Für den einen ist Glück ein Feld voller duftender Blumen, für den anderen ein Kuss der Liebsten oder ein Lob vom Chef. Glück hat viele Facetten. Und doch gibt es einige Aspekte, die auf jeden von uns zutreffen sollten, damit wir glücklich sind.

Das Glück, von dem in diesem Artikel die Rede ist, hat nichts mit einem Lottogewinn zu tun. Es geht nicht um "Glück haben", sondern ums Glücklichsein. Was das bedeutet, erklärt Glücksforscher Karlheinz Ruckriegel, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Technischen Hochschule Nürnberg: "Subjektives Wohlbefinden hat zwei Aspekte: den emotionalen und den kognitiven." Emotionales Wohlbefinden basiere auf dem Verhältnis zwischen positiven und negativen Gefühlen im Tagesdurchschnitt, beschreibe also die aktuelle Gefühlslage. "Das Positive sollte das Negative deutlich überwiegen", sagt Ruckriegel. Als kognitives Wohlbefinden bezeichnet der Glücksforscher den Grad der Zufriedenheit, mit dem jemand sein Leben hinsichtlich Zielen, Wünschen und Erwartungen bewertet.

Nicht ärgern, gelassen bleiben

Hohes emotionales und kognitives Wohlbefinden zu erreichen, fällt mitunter nicht leicht, wie Ruckriegel schildert: "Oft nehmen wir Negatives stärker wahr als Positives. Das stammt aus unserem limbischen System. Seit Millionen Jahren weisen uns negative Gefühle auf mögliche Gefahren hin. Aber vieles davon passt nicht in die heutige Zeit." Das zeigt der Forscher an zwei Beispielen aus dem Straßenverkehr: "Nimmt Ihnen jemand die Vorfahrt, reagieren Sie unmittelbar – aus Angst. Das ist ein sinnvolles negatives Gefühl, das eine reale Gefahr anzeigt. Sich im Gegenzug wegen eines Staus aufzuregen, bringt nichts."

Ruckriegels Rat: negative Gefühle hinterfragen. "Bei einem Stau kann ich nichts ändern, also: gelassen bleiben." Positive Gefühle können mit einem Dankbarkeitstagebuch trainiert und gefestigt werden, wie der Professor schildert. "Studien zeigen, dass Menschen, die über etwa drei Monate mehrmals pro Woche drei Erlebnisse aufschreiben, für die sie dankbar sind, die Welt positiver und realistischer wahrnehmen." Auch das kognitive Wohlbefinden lasse sich positiv beeinflussen, sagt Ruckriegel: "Unrealistische Ziele führen zu Frustration. Mit 59 Jahren kann ich zum Beispiel kein Profifußballer bei Bayern München mehr werden." Man sollte sich also durchaus ehrgeizige, aber erreichbare Ziele setzen, sagt der Forscher.

Potential nach oben

Neben einer positiven Denkhaltung gibt es weitere entscheidende Glücksfaktoren. Dazu gehören soziale Beziehungen, gute Freunde treffen und Gesundheit. Arbeit sollte befriedigen und nicht nur Geld einbringen. Hilfsbereitschaft sei wichtig: "Der Mensch ist ein soziales Wesen. Wenn wir helfen, freuen wir uns auch selbst darüber. Das kann etwa Unterstützung beim Umzug oder bei der Steuererklärung sein."

Im internationalen Vergleich schneiden die Deutschen bei der Zufriedenheit übrigens nicht schlecht ab: Im Schnitt bewerten sie ihre Situation mit 7 auf einer Skala von 0 bis 10. Skandinavien liegt bei über 8 – es gibt also Luft nach oben. "Werte von 6 und weniger geben oft Menschen mit geringerem Einkommen an, die kaum Perspektiven für sich und ihre Kinder sehen, sich positiv zu verändern", erklärt Ruckriegel. Es gehe allerdings nicht nur um Geld. "In unserer Gesellschaft wird Einkommen überschätzt. Wichtig ist, dass man seine materiellen Grundbedürfnisse befriedigen kann und finanzielle Sicherheit hat. Mit mehr Geld passen wir unsere Ansprüche nur nach oben an." Vielmehr gehe es um Lebenschancen und entgegengebrachte Wertschätzung. "Bildungschancen und -gerechtigkeit sollten für alle verbessert werden. Das steigert auch die Zufriedenheitswerte."