24.09.2014 Zur Neuausgabe eines Romans von William McIlvanney

Schwarz, schwärzer, Glasgow

von Detlef Hartlap
William McIlvanney ist wieder da
William McIlvanney ist wieder da  Fotoquelle: Verlag Antje Kunstmann GmbH

Comeback mit 77! William McIlvanney ist wieder da. Der schottische Autor hatte sein Lebenswerk, darunter preisgekrönte sozialkritische Romane und drei bahnbrechende Krimis um den Detektiv Jack Laidlaw vor Jahren für beendet erklärt.

Doch als er 2013 auf dem Edinburgh Festival eine umjubelte Lesung hielt und ihm von der Presse das "Charisma alter Hollywood-Stars wie Clark Gable oder Sean Connery" bescheinigt wurde, tauchten seine Romane plötzlich wieder im Handel auf. Jetzt auch in Deutschland.

"The godfather of tartan noir"

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Mit dem Polizeidetektiv Laidlaw hob McIlvanney den schottischen Kriminalroman auf ein Niveau, das seine Nachfolger, etwa Ian Rankin oder Val McDermid, nicht halten konnten. "The godfather of tartan noir", nennt ihn die Zeitung "The Guardian", den Patron des rabenschwarzen Karos, wie es etwa auf Schottenröcken zu finden ist.

Die Laidlaw-Storys spielen in einem Glasgow, das, brutal und überwirklich, von einer Poesie des Niedergangs und schwarzem Humor durchdrungen ist. Eine Stadt der Verlierer. Eine Stadt, in der selbst kleine Erfolge so teuer bezahlt werden, dass sie auf Sicht zu Niederlagen werden.

Der Laidlaw-Plot aus dem Jahr 1977 ist die Einfachheit selbst. Ein junges Mädchen taucht nach einer Disco-Nacht nicht wieder auf, Laidlaw soll es finden. Was er findet, ist eine Leiche und jede Menge Dreck.

Tommy hat das Mädchen umgebracht

Die Identität des Mörders ist in "Laidlaw" von Anfang an bekannt: Tommy hat das Mädchen umgebracht, weil sein Versuch, sich über den Vorwurf der Homosexualität hinwegzusetzen, kläglich scheiterte. Bald wird er von allen gejagt, darunter auch vom Vater des Opfers, einem zu Gelde gekommenen Brutalo, der auf Rache sinnt.

Für Laidlaw von der Glasgower Polizei existiert kein Naturgesetz auf Rache. Das setzt ihn doppelt unter Druck. Er muss Tommy vor den Rächern und vor der Lynchjustiz finden, damit er, Täter und Opfer in einer Person, vor ein ordentliches Gericht kommt.

Philosophische und moralische Fragen

Der Roman zieht, wie der altgediente Wittener Krimi-Exeget Martin Compart schreibt, einen Großteil seiner Spannung aus philosophischen und moralischen Fragen. "Damit macht er sich grundsätzliche Gedanken über unseren zivilisatorischen Stand und des schleichende Degeneration." Compart hatte "Laidlaw" schon einmal auf den deutschen Markt gebracht, 1999 in der Reihe "DuMont Noir". Sie scheiterte. Buch und Autor gerieten in Vergessenheit.

Als einige Jahre später in der "Telefonischen Mordsberatung" des WDR ein Anrufer die versammelten Experten fragte, ob es denn außer Ian Rankin noch andere schottische Krimi-autoren von Rang gäbe, kamen denen partout niemand in den Sinn, weder der famose Ken McClure mit seinen bedrückenden Krankenhaus- und Pharma-Krimis noch William McIlvanney.

McIlvanney wird dort, wo man sich seiner erinnert, mit Albert Camus verglichen, was kein schlechtes Kompliment für einen Autor von Kriminalromanen ist. Vom Stil klingt ein anderer Gigant an, einer aus demselben Genre: Raymond Chandler. Unzählige Autoren, vor allem deutsche, haben versucht, die Lakonie Chandlers zu imitieren. McIlvanney hat sie drauf und ist in seiner Melancholie womöglich noch eine Spur schwärzer.

William McIlvanney "Laidlaw", 304 Seiten, 19,95 Euro, Antje Kunstmann Verlag (zwei weitere Laidlaw-Bände sind in Vorbereitung).

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