Er war der Mann mit anachronistischem Schnauzer und prominenter Warze auf der Backe – und die deutsche Stimme von Walter Matthau, Mel BrooksPeter Ustinov und Käpt'n Blaubär. Nun ist der Schauspieler und Synchronsprecher Wolfgang Völz im Alter von 87 Jahren gestorben. Schon 2016 hatte er sich nach einem schweren Schlaganfall zur Ruhe gesetzt.

Der gebürtige Danziger spielte in Kultserien wie "Raumpatrouille Orion" und den deutschen Edgar Wallace-Filmen. Er sang Lieder bei Peter Frankenfeld oder mit Harald Juhnke. Später wurde er Käpt'n Blaubär – ein Charakter, der vielleicht zufällig ein bisschen wie die Puppenversion des charmanten Polterers Völz daherkam. Leben und Karriere des womöglich meistgebuchten deutschen Nebendarstellers aller Zeiten sind ein Spiegelbild von mehr als 50 Jahren Fernsehgeschichte.

Völz war der Typ Schauspieler, den es heute nicht mehr gibt. Einer, der nicht lange überlegte. Einer, der Operette singen konnte. Einer, der Sachen raushaute, solange man sich hinterher sein Geld abholen konnte. Einer, der öffentlich zugab, dass er gerne und viel trinkt. Einer aber auch, hinter dessen harter Schale sich ein sensibler Kerl verbirgt. Der sich politisch links engagierte, als die SPD noch links war oder als einer der ersten Promis gegen Aids zu Felde zog. Ein Mann, der seine früher dicht gebuchten Fernsehauftritte mit Wortwitz und manchmal unfassbarer Schlagfertigkeit zu absolvieren verstand.

Seine Arbeitswut war Zeichen der Wirtschaftswundergeneration, der Völz angehörte. "Ich drehe seit 1953 – ich bin ein Urgestein", hat er einmal gesagt. Kein Widerspruch. In Niedersachsen, wo es die Familie Völz nach dem Krieg hin verschlagen hatte, absolvierte Wolfgang Völz seine beiden Ausbildungen. Der bodenständigen Bäckerlehre in Hameln, ein Beruf, in dem man früh aufstehen muss, folgte eine Berufung, die zu langem Aufbleiben verleitet. Völz nahm Schauspielunterricht in Hannover und debütierte als "Page" in Schillers "Don Karlos" am Landestheater Hannover. Völz war ungeeignet als klassischer Held oder Liebhaber. Bereits als junger Mann mit einer breiten Knubbelnase ausgestattet, die eine Seelenverwandtschaft zum US-Alter Ego Walter Matthau andeutete, war er der Mann fürs Lustige bis Grobe, ein – wie es so schön heißt – profilierter Nebendarsteller.

Weil es ihm an klassisch mimischer Erotik oder Eleganz fehlte, spielte sein Freund Dietmar Schönherr 1966 Major Cliff Allister, den Kommandanten des "schnellen Raumkreuzers Orion". Für Völz blieb Leutnant Mario de Monti, Armierungsoffizier. Aus dem gleichen Grund spielte Klausjürgen Wussow den Inspektor im Edgar Wallace-Streifen "Der grüne Bogenschütze" (1961), während sich Völz in die Rolle des Sergeant Higgins fügen musste. Als ewiger Assistent blieb er auch in der äußerst populären ARD-Vorabendserie "Graf Yoster gibt sich die Ehre" (1967 bis 1978) in Erinnerung. Lukas Amman war der Titelheld, ein Kriminalschriftsteller. Völz verkörperte dessen Butler Johann. Eine Rolle, an die er sich gern erinnert, weil er darin zwei Rollce Royce zu Schrott fahren durfte.

In den Achtziger und Neunziger Jahren flimmerte Wolfgang Völz als Talkgast, Possenreißer, Sänger oder Rezitator über den Fernsehbildschirm. Dennoch waren Synchron- und Sprecherarbeit mittlerweile sein Hauptstandbein. Später, in den Nullerjahren, entdeckte man ihn dann neu. Als Bestandteil der Kult-Trash-Kultur, die Kindheitserinnerung jüngerer Humorarbeiter. In den "Wixxer"-Filmen (2004, 2007) von Oliver Kalkhofe nahm er seine eigene Wallace-Vergangenheit aufs Korn, arbeitete mit Michael 'Bully' Herbig in "Hui Buh – Das Schlossgespenst" oder gesellte sich in der Screwball-Persiflage "Mord ist mein Geschäft, Liebling" (2009) schmerzfrei zu anderen halb vergessenen B-Helden wie Franco Nero und Bud Spencer.


Quelle: teleschau – der Mediendienst