten. Oder spezielle Vakuum-Schubladen, die für mehr Haltbarkeit sorgen sollen. Und Siemens baut eine neue Generation von Kühlschränken, in denen Fleisch, Obst und Gemüse bei knapp über null Grad gelagert werden und deren Inneres aus einem speziellen Kunststoff besteht, der Wasser speichern und nach und nach wieder abgeben kann. So trocknen Lebensmittel weniger aus.

Beim Home-Connect-System von Bosch lassen sich die Haushaltsgeräte darüber hinaus auch so einrichten, dass sie zu Zeiten laufen, in denen der Strom besonders günstig ist. Der Nutzer gibt dafür an, wann beispielsweise die Wäsche fertig sein muss. Gemeinsam mit einem Energie-Management-System (eines Drittanbieters) startet das System die Waschmaschine dann zum perfekten Zeitpunkt.

Ähnliche Konzepte bieten auch Miele und Tielsa, wobei der Hersteller aus dem baden- württembergischen Pfullendorf wohl am weitesten geht. Hier lassen sich selbst die Arbeitsplatten per App in der Höhe verstellen – und Bildschirme in die Küche integrieren. Apropos höhenverstellbar: Im Rahmen der Pflegeversicherung oder des altersgerechten Umbaus einer Wohnung können für solche Küchen sogar Fördermittel beantragt werden – beispielsweise bei der KfW-Bank oder der Berufsgenossenschaft. Und: Menschen mit einem Handicap von mindestens 50 Prozent können die Kosten für einen Umbau steuerlich geltend machen.

Die Freude am Ausprobieren

Wofür auch immer Sie sich interessieren, wofür auch immer Sie sich entscheiden: Am Ende bleiben auch solche digital vernetzten Orte vor allem eins: Küchen, Orte also, in denen gekocht, gegessen und gelebt wird. All diese Helfer können uns das erleichtern, die Freude am Ausprobieren, an neuen Rezepten und am Genuss – die werden sie uns aber glücklicherweise wohl nie abnehmen.