Nach der ersten Staffel der wunderbaren Comedy-Serie "Jerks" vermutete man als unbedarfter Beobachter des deutschen Fernsehens noch, dass der darin gezeigte Grad an schlimmer Fremdscham und politischer Inkorrektheit kaum mehr zu überbieten sei. Weit gefehlt: In der zweiten Staffel, die nach der Premiere beim Streamingdienst Maxdome nun immer dienstags (22.15 Uhr) auch bei ProSieben zu sehen ist, setzen Christian Ulmen und Fahri Yardim noch einen drauf.

Ob Menschenfleisch-Dinner, Behindertenwitze oder Flirts mit Minderjährigen: In zehn Folgen spielen die beiden Freunde, die sich schon aus Hamburger Kindertagen kennen, wieder unerträglich peinliche Versionen ihrer selbst. Klug arrangierte Plots, grandios improvisierte Dialoge und zahlreiche Gaststars sorgen dafür, dass "Jerks" seinen Status als feinsinnigste und zugleich dunkelste hiesige Comedy festigt.

"Wir wollen und müssen uns schämen. Das ist unser Genre: Wir sind eine Horror-Serie. Nur ist es nicht der Schmerz des Schreckens, sondern die Qual der Scham, die unseren Horror ausmacht": Treffender als Christian Ulmen kann man die Essenz von "Jerks" kaum umschreiben. All das potenzielle soziale Grauen, das im echten Alltag unter einer dürftigen Kruste aus Moral und Anstand versteckt bleibt, bricht in der Maxdome-Produktion gnadenlos hervor. Ulmen und Yardim, die brillant miteinander harmonieren, sagen und tun, was viele aus Scham nicht mal zu denken wagen – und laden sich dabei erneut so einige Gaststars ein: Unter anderem spielen sich Joko Winterscheidt, Veronica Ferres und der Ex-Fußballer Arne Friedrich selbst.

Und so muss man als Zuschauer beim Schauen der neuen Episoden, die wieder auf einer dänischen TV-Serie basieren und konzeptuell auch an Larry Davids "Curb your Enthusiasm" erinnern, sehr stark sein: Egal ob Ulmen beim Flirt mit einer Minderjährigen so tut, als hätte er einen künstlichen Darmausgang, oder Yardim seinen Gästen, inklusive Andreas Bourani, unwissentlich Menschenfleisch zum schicken Dinner vorsetzt – bisweilen hilft nur beschämtes Wegschauen oder lautes Aufschreien.

"Es ist eine große Freude, sein Leid zu teilen. Auch mit dem Publikum", bringt es Yardim auf den Punkt. Es ist ein so düsteres und zugleich so lustig inszeniertes Leid, dass man es angesichts der sonstigen deutschen Comedy-Dürre gern in Kauf zu nehmen bereit ist.


Quelle: teleschau – der Mediendienst