Nachwuchsfilmemacher wüssten noch nichts von der Liebe, unken die Älteren bisweilen. Dafür, ebenso ein Klischee, ist ihr Blick auf gefährliche Liebschaften oft unverstellt und radikal. Das zeigt sich etwa eindrücklich in Grzegorz Muskalas Thriller "Die Frau hinter der Wand", der kennt eine im besten Sinne eingeschränkte Perspektive kennt: die der fast schon kafkaesken Hauptfigur Martin (Vincent Redetzki). Der verschlossene Jurastudent im ersten Semester findet in Berlin wenig Anschluss und verliert sich in einer gefährlichen sexuellen Obsession zu seiner mysteriös-verruchten Vermieterin (Katharina Heyer). 3sat zeigt das Werk des polnischstämmigen Kölners zum späten Mittwochabend.

Schlange stehen für eine Wohnung in Berlin – diese Erfahrung macht auch der junge Martin, der zum Jurastudium gerade erst in die Hauptstadt gezogen ist. Welch Zufall, dass ihn nach einer erfolglosen Besichtigung eine groteske Hausmeisterfigur (Ronald Nitschke) aus einem Kellerloch heraus eine Bleibe anbietet. In jene Skurrilität, jenen subtilen Horror steigert sich der intensive Thriller von nun an immer schneller hinein.

Die neue Wohnung ist abgewrackt, schmutzig und klein; man wähnt sich in einem Roman von Franz Kafka, so seltsam verhält sich der junge Protagonist, der das Studium bald vergisst und sich ganz der seltsamen Hölle seines Hauses hinzugeben. Insbesondere in Gestalt seiner jungen Vermieterin Simone (Katharina Heyer), die direkt nebenan wohnt. Martin belauscht sie erst – und schwups, schon verführt die Blondine beim Mietvertragunterschreiben ihren neuen Mieter.

Martin verfällt ihr gänzlich, verliebt sich, entwickelt eine gefährliche Obsession. Ihm ist egal, dass Simone einen Freund hat, der ihn bedroht, und dass sein Vormieter Robert auf geheimnisvolle Weise verschwunden ist. In verstörenden Bildern zeigt der junge Regisseur in "Die Frau hinter der Wand" einen verzweifelten Mann, der sich in eine horrorhafte Spirale aus Sex, Leidenschaft und Gewalt begibt. Ein bemerkenswerter deutscher Thriller, der heftigste Beklemmungen auslöst.


Quelle: teleschau – der Mediendienst