Vorerst letzte Chance für RTL: Mit der Arztserie "Lifelines" wagt der Kölner Sender den fünften und finalen Versuch, eine eigenproduzierte Serie unter die Leute zu bringen. Bisher war die Fiction-Offensive des Privatsenders von nur mäßigem Erfolg gekrönt, "Beck is back" und "Sankt Maik" bekommen aber immerhin zweite Staffeln spendiert. "Lifelines" beerbt nun "Jenny – echt gerecht" auf dem Dienstagssendeplatz in fünf Doppelfolgen. In der Mediziner-Dramedy tauscht der ehemalige Truppenarzt Alex Rode (Jan Hartmann) seine Bundeswehr-Uniform gegen den weißen Kittel eines Krankenhauses – pikant wird die Sache, weil seine einstige Flamme Laura Seifert (Susan Hoecke) zur Chefärztin der Klinik befördert wird und dadurch zu seiner Vorgesetzten avanciert. Sie holt den überheblichen wie brillanten Arzt öfter auf den Boden der Tatsachen zurück, als es ihm lieb ist.

Wer sich wie ein Arsch verhält, der muss auch mal niedere medizinische Arbeiten am menschlichen Gesäß verrichten – gleich und gleich gesellt sich gern. So verwundert es kaum, dass Dr. Seifert ihren selbtsherrlichen Kollegen Alex auch mal dazu verdonnert, sich um Furunkel und Hämorrhoiden zu kümmern, statt um prestigeträchtigere Patienten. Denn der übercoole und unkonventionell arbeitende Dr. Rode muss des Öfteren in seine Schranken gewiesen werden – seine Ich-bin-unfehlbar-Attitüde hat daran einen nicht unwesentlichen Anteil. Doch es entspinnt sich kein Kleinkrieg zwischen den beiden Ärzten, viel eher müssen sie lernen, zusammenzuarbeiten.

Und was wäre eine Arzt-Serie ohne Gefühlswirrwarr? Ein Affront gegenüber den Sehgewohnheiten! So darf sich auch bei "Lifelines" das Publikum fragen, ob und wann sich die Hauptfiguren denn endlich kriegen. Doch eigentlich ist Laura bereits vergeben. Entsprechend kritisch beäugt Richard (Marc Oliver Scholze) auch die Zusammenarbeit zwischen seiner Partnerin und ihrem Ex. Für weiteren dramatischen Zündstoff sorgen die Einzelfälle der jeweiligen Folgen. "Lifelines" ist hierbei besonders einsteigerfreundlich: In jeder Folge steht ein neuer, in sich abgeschlossener medizinischer Fall im Mittelpunkt. Parallel dazu werden natürlich die Charaktere, deren Beziehungen zueinander und zahlreiche Konflikte vertieft.

Trotz fehlender Innovationen ist die Melange aus "Dr. House" und "Grey's Anatomy" solide Unterhaltung mit interessanten Fällen und einem guten romantischen Grundkonflikt. Zudem überzeugen die Darsteller, allen voran Jan Hartmann, der schon in der Daily Soap "Herzflimmern – Die Klinik am See" einen Mediziner spielte. Er glänzt als unnahbarer Ex-Soldat, der sich selbst für einen ganz tollen Hecht hält. Doch der sexy Typ steht auch dafür gerade, wenn er Mist gebaut hat. "Ich hab jede Menge Fehler – weil naja... Ich bin nicht sonderlich selbstreflektiert", gibt er zu. Diese Unsicherheiten machen ihn menschlich. Wie Alex Rode und Laura Seifert beruflich und privat zusammenwachsen, ist spannend mitanzusehen. Wer nicht mehr erwartet, darf gerne einschalten.


Quelle: teleschau – der Mediendienst