Nach welchen Kriterien wählen Menschen ihr neues Zuhause aus? Im Interview mit prisma erklärt der Experte für Raumpsychologie Uwe Linke, worauf bei der Besichtigung der neuen Wohnung geachtet werden sollte und wie man sich ein gemütliches Zuhause schafft.

Wir alle wünschen uns ein schönes Zuhause. Aber wie findet man die perfekte Wohnung?

Die meisten Wohnungen sind ein Kompromiss zwischen vorhandenem Budget, Platzbedarf und anderen Faktoren. Insofern sollte man sich die Frage stellen, wie wichtig einem das Thema Wohlfühlen ist und welche Priorität dies im Leben hat. Entscheidend ist das Abwägen und Sich-damit-Auseinandersetzen.

Die meisten Menschen wählen ihr Zuhause nach Kriterien wie der Größe, der Lage oder dem Preis aus. Was raten Sie Wohnungssuchenden, worauf sie noch achten sollten?

Jeder Ort hat eine bestimmte Energie, eigene Geräusche und einen unterschiedlichen Lichteinfall. Auch das Umfeld der Hausbewohner und Nachbarn sollte dabei beachtet werden, da dies auch zu den Wohlfühlfaktoren zählt. Einer meiner Kunden fand nach langem Suchen eine scheinbar ideale Wohnung. Nach kurzer Zeit bekam er die Missgunst der übrigen Hausbewohner zu spüren, denn andere wollten die Wohnung auch kaufen, doch sie war ihnen zu teuer. Außerdem hatte er die Wohnung an einem Wochenende besichtigt und schnellentschlossen zugesagt. Nun bemerkte er, dass an Wochentagen der Straßenverkehr extrem laut war.

Sollte man die Wohnung zu einer bestimmten Tageszeit besichtigen?

Die Mittagszeit ist am besten geeignet, denn dann zeigt sich deutlich, wo und wie viel natürliches Licht in die Wohnung scheint.

Wie kann man sich in der leeren Wohnung die Einrichtung vorstellen?

Ein maßstabsgerechter Plan, in den die eigenen Möbel eingezeichnet werden, ist entscheidend, denn der leere Raum wirkt deutlich größer, als er tatsächlich ist. Vor Ort helfen zum Beispiel Papierstücke in Originalgröße für Schrank, Bett und Tisch, damit man ein Gefühl bekommt.

Wie schaffe ich mir in den leeren Räumen mein perfektes Zuhause?

Ich empfehle immer, mit einem Plan zu beginnen und auch an ein Farb- und Lichtkonzept zu denken. Ein Konzept sollte sowohl die Funktionen berücksichtigen als auch die emotionalen Bedürfnisse befriedigen.

Wie kann das konkret aussehen?

Für ein Wohnzimmer könnte man zum Beispiel die Überlegung anstellen, welche Wirkung gewünscht ist. Wer also etwa zur Ruhe kommen möchte, sollte die Couch nach draußen schauen lassen und den Fernseher eher am Rand platzieren. Blautöne, Grün oder dunkles Rot passen dann auch besser als Weiß. Durchweg weiche und natürliche Materialien sind für ein Geborgenheitsgefühl besser geeignet als Glas oder Stein. Wenn dann noch Freiraum bleibt, entsteht eine gelassene Großzügigkeit.

Wie wichtig ist der Faktor Beleuchtung?

Die Beleuchtung schafft die Atmosphäre und wird meist unterschätzt. Erfahrungsgemäß ist der Lichtanschluss in der Mitte des Raums – nur wird dort in den seltensten Fällen auch die größte Helligkeit benötigt. Entscheidend ist, die Wände auszuleuchten, um den Raum optisch zu weiten. Highlights zu setzen und mit mindestens drei bis fünf Lichtquellen pro Raum zu arbeiten, wäre ein guter Ansatz.