Ein seltsamer Anblick bietet sich einem, wenn man das Ethnografische Museum in Budapest, direkt gegenüber vom prächtigen Parlamentsgebäude, betritt: Zwei schwarz gekleidete Männer mit schusssicheren Westen sitzen auf der Treppe, auf dem Schoß ruhen lässig Maschinengewehre. Sie sehen bedrohlich aus, doch niemand scheint sich an ihnen zu stören. Was ist passiert in Ungarn? Aber man kann aufatmen. Denn der Anblick im Museum hat nichts mit der politischen Situation im Land zu tun. In dem beeindruckenden Bau der Gründerzeit entsteht unter der Regie von Darius Simaifar gerade die Auftaktfolge der 33. Staffel der RTL-Serie "Alarm für Cobra 11", die den Titel "Most Wanted" trägt. Doch was machen die allseits beliebten deutschen Autobahn-Polizisten im Ausland?

Semir Gerkan (Erdogan Atalay) und Paul Renner (Daniel Roesner) sind auf eigene Faust unterwegs, denn sie wollen ihrer ehemaligen Kollegin und Freundin Jenny Dorn (Katrin Heß) helfen. Diese wird vom FBI beschuldigt, an der Entführung des Millionenerben David Bartok (Max Befort) beteiligt zu sein. Um ihre Unschuld zu beweisen und den Entführten zu finden, reist Jenny in die Donaumetropole, wo sie ihre ehemaligen Kollegen trifft.

Egal, ob auf der deutschen Autobahn oder in der ungarischen Hauptstadt, die Serie bleibt ihrem Erfolgskonzept treu: Grandiose Action steht bei den "Cobras" weiterhin an erster Stelle. So schießen sich die Protagonisten durch Budapest, liefern sich eine spektakuläre Verfolgungsjagd am Donauufer und flüchten vor einem explodierenden Auto.

Was auf dem Bildschirm später nur ein paar Minuten dauert, entsteht hier in aufwendiger Präzisionsarbeit. Eine krachende Explosion kann nur ein einziges Mal gedreht werden. Der kleine Tanklaster, der im Finale der Folge in Flammen aufgeht, wurde zehn Tage lang in Deutschland und schließlich final in Ungarn präpariert. Stunt-Koordinator Christoph Knobloch macht einen letzten Check, dann wird erst einmal "trocken" geprobt. Zahlreiche Schaulustige und Touristen haben sich inzwischen vom Parlament abgewandt und schauen bei den Dreharbeiten zu.

Und dann kommt das Signal: "Und Action!" – Schon fliegen die Gasflaschen durch die Luft, und ein meterhoher Feuerball steigt auf. Fünf Liter Benzin sind für die fulminante Flamme verantwortlich. Die Schauspieler und die Crew stehen derweil in sicherer Entfernung. "Als Stunt-Koordinator ist es mir wichtiger, dass niemand in Gefahr ist, als dass ich die größte Explosion der Welt plane", betont Christoph Knobloch von action concept. Schmunzelnd fügt er allerdings hinzu: "Als Stuntman möchte man aber immer in dem Auto sitzen, das am meisten kaputtgeht."

Auch der Schauspieler Erdogan Atalay, der schon seit 1996 Teil der Serie ist, erklärt: "Was am Ende aussieht, als wäre es 20 Zentimeter hinter uns, ist in echt 20 Meter weit entfernt." Der Schauspieler ist ein alter Hase im Action-Business, und so betont auch sein Kollege, Daniel Roesner, der seit 2016 an der Seite von Erdogan Atalay im TV ermittelt, dass er sich einiges abschauen konnte.

Hier wird Action geschaffen, die sich mit den großen Blockbustern messen kann. Achtmal erhielt die Firma action concept bereits den "Taurus World Stunt Award" für ihre spektakuläre Arbeit bei "Alarm für Cobra 11". Was den Drehort angeht, tritt man auf jeden Fall in große Fußstapfen, immerhin wurden hier schon Welthits wie "Red Sparrow" oder "Blade Runner 2049" gedreht. Es ist eine außergewöhnlich wandelbare Stadt, wie auch Atalay betont: "Manchmal wird Budapest als Paris, Wien oder Berlin verkauft, oder wie bei uns ganz spießig als Budapest." Der Produktionsfirma kommt es nur gelegen, dass hier viele Filmschaffende ansässig sind, und die Infrastruktur, die man für einen Filmdreh benötigt, bereits besteht. So arbeitet action concept Hand in Hand mit der ungarischen Serviceproduktion filmteam.

Scheinbar eine sehr fruchtbare Kooperation, denn die Crew darf an den sehenswertesten Stellen von Budapest drehen: direkt vor dem Parlament und hoch oben vor dem Burgpalast, mit einem fantastischen Panorama über die Stadt. "Wir haben bei jeder Drehanfrage den Satz einfach mit 'Wir suchen für 'Alarm für Cobra 11' begonnen", lacht die ungarische Producerin Gül Togay. Der Name der Produktion öffne auch in ihrem Heimatland Türen, denn hier habe die Serie, die ebenfalls wöchentlich im TV zu sehen ist, eine riesige Fangemeinde.

Insgesamt wird "Alarm für Cobra 11" in über 120 Ländern ausgestrahlt. "Nur Nordkorea wollte es nicht", scherzt Atalay. Wenn man die Fans weltweit und besonders die ungarischen Fans mit einer solchen Folge im Ausland glücklich machen könne, so würde man sich umso mehr freuen, erklärt Produzent Heiko Schmidt.

Sicherlich möchte man aber auch die deutschen Fans mit dieser besonderen und ungewöhnlichen Folge ein weiteres Mal – auch nach 22 Jahren – überraschen und für die 33. Staffel motivieren. Während man 2009, bei der 24. Staffel, noch über 4,4 Millionen Zuschauer im Durchschnitt sprach, ist man neun Jahre später weit entfernt von solchen Werten. Die Folgen der aktuellen Frühjahrsstaffel, deren Finale am Donnerstag, 3. Mai, 20.15 Uhr, RTL, zu sehen ist, konnten bisher im Durchschnitt 2,33 Millionen Zuschauer vor den Fernseher locken.

Natürlich seien die Quoten schlechter geworden, erklärt Erdogan Atalay ganz sachlich, "aber dieser Trend betrifft nicht nur unser Format. Schließlich muss das lineare Fernsehen, und gerade eine Serie wie unsere, inzwischen mit zahlreichen Streaming-Plattformen konkurrieren." Doch das Urgestein findet auch eine Erklärung, warum die Fans "Alarm für Cobra 11" trotzdem treu bleiben: "Wir haben einen klaren, verlässlichen Aufbau, denn es gibt immer die Action- und Entertainment-Elemente. Gleichzeitig wechseln wir auch ab: Manche Folge ist ernst, manche eher klamaukig."

Außerdem hätten die Fans die langjährige Entwicklung der Protagonisten miterlebt, wodurch viele Sympathien entstanden seien. Produzent Heiko Schmidt findet eine ähnliche Erklärung für den fortlaufenden Erfolg des Formats: "Wir bleiben spannend und abwechslungsreich, weil wir immer wieder durch andere Drehbuchschreiber und junge Talente frischen Wind bekommen."

Und welches Reiseziel seht als Nächstes auf der Wunschliste der "Cobra"-Darsteller? "Mauritius wäre fantastisch", lacht der fröhliche Erdogan Atalay. "Aber da gibt es keine Autobahn, also wird es eher schwierig für 'Alarm für Cobra 11". Demnach führt der Weg der Autobahn-Cops wohl doch wieder in Richtung Köln und Umgebung.


Quelle: teleschau – der Mediendienst