Als "Hotel Transsilvanien" im Jahr 2012 in die Kinos kam, traf die animierte Horror-Comedy anscheinend genau den Nerv der Zeit und wurde ein riesiger Erfolg. Der Nachfolger "Hotel Transsilvanien 2" um die beliebten Figuren Graf Dracula, seine Tochter Mavis und ihren menschlichen Hipster-Lover Johnny ließ nicht allzu lange auf sich warten und begeisterte drei Jahre später erneut das Publikum. RTL zeigt die Animationsfilmkomödie an Christi Himmelfahrt als Free-TV-Premiere.

Teil zwei, der wieder von Genndy Tartakovsky inszeniert und von Adam Sandler mitgeschrieben wurde, schließt genau dort an, wo der Vorgänger endete: Nachdem Graf Dracula (Rick Kavanian) sich damit abgefunden hat, dass seine einzige Tochter unsterblich in einen Menschen verliebt ist, besucht der Zuschauer erneut das einzigartige Hotel und wird Zeuge von Mavis' (Palina Rojinski) und Jonathans (Andreas Bourani) Hochzeit.

Recht bald kommt auch schon der Halbblut-Enkel Dennis zur Welt. Der nervig-liebevolle Großvater ist überzeugt davon, dass sich bei seinem Nachwuchs die Vampir-Gene durchgesetzt haben. Bis zum fünften Geburtstag des Kleinen kann der stolze Vampa (Vampiropa!) noch darauf hoffen, dass sich seine edle Blutlinie fortgesetzt hat. Spätestens dann jedoch sollten seinem stets frohgelaunten Enkel Blutsauger-Fangzähne gewachsen sein.

Graf Dracula hat zwar inzwischen seine Vorurteile über Menschen ein wenig abgelegt, und sein transsilvanisches Monsterhotel ist nun auch für diese sehr spezielle Gattung geöffnet. Dennoch steht für ihn außer Frage, dass sein Enkel unbedingt ein Vampir werden muss! Aber unter den Augen von Helikopter-Mom Mavis, die das Hotel sogar babysicher hat machen lassen, ist es nahezu unmöglich, dem männlichen Nachwuchs den richtigen Monstergeist einzuflößen ...

Fehlender Anarcho-Charme

Seien es die übervorsorglichen Eltern von heute oder Draculas stures Festhalten an dem Glauben an die Überlegenheit der eigenen Gattung, die bei seinem Vater Vlad (Dieter Hallervorden) sogar in glatten Rassismus gipfelt – die Story hätte so viel Potenzial für einen wirklich anarchistisch-witzigen Film geboten. Tartakovsky und Sandler nutzen dieses aber nur sehr vereinzelt für tolle Gags und Slapstickeinlagen.

Stattdessen findet man sich immer wieder in anrührend-langweiligen Familienszenen wieder, die ständig den Schwung aus der Geschichte nehmen und eine disneyeske Botschaft durchdrücken sollen: Dass es nämlich, wie Dracula es ausdrückt, doch letztlich egal sei, ob jemand Mensch, Vampir oder Einhorn ist – schließlich sei man perfekt, wie man ist.

"Hotel Transsilvanien 2" hätte zwar wieder das Potenzial gehabt, den Zeitgeist zu treffen, bleibt aber leider letzten Endes ohne rechten Biss. Nach einem überragenden weltweiten Einspielergebnis dürfte es aber niemanden wundern, dass am 19. Juli 2018 schon der dritte Teil der Reihe in den Kinos startet. Möglicherweise gibt's dann auch wieder mehr Anarcho-Charme zu bewundern.


Quelle: teleschau – der Mediendienst