07.08.2020 Iris Berben im Interview

Ein Gefühl der Sehnsucht

von Jürgen Grosche
Auch als Sängerin macht die multitalentierte Iris Berben eine gute Figur – im ZDF-Thriller "Nicht tot zu kriegen" in der Rolle der Showbiz-Diva Simone Markus.
Auch als Sängerin macht die multitalentierte Iris Berben eine gute Figur – im ZDF-Thriller "Nicht tot zu kriegen" in der Rolle der Showbiz-Diva Simone Markus.  Fotoquelle: ZDF/Alexander Fischerkoesen

Wer Iris Berben trifft und ihre Ausstrahlung, ihren Elan erlebt, kann es fast nicht glauben, dass die Schauspielerin in diesen Tagen ihren 70. Geburtstag feiert. ARD und ZDF ehren sie in zwei aktuellen Filmen, beide mit durchaus biografischen Bezügen, wie die Film-Ikone im Exklusiv-Interview mit prisma verrät.

TV-TIPPS

"Nicht tot zu kriegen"

  • Montag, 10. August
  • 20.15 Uhr
  • ZDF

"Mein Altweibersommer"

  • Mittwoch, 12. August
  • 20.15 Uhr
  • ARD

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Wie viel Iris Berben steckt in den aktuellen Filmen "Nicht tot zu kriegen" und "Mein Altweibersommer"?

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In beiden Werken finden sich Spuren von mir. Etwa ein Gefühl der Sehnsucht, das ich auch kenne: Eigentlich funktioniert alles im Leben – und doch stellt sich Ebba Bornkamp, die zentrale Figur, die Frage: Ist vielleicht noch etwas in mir, was ich noch gerne entdecken möchte? Ist da noch etwas, von dem ich hoffe, dass man mich so auch mal sieht? Solche Fragen haben natürlich mit dem Alter zu tun und damit, dass man schon sehr viel Leben, ja, erlebt hat. Dabei geht es gar nicht mal um die Frage, ob dieses Leben auch immer erfüllt und glücklich war. Das sind sowieso Begriffe, über man lange reden könnte, keine Zustände, die immer anhalten. Es gibt viele Dellen im Leben.

Man könnte sagen, das Leben ist ein Labyrinth...

... ein großes, in der Tat. Man fällt oft hin. Man denkt, eine Abkürzung gefunden zu haben, und merkt: Das war ein viel längerer Weg. Und man fällt wieder und steht abermals auf. Oder man hat jemanden, der aufhilft. Das Leben ist natürlich ein Weg, der in sich einen Wert hat. Aber diese Sehnsucht – die kenne ich schon auch. Man kann ihr eigentlich nicht wirklich einen Namen geben, aber fragen: Wohin zielt diese Sehnsucht? Oder vielleicht auch: Wie werde ich gesehen? Wie möchte ich noch mal gesehen werden? Da bin ich mit Ebba auf einer Linie.

Im Film drückt Ebba das eindrücklich aus: "Es gibt Momente, da kennt man sich selbst nicht mehr. Da zieht etwas. Etwas Neues, etwas Wildes, das dir zuruft: Du lebst!" Oder auch: "Wie ist das entstanden, was man ist? Einfach passiert? Oder hat man die Zügel in der Hand gehabt?" Das sind solche Themen, die Sie persönlich interessieren?

Immer schon. Und hier konkret, weil die Drehbuch-Autorin Beate Langmaack, die auch das Skript für den Film "Hanne" geschrieben hatte, den Figuren so viel Raum lässt. Bei "Hanne", die ich spielen durfte, war es eine Krebserkrankung, die eine Suche nach Leben auslöste. Dort wie im "Altweibersommer" erzählt Beate Langmaack die ernsten Themen mit einer unglaublichen Leichtigkeit.

Das heißt: Die Autorin ließ auch Ihnen viel Raum für die Interpretation?

Ja, zum Beispiel für die Blicke, für das Innehalten, also für Details. Natürlich trägt dazu auch der Regisseur bei. Nachdem wir "Hanne" mit Dominik Graf, einem etablierten und gefestigten Regisseur, gedreht hatten, wollten wir in "Mein Altweibersommer" einem jungen Regisseur die Chance geben. Es war ein großes Glück, dass wir uns für Dustin Loose entschieden. Er ist jung, hat aber schon Gutes geliefert. Es war eine sehr schöne Gemeinschaftsarbeit der Autorin, die Raum gibt, mit dem Regisseur – wie interpretiert er die Rolle? – und mir.

Wie und wo finden Sie sich im Film "Nicht tot zu kriegen“ wieder?

Die Autorin und Regisseurin Nina Grosse hat es geschafft, dass die Filmfigur Simone Mankus und ich uns in mancher Hinsicht tatsächlich ähnlich sind. Statt der 40 Jahre Berufserfahrung sind es bei mir über 50, doch sind wir beide in einem Alter, in dem man ein Resümee zieht. Rückblickend gab es bei mir auch hin und wieder kleine Skandale – zumindest waren sie es für die anderen – und auch ich bin wie Simone eine 'Rampensau' im besten Sinne. Der Unterschied zwischen ihr und mir ist allerdings, dass sie in ihrer Zeit, den 60er und 70er Jahren, steckengeblieben ist. Nach wie vor glaubt sie, dass der große Auftritt der Pelzmantel ist und das perfekt geschminkte Gesicht, die große Geste. Da steckt von mir gar nichts drin.

Wie gut kennen Sie Iris Berben und ihre Rollen? Starten Sie jetzt unser Quiz. Viel Spaß dabei!

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