Hand in Hand mit seiner Freundin schlendert der Jugendliche Victor (Benjamin Voisin) durch einen Sommertag. So weit, so normal für einen 17-Jährigen. Dass der Teenager womöglich schwul sein könnte, weiß er nicht. Oder er kann aufkommende Gefühle nicht einschätzen. Das ändert sich, als Victor sein erstes gleichgeschlechtliches Abenteuer erlebt. Mit "Mut zur Liebe" erzählt die gleichnamige Miniserie von Regisseur Philippe Faucon vom Coming-out Victors und dessen weiteren Entwicklungen als schwuler Mann über viele Jahrzehnte hinweg. ARTE zeigt alle drei Folgen am Stück.

Die Geschichte beginnt im Frankreich der frühen 1980er-Jahre, als noch ein Sonderstrafrecht für Homosexuelle galt. Victors Coming-out wird durch seinen Vater, der eigentlich ein liberaler Linker ist, zur Tortur. Er nennt seinen Sohn sogar einen "Kranken". Der Vater: "Was ihr macht, hat nichts mit Liebe zu tun. Es ist widerlich."

Bereits die erste Episode mit Victors Coming-out, ersten schwulen Erfahrungen und einer Liebe zu einem sehr viel älteren Mann beinhaltet ausreichend Stoff für einen ganzen Film. Faucon reicht das nicht. In den weiteren Folgen erlebt Victor als erwachsener Mann die Folgen der HIV-Erkrankung seines Freundes, die Ablehnung des Adoptionsrechts für Homosexuelle und seinen ständigen Kampf um die Anerkennung des Vaters. Dieser kann die Lebensgemeinschaft seines Sohnes auch nach Jahren noch nicht akzeptieren.

Dass Faucon mit der dritten Episode noch die Einführung der Homoehe in Frankreich (2013) thematisiert, erscheint letztendlich konsequent. Für diesen vermeintlich glücklichen Ausgang eines schwulen Lebens ließ der Regisseur seine Hauptfigur jedoch einen sehr steinigen Weg gehen – sowohl politisch als auch privat.


Quelle: teleschau – der Mediendienst