"Mega nice ist zehn-hoch sechsmal nice. Das entspricht etwa einem giga-krass. Oder einem tera-cool." Nun gut. In der zweiten Staffel "Einstein" wird so geredet. Das ist zwar augenzwinkernd gemeint. Doch selbst dann funktioniert es nicht. Hip will sie sein, die SAT.1-Serie mit Tom Beck in der Hauptrolle des unehelichen Ur-Ur-Enkels von Albert Einstein. Pseudo-lustig trifft es eher. Flott ist sie, aber dafür auch oberflächlich. Und bei all den peinlich-unlustigen Seitenhieben auf die Jugendsprache darf man sich getrost fragen: Muss das sein?

Nicht alles ist schlecht in den zehn neuen Episoden von "Einstein", die ab Mitte Februar in Doppelfolgen ausgestrahlt werden. Insbesondere die Frauenfiguren können glänzen. Annika Ernst als Kommissarin, Laura Berlin als BKA-Beamtin, Haley Louise Jones als Kriminaltechnikerin und Angela Roy als Professorin und Mutter von Felix Winterberg (Tom Beck) machen ihre Sache sehr gut. Sie bringen Würde ins Spiel.

Gleich in Folge eins geht es um den Mord an einem YouTube-Sternchen: Nana (Joyce Ilg) macht eine Live-Produktreview zu einem Vibrator. Doch das Gerät explodiert und reißt sie in den Tod. Und wofür Scotland Yard nun mal Sherlock Holmes hat, hat die Kripo Bochum eben den Physik-Professor Felix Winterberg. Der hilft der Polizei auch in der neuen Staffel bei den Ermittlungen, gibt sich flirty und nervig zugleich und lässt genau wie das Vorbild aus der Feder Sir Arthur Conan Doyles Sozialkompetenz schmerzlich vermissen. Nur: Tom Beck ist eben kein Benedict Cumberbatch. Und SAT.1 nicht die BBC.

Holmes hat Drogenprobleme, Winterberg leidet unter einer Erbkrankheit, die ihn früher oder später töten wird. Seinen frühzeitigen Suizid hat er daher zum Missfallen seiner verwitweten Mutter fest eingeplant. Der emotionale Zündstoff wird jedoch nicht ausgespielt: Eigentlich ist dem Zuschauer das Schicksal der Hauptfigur egal. Und das obwohl sie keine soziopathischen Züge trägt wie der berühmte Detektiv aus der Baker Street.

Tom Beck, der Grimassenschneider vom Dienst

Woran liegt's, dass die Krimi-Comedy "Einstein" nur leidlich unterhält? Unterm Strich an Tom Beck. Der präsentiert sich nämlich als Grimassenschneider vom Dienst. Auch wenn das berühmteste Foto Albert Einsteins den Physik-Nobelpreisträger beim Herausstrecken seiner Zunge zeigt, muss Beck seine Gesichtsakrobatik doch nicht ständig zum Besten geben. Seine Leistung ist nicht katastrophal, aber man merkt ihm seine Limitierungen an. Als Genie ist er fehlbesetzt, als Zugpferd der Serie eine gute Wahl. Doch sein Haudrauf-Charme lässt ihn eher wie die Karikatur eines Genies mit einem IQ von 210 erscheinen.

Neben den ganzen Kalauern und lahmen Ideen gibt es durch Gastauftritte und ernste Momente auch mal Positives zu vermerken. Herzhaft lachen darf man auch hin und wieder. Nur wenn selbst der YouTube-Star Phil Laude überzeugender spielt als der Hauptdarsteller, sollte man das Konzept noch mal überdenken. Die Top-Quoten der ersten Staffel gaben dazu allerdings keinen Anlass.


Quelle: teleschau – der Mediendienst