"Frau tv" feiert 20. Geburtstag. Moderatorin Lisa Ortgies ist von Anfang an dabei.

Frau Ortgies, warum ist "Frau tv" ein Unikat?

Wenn es die Sendung nicht gäbe, müsste sie erfunden werden. Mitunter entsteht der Eindruck, wir sind in Zeiten von Krippenplätzen, Elternzeit und Vätermonaten mit dem Thema der Gleichberechtigung durch. Aber eine Elternzeit von zwei Monaten, wie sie gern von den Vätern genommen wird, die rettet keine weibliche Karriere. Es wird an den Symptomen herumgedoktert – und die alten Rollenbilder bleiben.

Gibt es Themen, die Sie seit 20 Jahren begleiten?

Vieles verändert sich nur im Schneckentempo. Mehr als zwei Drittel aller Mütter arbeiten in Teilzeit, aber nur knapp sieben Prozent der Väter. Bei 75 Prozent der Paare ist der Mann der Hauptverdiener, und sie verdient hinzu. Ich hätte nicht für möglich gehalten, dass das, also die wirtschaftliche Abhängigkeit, so bleibt. Dass die Scheidungszahlen zurückgehen, hat da also eher unromantische Gründe ...

Gibt es Tabu-Themen?

Wir beziehen Stellung und bieten eine klare Haltung an. Und wir polarisieren auch! Tabu-Themen? Wir berichten nie über Diäten. Es sei denn, um klarzustellen, dass sie nichts nutzen. Nur 0,2 Prozent aller Frauen haben die Größe 34. Das suggerierte Ideal ist also die Ausnahme.

Männer und Frauen starten mit den gleichen Voraussetzungen: sprachlich, intellektuell, kognitiv. Chancengleichheit sieht trotzdem anders aus.

Man hat das Gefühl, dass in manchen Bereichen die Zeit zurückgedreht wird. Für Mädchen gibt’s wieder alles in Rosa, für Jungs in Blau. Für die Menschen sind die Unterschiede zwischen weiblich und männlich total wichtig geworden. Leider zum Nachteil derer, die da nicht reinpassen. Wir fragen uns in einer der Jubiläumssendungen auch, warum wir noch immer diese Rollenklischees im Kopf haben. Die Rollenbildung ist so ausgeprägt, dass viele Menschen entgegen ihrer eigentlichen Bedürfnisse agieren. Dabei sollte jeder sein Potenzial leben!

Matthias M. Machan führte das Interview.