Ein Kind wird entführt. Viel schlimmer kann es für Eltern eigentlich nicht kommen. Die sechsteilige australische Serie "Sieben Seiten der Wahrheit", die auf dem gleichnamigen Roman von Elliot Pearlman basiert, hält sich jedoch nicht mit etwaigen Nebensächlichkeiten wie geldgierigen Kidnappern auf. Zumal Sohn Sam nur Stunden nach seinem Verschwinden auch schon wieder auftaucht. Der Kunstgriff im Buch wie auch in der Verfilmung von Glendyn Ivin, Ana Kokkinos und Matthew Saville ist, dass sieben Personen nacheinander den Fortgang der vermeintlichen Entführungsgeschichte aus ihrer Sicht beschreiben. ARTE zeigt am Donnerstag, 10. Mai, 20.15 Uhr, zunächst drei aufeinander folgende Episoden. Der zweite Block folgt schon am Freitag, 11. Mai, ebenfalls 20.15 Uhr.

Der erfolgreiche Börsenmakler Joe Marin (Alex Dimitriades) hat die Aufgabe, sich auch einmal um seinen Sohn Sam (Harrison Molloy) zu kümmern. Nur ein Tag, da sich Ehefrau Anna (Leeanna Walsman) selbst auf einer Geschäftsreise befindet. Doch der Vater vergeigt seinen Auftrag. Als er seinen Jungen an der Schule abholen will, ist dieser verschwunden.

Ganz eigener Standpunkt des Geschehenen

"Sieben Seiten der Wahrheit" könnte fortan eine weitere Entfühungsgeschichte über verzweifelte Eltern, pädophile Psychopathen oder geldgierige Verbrecher erzählen. Sowohl die Buchvorlage von Elliot Pearlman als auch die Verfilmung unterlassen dies. Sowieso taucht der junge Sam alsbald wieder auf. Warum er jedoch die letzten Stunden bei Simon Heywood (Xavier Samuel), dem Universitätsfreund seiner Mutter Anna, verbracht hat, bestimmt den Fortgang eines seltsam in sich verwobenen Falles.

Sieben unterschiedliche Perspektiven erzählen fortan aus ihrer ganz persönlichen Sicht, wie es zu dem Verschwinden Sams kommen konnte und welche menschlichen Abgründe hinter dem Schicksal eines doch unschuldigen Jungen aufbrechen. Die einzelnen Episoden tragen die Titel von Vornamen. "Joe" (1), "Alex" (2) oder "Angela"(3) ...: So rücken zunächst der Vater, dann ein Psychiater oder eine Prostituierte jeweils in den Mittelpunkt einer Folge.

Durch dieses perspektivische Erzählen baut sich für jeden Beteiligten ein ganz eigener Standpunkt des Geschehenen auf. Wirkt einer der Personen womöglich zunächst als unsympathischer Schuldiger, könnte sich dies in einer folgenden Episode rasch wieder ändern. Das ist nicht nur spannend, es regt auch zum Nachdenken an, denn die Dinge sind wohl eher selten so einfach, wie es erscheint.

Insgesamt entsteht eine runde Story, die mehr will, als nur einen Vorfall wiederzugeben. Dabei ist es fast so wie im richtigen Leben. Die eine Person handelt nach seinem reinen Gewissen. Eine andere jedoch auch. Beiden ist so eigentlich kein Vorwurf zu machen. Und doch entstehen aus Kleinigkeiten immer wieder die größten Missverständnisse.


Quelle: teleschau – der Mediendienst