Reisetrends 2026

Der Winterurlaub verändert sich

26.10.2026, 10.12 Uhr
Kanaren statt Kälte, Ägypten statt grauer November, Thailand statt Winterjacke: Wenn es in Deutschland ungemütlich wird, zieht es viele Urlauber in die Sonne. Doch bei der Wahl des Winterziels zählen längst nicht mehr nur Wärme und Strand. prisma zeigt, welche Trends es gibt.

Individuelle Erlebnisse, Natur und das Bedürfnis nach Sicherheit gewinnen an Bedeutung. Gleichzeitig achten die Reisenden stärker aufs Geld und wägen genau er ab, wann und wohin sie verreisen. An der Spitze der Winterziele stehen bei der TUI, Europas größtem Reiseveranstalter und Touristikkonzern, weiterhin die Kanaren. Auf Platz zwei folgt Ägypten, da hinter rangieren unter anderem die Türkei, Thailand und Deutschland. Zu den Aufsteigern gehören die Kapverden: Für Boa Vista meldet der Veranstalter bereits ein zweistelliges Buchungsplus. Auch Thailand, Mauritius, die Malediven und die Dominikanische Re publik entwickeln sich dynamisch. In Österreich zieht die Nachfrage nach Urlaub in den Bergen an.

Ägypten ist dabei mehr als ein klassisches Sonnenziel. Das Land verbindet vergleichsweise kurze Flugzeiten mit Badeurlaub, kulturellen Sehenswürdigkeiten und Angeboten für unterschiedliche Budgets. Auch die Zahlen des Deutschen Reiseverbands (DRV) sprechen für die Attraktivität der Destination: Im Sommer 2026 stieg der Umsatz mit Ägypten-Reisen gegenüber dem Vorjahr um vier Prozent. Insgesamt legten die östlichen Mittelstreckenziele, zu denen auch Griechenland und die Türkei zählen, um acht Prozent zu. Für den Winter fällt die Bilanz allerdings verhaltener aus: Der Umsatz mit organisierten Veranstalterreisen liegt nach DRV-Angaben derzeit zwei Prozent unter dem Vorjahresstand. Besonders Fernreisen in die USA und in die Vereinigten Arabischen Emirate schwächeln, während Thailand, die Malediven und die Dominikanische Republik vergleichsweise stabil sind oder zulegen. Dass die Deutschen grundsätzlich reisefreudig bleiben, zeigt die Reiseanalyse 2026 der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR). 2025 unternahmen 80,5 Prozent der Bevölkerung mindestens eine Urlaubsreise von fünf Tagen oder länger – rund 57,1 Millionen Menschen – und damit so viele wie nie zuvor. Die Ausgaben erreichten mit 91,7 Milliarden Euro ebenfalls ein Rekord-Hoch. Zugleich sank die Zahl der längeren Urlaubsreisen leicht auf 67,7 Millionen. Das deutet darauf hin, dass viele ihren Haupturlaub beibehalten, zusätzliche längere Reisen aber eher einsparen oder durch kürzere Auszeiten ersetzen. Für den Winter lässt sich daraus kein einzelner Gewinner ableiten, wohl aber: Urlaub bleibt wichtig, doch die Zahl und Länge der Reisen stehen stärker auf dem Prüf stand.

Mehr Erlebnis, weniger Gedränge? Auch die Erwartungen an den Urlaub verändern sich. TUI beobachtet ein wachsendes Interesse an in dividuell gestalteten Rundreisen und mehrtägigen Erlebnissen mit lokalen Guides – etwa in Wüstencamps, Safari-Lodges oder Regenwaldunterkünften. In Finnisch-Lappland locken Nordlichter, Huskysafaris und besondere Übernachtungsmöglichkeiten. Kulinarische Angebote werden ebenfalls gezielt als Reisemotiv eingesetzt. Zugleich entstehen Formate für Alleinreisende, die selbstbestimmtes Reisen mit gemeinsamen Aktivitäten verbinden. Das klingt nach neuen Trends, doch nicht alles ist tatsächlich neu. Natur, Genuss und individuelle Erlebnisse gehören seit Langem zu den Urlaubsmotiven. Neu ist eher, wie Reiseveranstalter solche Wünsche bündeln, benennen und als buchbare Produkte anbieten. Ob „Slow Travel“, Erlebnis reise oder authentischer Urlaub: Entscheidend ist, ob dahinter ein konkretes Angebot steht, das den Bedürfnissen der Reisenden entspricht. Die ADAC-Tourismusstudie 2025 liefert dazu einen wichtigen Hinweis: 72 Prozent der Befragten sehen überlaufene Urlaubsorte als Problem, 61 Prozent meiden Reiseziele, bei denen sie eine touristische Überlastung vermuten. Eine intakte Natur zählt zu den wichtigen Buchungskriterien. Gleichzeitig beeinflusst die wirtschaftliche Lage die Planung: 29 Prozent gaben an, dass sie ihre Urlaubsentscheidung dadurch verändert hat; 24 Prozent mussten 2025 mit einem geringeren Reisebudget auskommen. Das erklärt, warum ein vermeintlicher Geheimtipp attraktiv sein kann – sofern Anreise, Preis und Angebot stimmen.

Auch beim Buchen gibt es keinen eindeutigen Trend in nur eine Richtung. TUI beobachtet mehr kurzfristige Entscheidungen, während Frühbucher sich weiterhin besonders bei Fernreisen, Familienurlaub und Reisen über Weihnachten und Silvester früh Angebote sichern. Der ADAC sieht ebenfalls eine Rückkehr zum frühen Buchen: 44 Prozent hatten ihren Haupturlaub 2024 mindestens vier Monate im Voraus gebucht, 2022 waren es 39 Prozent. Der Winterurlaub wird also nicht völlig neu erfunden. Sonne und Erholung bleiben zentrale Motive, doch Preisbewusstsein, Natur und der Wunsch nach passenden Erlebnissen prägen die Entscheidung stärker. Die eigentliche Veränderung liegt weniger in immer neuen Schlagworten als darin, dass Reisende genauer auswählen, wofür sie ihr Urlaubsbudget ausgeben.