Das Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum wirft mit der Ausstellung "Fast Fashion" einen kritischen Blick hinter die Kulissen der globalen Textilindustrie.

Wie ist es möglich, dass ein Shirt heute weniger kostet als ein Kaffee, ein Kleid so viel wie ein Eisbecher, eine Hose kaum mehr als ein Kinoticket? Und was bedeutet der niedrige Preis für das Leben der Menschen, die diese Kleidung herstellen? Diesen Fragen geht die Ausstellung "Fast Fashion. Die Schattenseiten der Mode" auf den Grund, die vom 12. Oktober bis 24. Februar im Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum– Kulturen der Welt – zu sehen ist.

Die kritische Schau will die Besucher dazu anregen, sich bewusst mit dem Thema Modekonsum und seinen sozialen und ökolo-gischen Folgen zu beschäftigen. Konzipiert wurde die Ausstellung 2015 nach den Großbränden in Textilfabriken in Pakistan und Bangladesch vom Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. Wer die Bilder der teils minderjährigen Näherinnen in Billiglohnländern wie Indien, Thailand oder Myanmar betrachtet, kann kaum umhin, das eigene Konsumverhalten zu hinterfragen.

Modenschauen, Vorträge und Diskussionsabende

Der Ausstellung geht es jedoch nicht darum, mit erhobenem Zeigefinger anzuklagen. "Fast Fashion" regt vielmehr zum Nachden-ken an und zeigt Alternativen zur Billigmode, die oft bereits nach wenigen Wäschen im Müll landet. Indem die in zwei Bereiche unterteilte Schau die beiden Gegensätze Fast und Slow Fashion miteinan-der verbindet, stellt sie zwei extreme Gegensätze einander gegen-über. Der Fast-Fashion-Teil zeigt zum Beispiel die Produktionskette von Kleidungsstücken und informiert darüber, welche teils lebensgefährlichen Stoffe wir auf der Haut tragen.

Slow Fashion präsentiert Sammlungsobjekte des Kölner Museums: Gezeigt werden moderne und traditionelle Kleidungsstücke aus alternativen Materialien und umweltschonenden Herstellungsprozessen. Zu sehen sind etwa Kantha-Stickereien aus Bangladesch, Alpaka-Designs aus Chile, Lotos-Seide aus Myanmar, Brokat-Webereien aus Thailand und Batik-Arbeiten aus Indonesien. Begleitet wird "Fast Fashion" von einem vielfältigen Veranstaltungsprogramm. So geben etwa Modenschauen den Besuchern einen Überblick über Kölner Fair-Trade-Labels und Designer. Vorträge, Filme und Podiumsdiskussionen lassen Designer und Hersteller, Händler und Nichtregierungsorganisationen zu Wort kommen.

Shopping-Guide: Fair-Fashion-Stores in Köln

Nach der Ausstellung ab in die Stadt? In Köln gibt es etliche Geschäfte, die umweltverträgliche und faire Mode verkaufen. Wir stellen einige vor.

Fairfitters

Mitten im Belgischen Viertel verbirgt sich eine Fundgrube für bewusste Modefans. Fairfitters bietet Kleidung und Accessoires, die unter ethisch korrekten Bedingungen hergestellt werden. Außerdem achten die Betreiber darauf, dass die Produkte umweltgerecht produziert und ökologisch korrekt verarbeitet werden. Von Jeans über Kleider bis hin zu veganen Accessoires ist in der "Öko-Garage" alles zu finden.

Brüsseler Str. 77, 50672 Köln, montags–samstags, 12 bis 19 Uhr, www.fairfitters.de

Funktion Schnitt

Der Schwerpunkt liegt auf minimalistischen Shirts, Tops und Pullovern mit modischen Schnitten. Neben hochwertigen Materialien aus kontrolliertem biologischen Anbau legen die Betreiber besonderen Wert auf faire Arbeitsbedingungen bei der Produktion in Portugal.

Ehrenstraße 84, 50672 Köln, montags–samstags, 10 bis 20 Uhr, www.funktionschnitt.de

Magasin 2

Von fairer Mode über Naturkosmetik bis hin zu handgefertigten Soja-Kerzen bietet der Concept-Store viel Schönes für den Kleiderschrank und besondere Geschenkideen. Die Kleidung stammt von bekannten und jungen Labels aus Köln, Dänemark, Luxemburg und Spanien.

Brüsseler Str. 48, 50674 Köln, montags–freitags, 11 bis 20 Uhr, sowie samstags, 11 bis 19 Uhr, www.magasinpopulaire.com

Emma Pearl

Ein buntes Sortiment auf kleinem Raum: Das Angebot von Emma Pearl ist nicht nur auf Kleider, Röcke, Jeans und Shirts europäischer Modelabels beschränkt, sondern beinhaltet auch eine große Auswahl an Accessoires und Kleinigkeiten.

Aachener Str. 27, 50674 Köln, montags–samstags, 12 bis 19 Uhr, www.emma-pearl.weebly.com

Kleiderei

"Stil hast du, Kleider leihst du" lautet das Konzept der "Kleiderei" im Kölner Szene-Viertel Ehrenfeld. Das Prinzip ebenso simpel wie nachhaltig: Statt ständig neue Kleidung anzuschaffen, kann man sich als Mitglied aus dem Fashion-Store, in dem es Eco-Fair-Mode und Second-Hand-Mode zu kaufen gibt, wie aus einem riesigen Gemeinschaftskleiderschrank bedienen. Für einen Mitgliedspreis von 25 Euro im Monat darf frau vier Teile gleichzeitig mit nach Hause nehmen und nach Bedarf tauschen. Zur Auswahl stehen Vintage-Stücke und fair produzierte ökologische Mode wie die des Labels "Trinkhallen Schickeria" der Kleiderei-Betreiberin und Modedesignerin Lena Schröder.

Venloer Straße 459, 50825 Köln, mittwochs–samstags, 12 bis 19 Uhr, www.kleiderei.com

Green Guerillas

In gleich zwei Geschäften bietet Green Guerillas eine bunte Modevielfalt für Männer und Frauen, die sich aus rund 25 Labels mit ökologischem und sozialem Bewusstsein zusammensetzt. Neben Marken aus den europäischen Metropolen findet man auch eine Vielzahl junger Designer aus Deutschland.

Roonstraße 82–84, 50674 Köln, montags–freitags, 11 bis 19.30 Uhr, samstags, 11 bis 19 Uhr, und Merowingerstr. 6, 50677 Köln, montags–freitags, 11 bis 19 Uhr, samstags, 10 bis 18 Uhr, www.green-guerillas.de