Es wird persönlich: Heino Ferch ermittelt in "Spuren des Bösen – Wut" in seinem siebten Wiener Fall in den eigenen Reihen und für seine Tochter.

Dass der österreichische Film meist um einiges düsterer und morbider daherkommt als sein deutsches Pendant, beweisen nicht nur Altmeister wie Michael Haneke oder Ulrich Seidl – sondern seit einiger Zeit auch die Folgen der Krimireihe "Spuren des Bösen", die das ZDF gemeinsam mit dem ORF produziert. In seinem siebten Fall blickt Heino Ferch unter dem Titel "Wut" als Wiener Verhörexperte nun in die dunklen Abgründe der Polizei selbst – und wird mit den persönlichen Folgen seines allerersten Auftrags konfrontiert. Mit dabei als mordender Bezirksinspektor: Tobias Moretti, der sich seit Jahren ohnehin zum Experten für deprimierende Austrian Düsterheit mausert.

Der verflixte siebte Fall muss etwas Besonderes bieten, dachten sich die Macher des abermals von Andreas Prochaska inszenierten Krimis, der diesmal vor allem als gleich mehrfaches persönliches Drama daherkommt. "Wut" verortet Konflikte, Taten und Emotionen ausschließlich im Polizei-Milieu der österreichischen Hauptstadt. Moretti, vor lauter Schatten und schaler Lichtgebung kaum wiedererkennbar, verkörpert dabei den Bezirksinspektor Manfred Reis, der vermutlich seinen Sohn und Kollegen erschossen hat – mitten in einer Siedlung, in der nur Polizisten wohnen. Seither ist der depressive Beamte auf der Flucht.

Wer hier nun aber actionreiche Verfolgungsjagden durchs schöne Wien erwartet, liegt falsch: Auch wenn ein Großaufgebot den Flüchtigen sucht – langsam und bisweilen sehr deprimierend nähert sich "Wut" in farblosen Film-Noir-Bildern den Motiven des Mörders. Klar, dass das keiner besser nachvollziehen kann als Richard Brock alias Heino Ferch, dessen zerfurchte, emotionsarme Figur im Zusammenspiel mit dem ohnehin überragenden Düsterkeits-Experten Moretti noch einmal an Wirkung hinzugewinnt. Brock soll herausfinden, was Reis plant.

Riesige Abgründe der Korruption

Nach sieben Episoden bedient sich "Spuren des Bösen" zum ersten Mal ausführlich aus der eigenen Historie. Brocks Tochter Petra (Sabrina Reiter), die ebenfalls auf den Fall angesetzt ist, wird von einer schweren Panikattacke erfasst. Der Zusammenhang wird Brock klar, als er sie im Spital besucht: Auslöser dafür war die Stimme eines Kollegen, der bei Petra Erinnerungen an Brocks allerersten Fall "Sandag" triggerte. Damals, bei einem Anschlag auf die Zeugin eines Mordes, in den multinationale Konzerne und Minister verstrickt waren, war die Tochter angeschossen und verletzt worden.

Dem Verhörspezialisten Brock wird schnell klar: Reiser hatte Verbindungen zum damaligen Skandal. Bei den Recherchen sticht er in ein – leider etwas undurchsichtig in Szene gesetztes – Wespennest. Damals wie heute handelte der Flüchtige augenscheinlich nicht allein; schnell tun sich bei der Polizei riesige Abgründe der Korruption auf, deren Untersuchung auch Brock plötzlich in Lebensgefahr bringt. Neu ist die filmische Idee, einen Krimi um die fatalen Fehler der Ermittler selbst kreisen zu lassen, zwar beileibe nicht. Doch so schön düster sah man sie bislang nicht umgesetzt.


Quelle: teleschau – der Mediendienst