Es sind "Neger", die Quentin Tarantino in "Django Unchained" (2012) auftreten lässt. Keine Schwarzen, keine Afro-Amerikaner, keine dunkelhäutigen Mitmenschen – nein, es sind "Neger". Tarantino nimmt da kein Blatt vor den Mund. Der unterhaltsame und oscargekürte Spaghetti-Western (fürs Drehbuch und für Christoph Waltz als bester Nebendarsteller), der nun erneut bei ProSieben läuft, ist auch eine ziemlich deftige Unterrichtsstunde über die Geschichte der Sklaverei in den Südstaaten der USA. Damals gab es in Texas und Louisiana eben "Neger", und die waren vor allem eins: Eigentum.

In Ketten, als vernarbter, ausgepeitschter Sklave, trottet Django (Jamie Foxx) durch die ersten Bilder, begleitet von Luis Bacalovs elegischem Titelsong des originalen "Django"-Films (1966). Zum Cowboy, zum Rächer muss er sich erst noch entwickeln. Dabei hilft ihm Dr. King Schultz (Christoph Waltz), der in seinem Zahnarztwagen durch das Land ruckelt und auf die Sklavenhändler trifft. In einem grandiosen ersten Auftritt – mit größter sprachlicher Erhabenheit und ebensolcher Präzision beim Schießen – entkettet er Django.

Schultz, deutscher Einwanderer mit herrlichem Akzent, ist mitnichten ein fahrender Zahnarzt: Er ist Kopfgeldjäger. "Je böser die Leute, je größer die Prämie", sagt er. Und die Männer, auf die er es abgesehen hat, sind besonders fiese Sklaventreiber. Sie hatten Django und seine Frau einst fast zu Tode gequält.

Gemeinsam machen sich der gute Deutsche und sein neuer Begleiter auf die Suche. Abends am Lagerfeuer gibt's dann noch Nachhilfe in deutscher Mythologie. Schultz erzählt Django die Nibelungen-Sage: Wie Siegfried einst seine Brunhilde rettete, will Django seine Ehefrau Broomhilda (Kerry Washington) aus den Klauen eines Drachen befreien. Der heißt Calvin Candie (Leonardo DiCaprio) und langweilt sich auf seiner staatlichen Plantage, während Hausneger Stephen (Samuel L. Jackson) als unterwürfiger Kollaborateur schlimmer mit seinen Brüdern und Schwestern umgeht als der Master selbst.

Tarantino ist wütend und zynisch

Filmisch bekommt man, was man erwartet: Quentin Tarantino rekapituliert und recycelt die besten Westernszenen aus seinem umfassenden Wissensfundus über Spaghetti-Klassiker und reichert sie mit gepfefferten Dialogen und mit großartigen Gastauftritten an – vom echten "Django" Franco Nero bis Don Johnson als Sklavenhalter. Das ist alles schön altmodisch gefilmt und mit dem Glanz eines alten Technicolor-Streifens sowie einem fantastischen Soundtrack unterlegt. Ein Erfolgsrezept, das Tarantino 2015 in "The Hateful 8" (2015) wiederholt hat.

Natürlich gibt es einen großen Showdown, explodierende Köpfe, Blut und Gewalt. Und doch ist nicht alles wie gehabt. Tarantino ist wütend und zynisch. Das Lachen bleibt oft im Halse stecken – dafür gibt es einfach zu viele drastische, bisweilen plakative Szenen über das brutale Wesen der Sklaverei. Mandingo-Kämpfe, bei denen zwei Sklaven auf Leben und Tod gegeneinander antreten – zur Belustigung ihrer Besitzer. Entlaufene Sklaven, die in einer Hitzebox verglühen, ungehorsame Neger, die von Hunden zerfleischt werden.

Umso schöner, dass der Filmemacher eine versöhnliche Lektion parat hat: Der Held wird nicht von Rache getrieben, sondern von der Liebe.


Quelle: teleschau – der Mediendienst