Er war ein Allround-Talent, arbeitete als Komiker, Schauspieler, Autor und Regisseur: Am 4. Januar jährt sich der Todestag von Diether Krebs zum 20. Mal.

Der Satz "Ich bin der Martin, ne" ist legendär. Vielen ist Diether Krebs tatsächlich – leider, muss man wohl sagen – als Martin mit dem Rentier-Pullover im Gedächtnis geblieben. Jener Martin, den Krebs 1982 in der Comedyserie "Sketchup" (BR) kreierte, war der Typ des Losers, der irgendwie von '68 übergeblieben war: halbes Semester Soziologie, später Rebirthing und dann Volkshochschule – Astrologie. "Oder so." Sogar einen Song gab es: "Martin My Love". Diether Krebs war aber so unendlich viel mehr als der Erfinder dieses Klischees. Als einen der "größten Sketchspieler von internationaler Klasse" bezeichnete ihn Rudi Carrell, der ihn für "Rudis Tagesshow" engagiert hatte. Krebs, 1947 in Essen geboren, wurde nur 52 Jahre alt, er starb vor 20 Jahren, am 4. Januar 2000, in Hamburg, wo seine Frau als Übersetzerin am Theater beschäftigt war.

Aufgewachsen in einfachen Verhältnissen sammelte Krebs bereits während seiner Schulzeit erste Theatererfahrungen. Später absolvierte er eine Schauspielausbildung an der Folkwangschule in Essen, nach einem ersten Engagement am Theater in Oberhausen war er immer wieder in kleineren Filmrollen zu sehen.

Für deutsche Verhältnisse war sein Humor sicher krass – so krass wie seine Anschauungen über das Fernsehen, das öffentlich-rechtliche ebenso wie das in den Achtzigern aufgekommene private. Was konnte er auf die "Schreibtischtäter" in den Sendern schimpfen, die "erfolgreichen Fernsehverhinderer" in den Chefetagen, die seinem Urteil zufolge ohne Ideen und Fantasien waren, dafür aber gesegnet mit viel Angst vor der politischen Keule: "Das halte ich für mehr als krank", sagte er 1991.

Damals wurde dem Autor und Komiker ein Sketch gestrichen, in dem vor den Heiligen Drei Königen plötzlich ein Zwillingspärchen in der Krippe lag: Hätte ja sein können, dass damit das religiöse Empfinden der Zuschauer schwer getroffen worden wäre. "Den Zwang des Geldes haben die Öffentlich-Rechtlichen nicht so sehr, dafür sind sie zum reinen Parteifunk verkommen. Was Kohl nicht hören will, wird nicht gesendet. Was die Zuschauer wirklich wollen, scheint hier wie dort Nebensache." Fraglos sind das Worte, die zwei Jahrzehnte später, in Zeiten, in denen das Öffentlich-Rechtliche wieder vielfach lauter Kritik ausgesetzt ist, noch mal einen ganz anderen Klang haben.

Ein "Dödel" mit Herzblut

Populär wurde Krebs 1974 mit der TV-Rolle des ungeliebten SPD-Schwiegersohns von "Ekel" Alfred Tetzlaff in Wolfgang Menges Erfolgsserie "Ein Herz und eine Seele", stieg dann aber 1975 wegen Differenzen mit dem WDR wieder aus. Danach kam die "SOKO 5113" – über 90-mal ermittelte Krebs unter Werner Kreindl in dem beliebten Kriminalisten-Team. In der BR-Comedyserie "Sketchup" mit Beatrice Richter, später Iris Berben, blühte dann endgültig der Ulk. Krebs hatte gelernt, "große Gefühle auch auf kleine Leute zu übertragen". Er wusste, dass er den "Dödel" Martin "mit Herzblut" spielen musste. "Sonst bleibt er eine Pappfigur, und davon gibt es zu viele im TV", so sagte er.

Der stets rauchende oder / und trinkende Schauspieler, Autor und Regisseur mochte die schnelle Verwandlung: vom ondulierten Muttchen zur bebrillten Nana-Mouskouri-Persiflage und zum schrillen Punk. Aber der Vater zweier Söhne konnte auch anders, wenn er beispielsweise in einem kleinen Fernsehspiel wie "King of Evergreen" (1995) ein abgehalfterter Schnulzensänger war. Krebs wollte auf dem Essener Ostfriedhof begraben sein. Ein handgroßer Kieselstein ziert heute sein schlichtes Grab.

Zu seinem "20. Todestag" widmet der Fernsehsender TELE 5 Diether Krebs am Freitag, 3. Januar, einen ganzen Abend: Gezeigt wird unter anderem sein letzter Film "Bang Boom Bang" in der, laut einer Presseinformation, noch nie gezeigten "Alles auf Horst"-Fassung "mit knallharten Fakten und üppigen Bauchbinden". Darüber hinaus verspricht der Sender extra angefertigte Trivia-Clips mit einem Blick hinter die Kulissen der Fernsehgröße.

Der Komiker, Musiker und Moderator Wigald Boning widmet sich am Samstag, 4. Januar, 20.15 Uhr, in der Sendung "Boning feiert Diether Krebs" seinem großen Idol und Vorbild. Vier Wochen später, am Freitag, 31. Januar, steht das nächste Jubiläum an: Das rbb-Fernsehen zeigt dann in einer Sondersendung "35 Jahre Sketchup. Lachen mit Dieter Krebs, Iris Berben und Beatrice Richter".


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH