Die Zutaten von "Daheim in den Bergen – Schuld und Vergebung" sind vielversprechend: Zwei verfeindete Familien, ein tragisches Unglück in der Vergangenheit, verbotene und neu aufkeimende Liebe, interne Familienstreitigkeiten, eine Privatdetektivin und, und, und. Doch man ahnt es schon: Die Fülle an Charakteren und Konflikten lässt den ARD-Film ein ums andere Mal konstruiert und zerfasert wirken. Gleichzeitig bleibt man als Zuschauer aber auch gerne am Ball, ob der vielen dramatischen Ereignisse, die sich da am Freitagabend auf dem Bildschirm abspielen.

Die Bergbauern Sebastian Leitner (Walter Sittler) und Lorenz Huber (Max Herbrechter) waren einst beste Freunde. Doch eine Tragödie entzweite sie: Sebastians behinderter Sohn Peter starb durch einen Autounfall, den Lorenz verursacht hatte. Was folgte, war nicht nur das Zerwürfnis der einstigen Freunde, sondern auch ein bitterer Racheakt seitens Sebastians, der den Hubers nahezu die Existenzgrundlage entriss. Die Filmhandlung setzt Jahre später ein: Lisa Huber (Theresa Scholze) kehrt zum gegrämten Vater und zur burschikosen Schwester Marie (Catherine Bode) zurück. Sie hat aufgrund der vergangenen Ereignisse Jura studiert. Ihr erster Fall: Sie klagt gegen das Unrecht, das ihre Familie durch die Leitners erdulden musste. Doch ist dies wirklich im Interesse ihres von Schuldgefühlen geplagten Vaters?

Parallel dazu hat sich der von seiner Frau getrennt lebende Alexander Richthofen (Johann von Bülow) mit seinem Sohn David (Nico Liersch) und Tochter Emilia (Annika Schikarski) bei den Leitners einquartiert. Weil Emilia nach unzähligen Operationen nicht mehr sprechen will, soll Sebastian dem Mädchen mithilfe einer Pferdetherapie ihre Lebensfreude und Stimme zurückgeben. Mama und Karrierefrau Frieda Richthofen (Alma Leiberg) hat sich unterdessen bei den Hubers ein Zimmer besorgt und die Privatdetektivin Helena Hartmann (Rike Schmid) auf ihren Ex angesetzt: Sie soll beweisen, dass er die Kinder gegen die Mutter aufwiegelt. Stattdessen muss sie feststellen, dass Alexander ein liebevoller Vater ist und sie sich zu ihm hingezogen fühlt ...

An Handlung mangelt es der ersten Folge des zweiteiligen Familienfilms "Daheim in den Bergen" nicht: Die Fehde zwischen den Hubers und den Leitners sowie der Plot rund um die Richthofens bieten genügend Dramatisches und Emotionales: Kaputte und einsame Charaktere mit Fehlern und Schwächen stehen im Vordergrund. Was hervorragend gelingt, sind die Pferdeflüsterer-Szenen mit Emilia, Sebastian und Pferd Pauli – Regisseurin Karola Hattop inszeniert die Momente zwischen Tier und Kind famos. Weniger überzeugend ist allerdings das erzreaktionäre Balzverhalten von David, der um Sebastians Enkelin Mila (Nadja Sabersky) wirbt: Um seine Herzdame für sich zu gewinnen, ignoriert er sie zunächst. Der Ratschlag stammt von Helena, und tatsächlich fällt Mila darauf rein. Willkommen im 21. Jahrhundert!

Dennoch darf man gespannt sein, wie es im zweiten Teil mit dem Titel "Liebesreigen" am Freitag, 11. Mai, 20.15 Uhr, weitergehen wird. Werden die Handlungsstränge geschickt zusammengeführt, und besteht Hoffnung auf Versöhnung?


Quelle: teleschau – der Mediendienst