Die satirische Zuspitzung der Ressentiments zwischen Israel und dem Iran in "Atomic Falafel" mündet zwar in keine Humor-Katastrophe, bietet aber auch nichts Denkwürdiges.

Der Führungsstab des israelischen Militärs ist besorgt: Eine internationale Atom-Kontroll-Kommission hat sich angekündigt. Sollte diese herausfinden, dass das Heilige Land Nuklearwaffen gegen den Erzfeind Iran einzusetzen gedenkt, ist der ganze Erstschlagsplan für die Katz. So schnell es geht, sollen die Kontrolleure in den Iran weiterreisen, um auch dort ihrer Arbeit nachzugehen. Dort hegen die Militärstrategen aber selbstverständlich denselben Plan. Wird es einer Außenseitergruppe bestehend aus der Falafel-Köchin Mimi (Mali Levi Gershon), ihrer Tochter Nofar (Michelle Treves), deren Freund Meron (Idan Carmeli) und dem deutschen Kontrolleur Oli (Alexander Fehling) gelingen, die kriegerische Auseinandersetzung abzuwenden? Die vom NDR koproduzierte Komödie "Atomic Falafel" gibt nun auf ARTE die Antwort darauf.

Wie man einen außenpolitischen Konflikt filmisch brillant persifliert, zeigte Regielegende Stanley Kubrick bereits 1964 mit seiner schwarzen Komödie "Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte die Bombe zu lieben", in welcher er subversiv das Säbelrasseln zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten parodierte. Ein ähnliches Anliegen hegt auch Regisseur Dror Shaul mit seiner Satire "Atomic Falafel".

Weder neu, noch lustig

Shaul kann auf Humorerfahrung zurückblicken, hat er doch 1999 mit seiner TV-Komödie "Operation Grandma" in Israel einen Kult-Hit gelandet. Doch mit dem Humor in seinem aktuellen Werk ist das so eine Sache. Die selbstironischen Witze über den Holocaust, Beschneidung und dergleichen sind weder neu, noch wirklich lustig.

Eine laute und plumpe Komödie ist "Atomic Falafel" geworden, in der die Verballhornung von Klischees oft nach hinten losgeht. Zudem wird die Geschichte wirr erzählt und die Absurditäten nehmen Überhand. Einige Szenen erinnern eher an Boulevardtheater oder eine schrille Nummernrevue und geraten so knallig, dass man sich langweilt. Dabei sind die Ideen grundsätzlich nicht schlecht. Doch die Figuren bleiben aufgrund ihrer völligen Überzeichnung allesamt blass, sodass auch die soliden Darsteller rund um den deutschen Mimen Alexander Fehling den Film nicht retten können. Die völlig deplatzierte Sexualisierung junger Schulmädchen ist überdies mehr als fragwürdig.

Überraschende Wendung

Was jedoch trotz vorrangiger Banalität gelingt, ist die satirische Zuspitzung der Kriegstreiberei: Militärisches Macho-Gehabe nebst naiv-kindlicher Schuldzuweisungen treffen den Nagel auf den Kopf. Das Aufzeigen der Ähnlichkeiten zwischen den verfeindeten Staaten gelingt über die Online-Freundschaft zweier Figuren und die große Aussprache im Finale – inklusive überraschender Wendung. Das ist punktgenau, weil in diesem Moment auch auf die Zusammenhänge zwischen Innen- und Außenpolitik verwiesen wird: alles nur Getöse, alles nur heiße Luft. Doch der Brückenschlag zwischen den Nationen kommt leider zu oft mit dem Holzhammer daher. Übrig bleibt seichte Unterhaltung, die ihrem ehrenwerten Anliegen nicht gerecht wird.


Quelle: teleschau – der Mediendienst