Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Deshalb wendet sich Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Corona-Krise erstmals direkt ans Volk. Die Ansprache wird aufgezeichnet und in den Hauptnachrichten gezeigt.

Die Kanzlerin redet direkt zum Volk: Angela Merkel wird sich am Abend erstmals in ihrer Amtszeit in einer Fernsehansprache an die Deutschen wenden. Dabei sollen keine weiteren Einschränkungen des öffentlichen Lebens bekanntgegeben werden: Vielmehr gehe es um einen Aufruf zur Beteiligung an den bestehenden Schutzmaßnahmen, teilte am Mittwoch ein Regierungssprecher in Berlin mit. Zuvor hatten Medien darüber spekuliert, dass sie verschärfte Maßnahmen zur Corona-Krise verkünden werde.

Die Ansprache, die jeweils nach den Hauptnachrichtensendungen von ZDF ("heute", 19 Uhr, Ansprache gegen 19.20 Uhr), ARD ("Tagesschau", 20 Uhr, Ansprache gegen 20.15 Uhr) und RTL ("RTL Aktuell", 18.45 Uhr, Ansprache gegen 19.20 Uhr) ausgestrahlt wird, soll am späten Nachmittag aufgezeichnet werden. Auch Nachrichtensender (Welt, n-tv ...) werden die Ansprache um 19.20 Uhr senden.

Während andere Regierungschefs wie Frankreichs Präsident Macron das Mittel der TV-Ansprache im Verlauf der Corona-Krise schon öfter einsetzten, hat sich Merkel in ihrer 14-jährigen Amtszeit auf diese Weise bislang noch nie zu einer besonderen politischen Situation geäußert.

Anders dagegen ihre Vorgänger: Gerhard Schröder hat zwei TV-Ansprachen gehalten – am Anfang des Kosovo-Krieges mit deutscher Beteiligung am 24. März 1999, dann zu Beginn des von der Bundesregierung damals abgelehnten Irak-Krieges am 20. März 2003. Helmut Kohl sprach im Juli 1990 zur Einführung der Währungsunion sowie am Vorabend der Wiedervereinigung am 2. Oktober 1990 im Fernsehen. Selbst Helmut Schmidt nutzte das Medium und sprach im Oktober1977 im Zusammenhang mit der Entführung von Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer an die Deutschen.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH