In einer ärgerlichen Mischung aus Softporno und Horrorfilmchen vom Reißbrett erliegt Jennifer Lopez in "The Boy Next Door" dem Charme eines netten Nachbarsjungen. Mit dem miserablen Machwerk wollte sich die Latina-Diva im Jahr 2015 von ihrem süßlichen Komödien-Image befreien. Gelungen ist ihr dies allerdings nicht – wenn überhaupt, dann vollzog sich der Wechsel sowieso erst mit ihrer Rolle in der Krimiserie "Shades of Blue" (seit 2016), die in diesem Jahr in die finale dritte Staffel geht. Das ZDF zeigt den schmerzhaft peinlichen Stalker-Thriller "The Boy Next Door" als Free-TV-Premiere zu später Stunde.

Literaturlehrerin Claire Peterson (Lopez) macht schwere Zeiten durch. Ihr Ehemann Garrett (John Corbett) hat sie mit einer Sekretärin jahrelang betrogen. Also lässt sie sich auf eine Affäre mit ihrem schnuckeligen Nachbarn Noah (Ryan Guzman) ein. Der ist ein paar Jahrzehnte jünger und will mehr als nur eine flüchtige Bettgeschichte sein.

"Es gab da einen Unfall", erklärt Noah sein plötzliches Auftauchen in Claires Nachbarschaft. Der High-School-Senior ist Waise, zieht ins Haus gegenüber und ist genau die Ablenkung, die Claire gerade gebrauchen kann. Zumal er sich wie ein großer cooler Bruder um ihren 15-jährigen Sohn Kevin (Ian Nelson) kümmert.

Komplimente und Zuneigung fallen bei Claire auf fruchtbaren Boden, und Noah spürt das ganz genau. Was als schmierig gefilmter One-Night-Stand beginnt, wächst sich alsbald zu einem Psychospiel aus. Noah dringt immer mehr in Claires Leben ein, hackt ihr E-Mail-Konto, spielt sich zum besten Freund ihres Sohnes auf und taucht ungefragt bei familiären Kuchennachmittagen auf. Er ist einfach da. Immer.

Nun leben Stalker-Thriller im Allgemeinen von einem Szenario der Unsicherheit und Bedrohung. "The Boy Next Door" ignoriert diese einfache Genreregel allerdings mutwillig. Das schematische Drehbuch handelt brav ein paar klassische Versatzstücke ab: Noah sät Zwietracht im Hause Peterson, manipuliert Bremsen und vögelt vor Claires Augen die Freundin ihres Sohnes.

Spannend ist hier nur, welches Kleidungsstück Jennifer Lopez als nächstes hochrutscht und ob die Kamera den rechten oder linken Oberarm Ryan Guzmans in schwülstiger Slow Motion einfängt. Wer dabei nicht einschläft, bekommt schlüpfrige Bonmots serviert. "Hier war es ganz schön feucht", fasst etwa Noah sein Gewitter-Wochenende mit Claire zusammen.

Inszeniert wurde "The Boy Next Door" von Rob Cohen, der bei Actionkrachern wie "XXX – Triple X" und "The Fast And The Furious" Regie führte. Dass irgendwann scharfkantige Waffen ins Spiel kommen und Tanklaster explodieren, ist keine wirkliche Überraschung. Claire stellt ihren Peiniger in einer Scheune: Sie hat gelernt zuzuschlagen. Und das geht gewaltig ins Auge, bevor sich alles in Wohlgefallen und Flammen auflöst. "Es war ein Fehler", hatte Claire zuvor immer wieder über ihren One-Night-Stand mit Noah gesagt. Das ist eine durchaus ernstzunehmende Warnung für alle interessierten Zuschauer.


Quelle: teleschau – der Mediendienst