Free-TV-Premiere bei RTL

"Das schönste Mädchen der Welt": RomCom macht fast alles richtig

von Gabriele Summen

Die Geschichte des Cyrano de Bergerac neu erzählt – und das mit einem ordentlichen Schuss "Fuck ju Göthe": Die romantische Komödie "Das schönste Mädchen der Welt" traut sich was. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen!

RTL
Das schönste Mädchen der Welt
Komödie • 09.08.2020 • 20:15 Uhr

"So was wie dich hab' ich noch nie gesehen, du bist die 100 auf der Skala von eins bis zehn. Ich flieg' durchs Dach und versinke im Boden, um dich zu beschreiben braucht man einen Philosophen." Starke Worte, die der sensible Cyril (fantastisch: Aaron Hilmer) – dessen Name nicht von ungefähr an den des Cyrano de Bergerac erinnert – für seine Roxy, das titelgebende "schönste Mädchen der Welt", rappt. Wie einst dem wortgewandten Helden mit der Riesennase aus Edmond Rostands 123 Jahre altem Versdrama, der sich nicht traute, seiner Angebeteten persönlich seine Liebe zu gestehen, ergeht es auch dem intelligenten 17-Jährigen von heute in Aron Lehmanns RomCom, die RTL nun als Free-TV-Premiere zeigt.

Zwar purzeln ihm die schlagfertigen Sprüche und coolen Punchlines nur so aus dem Mund. Doch auch er ist leider mit einem riesigen "Gesichtserker" gesegnet. Bis zum Ende fiebert man als hoffnungsloser Romantiker mit, ob es Cyril auch in unserer auf Äußerlichkeiten fixierten Zeit gelingen wird, mit seiner inneren Schönheit sein Traummädchen Roxy für sich zu gewinnen.

Diese Roxy (Luna Wedler, 2020 mit dem Bayerischen Filmpreis als beste Nachwuchsdarstellerin ausgezeichnet) ist in Lars Kraumes und Judy Horneys Drehbuchvorlage, die durch witzige und authentische Dialoge glänzt, nämlich glücklicherweise anders als die brave Roxanne aus Rostands Klassiker, an den sich das Filmteam ansonsten eng hielt: Sie ist wild, klug, selbstbewusst, aber auch ziemlich haltlos. Soeben ist sie in England vom Internat geflogen und stößt in letzter Minute noch zu der Berlinfahrt von Cyrils Klasse. Mit Cyril versteht sie sich sofort blendend – und auch die Chemie zwischen den beiden Schauspielern stimmt.

Bei einem Battle-Rap-Contest – die hitverdächtigen Songs wurden eigens für den Film komponiert – verschwindet Cyril angeblich mal eben kurz auf Toilette. In Wirklichkeit setzt er aber seine goldene Maske auf und räumt bei dem modernen Wettstreit der Worte mit starken Punchlines ab. Um Roxy ist es geschehen – nur leider hält sie den hübschen, aber dämlichen Rick (Damian Hardung) für den geheimnisvollen Maskenmann. Doch Cyril ist es immer noch lieber, dass der zumindest gutherzige Rick mit seiner Angebeteten zusammenkommt, als der prollige Aufreißer Benno (YouTube-Star Jonas Ems), der sie nur flachlegen und den Videobeweis ins Internet stellen möchte. Also schreibt Cyril für Rick hinreißende WhatsApp-Messages und Rap-Songs. Schließlich rechnet er sich selbst bei ihr – trotz der ermutigenden Sprüche, die ihm seine peinlich frivole Mutter (Anke Engelke) mit auf den Weg gegeben hat – null Chancen aus.

Dass die anderen Schüler in Cyrils Klasse, zu denen auch YouTuberin Julia Beautx (Titti) gehört, ein wenig zu stereotyp gezeichnet wurden, ist das einzige Haar in der Suppe. Selbst Rick, immerhin die zweite männliche Hauptrolle, wirkt wie eine Karikatur. Das Verhalten und die Sprüche der Halbstarken erinnern oft an die "Fack ju Göhte"- Problemschüler – wobei Cyrils Klasse noch intoleranter ist.

Und dennoch: "Aus einem See machst du das Meer, aus einem Stern ein Feuerwerk", rappt Cyril einmal für Roxy – diese mitreißende, deutsche RomCom, die ihr Genre mutig ausreizt und fast alles richtig macht, erweckt im Zuschauer tatsächlich ein ähnliches Gefühl.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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