Die von SAT.1 am Dienstag ausgestrahlte Romanadaption "Das Nebelhaus" ist ein fesselnder Krimi-Thriller. Besonders toll: Schauspielerin Felicitas Woll.

Hiddensee – jene verträumte, wundervolle, autofreie Ostseeinsel, deren Sanddorn ausgiebig von Nina Hagen besungen wurde – ein blutiger Thriller-Schauplatz? Klar doch: Vom Allgäu bis Nordfriesland darf in der deutschen Fernsehlandschaft inzwischen ohnehin in jedem Idyll gemordet und gemeuchelt werden. Inspiration dafür lieferten Hunderte Krimi-Bestseller mit Regionaltouch. Auf einem ebensolchen basiert auch der schon länger angekündigte SAT.1-Film "Das Nebelhaus", dessen Vorlage von Romanautor Eric Berg stammt. Mit einer herausragenden Felicitas Woll gerät die Bestselleradaption um ein Blutbad zwischen Freunden auf Hiddensee zum fesselnden Psycho-Whodunnit.

Vier Freunde treffen sich nach langen Jahren endlich wieder. Danach sind drei von ihnen tot. "Das Nebelhaus", herrlich gelegen zwischen den Dünen der Ostseeperle, dient als Schauplatz einer blutigen Freundes-Reunion mit anschließendem Amoklauf. Dessen mysteriöse Hintergründe will die Journalistin Doro Kagel, von Felicitas Woll mit enormer Körperlichkeit und Toughness gespielt, zwei Jahre später erforschen.

Das Geschehen in der "Blutnacht von Hiddensee" wabert noch immer im Ostseenebel: Unternehmer Philipp (Matthias Weidenhöfer) lädt seine alten WG-Mitbewohner Leonie (Jasmin Schwiers), Timo (Lucas Prisor) und Yasmin (Oona von Maydell) nach zehn Jahren zum großen Wiedersehen auf sein einsames nebliges Anwesen – das eher wie ein Gruselhaus aus dem Horror-Handbuch wirkt. Auch dabei: Seine schnippische Frau Vev (Nadeshda Brennicke) und Tochter Clarissa (Lisa-Marie Trense). Die Eifersüchtige, der Coole, der Lustige, die Aufgedrehte: An Charakterklischees mangelt es der Thriller-Truppe gewiss nicht.

Visuell ein wenig übertrieben

Im Rückblick erzählt der Film in düsteren Szenen, wie es zum Konflikt und letztlich zum Blutbad kommen konnte, das lediglich Leonie schwer verletzt überlebte. Seit zwei Jahren liegt die Kindergärtnerin im Koma; gilt seither als Täterin – auch weil sie die Tatwaffe auf die Insel mitbrachte. Doch Journalistin Doro zweifelt an der Version, begibt sich auf die Suche nach der Wahrheit, welcher auch der Zuschauer mit jeder Szene näher kommt.

Der spannende Wechsel zwischen Doros horrortrippiger Spurensuche und den Szenen des psycho-sozialen Wahnsinns, in den sich der Freundeskreis allmählich hineinsteigert, fesselt ungemein. Auch wenn, wie sonst nur bei Skandinavien-Krimis bei den Öffentlich-Rechtlichen, mit Kälte und Nebel visuell ein wenig übertrieben; auch wenn das Offensichtliche ein wenig zu oft ausgesprochen wird: "Das Nebelhaus" zeigt eine dramaturgisch klug inszenierte, emotionale Achterbahnfahrt zwischen Eifersucht und Mobbing, zwischen Verdrängung und Depression. Und das alles auf einem ungewohnt feindlichen, grauen Hiddensee – oder, wie an einer Stelle im Film bemerkt wird: "Dieser Ort hat kein gutes Karma."


Quelle: teleschau – der Mediendienst