Neue Folge im ZDF

"Stralsund – Blutlinien": Familiendrama trifft Krimi

von Wilfried Geldner

Im Betonboden einer Garage wird eine (ziemlich fiese) Frauenleiche entdeckt. Kommissarin Nina Petersen führt das auf einen seit vielen Jahren ungelösten Fall zurück.

ZDF
Stralsund – Blutlinien
Krimi • 09.05.2020 • 20:15 Uhr

Vorsicht. Die Frauenleiche, die einem da gleich zu Beginn entgegenblickt, könnte vom Maskenbildner eines Zombiemovies nicht besser erfunden sein. Ein bisschen sehr deutlich und ausführlich wird sie gezeigt. Nun ja, es soll im 16. "Stralsund"-Fall, "Blutlinien", um ein monströses Verbrechen gehen. Der Whodunit-Krimi wird hier mit dem Familiendrama gekreuzt. Da ist unsereins froh, dass er mit der Ankunft eines neuen Kollegen im Team – Johannes Zirner gibt ihn solide und kollegial – etwas Atem bekommt. Auch Nina Petersen (Katharina Wackernagel) weiß sich mit dem Neuen zu arrangieren, obgleich sie mit ihm mal sehr eng befreundet war.

Nina Petersen hat auch die lange verschollen gebliebene Tote gekannt. Sie war damals, bevor Klara 1996 mit 17 Jahren verschwand, mit ihr befreundet. Entfernter allerdings wohl als das Geschwisterpaar Maren und Henrik Brandt (Franziska Hartmann, Barnaby Metschurat), das – wie sich herausstellen wird – eine inzestuöse Liebe verband. Maren und Henrik hatten als Kinder zusammengefunden, sie litten offensichtlich unter der Gewalt ihres Vaters, eines Kleinganoven, Tagelöhners und Schmugglers, der immer wieder mal ins Gefängnis ging.

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Gleich zu Beginn blendet die Kamera auf jenen Sommer von 1996 zurück. Die Zeit am Badestrand, das Glück zu dritt – bis dann Klara plötzlich verschwand – am Ufer blieben nur ihre Kleider zurück. Doch wie mag die Leiche in den Garagenbeton gekommen sein? – Vielen Spuren müssen die Stralsunder Kommissare nachgehen. Könnte es womöglich Henrik gewesen sein, hatte er sich an Klara vergangen, wollte er die Tat hinterher vertuschen? Wusste Maren, die Schwester davon, oder hatte sie zumindest bei der Vertuschung geholfen? Aber auch beider Vater Carlos (Axel Siefer), der heute an Demenz erkrankt im Altenheim vegetiert, könnte davon gewusst haben. Immerhin hatte er damals die Garage gebaut.

Da werden dann leider doch allzu viele Spuren ausgelegt. Kommissar Hidde (Alexander Held) schnüffelt viel im Altenheim, um dem alten Carlos auf die Schliche zu kommen, gibt aber dann doch beim Genuss einer sehenswert bunten Tortenschnitte klein bei. Nina darf indessen schon mal auf den geflüchteten Henrik schießen, weil der zwischendurch einen Tankstellenpächter ermordet hat, der ihn mit einer Flasche Alk ertappte. Die Fluchtbilder danach in Schilf und Brachgelände geben der Kamera (Andreas Köhler, Regie: Lars Henning) zu schönsten Fotosequenzen Gelegenheit.

Es bleibt zuletzt nicht viel anderes, als sich wieder einmal an die so oft zitierte Tolstoi-Sentenz zu erinnern, nach der jede unglückliche Familie "auf ihre eigene Art unglücklich" sei. Diese, der greise Vater, die Tochter, der Sohn und auch der Enkel schon, sind es ganz besonders: Sie entkommen dem Schicksal, ihrem großen Liebeskummer, nicht. Dabei hatte Maren doch gerade von einer neuen Familie mit ihrem neuen Freund geträumt. Mit der Whodunit-Auflösung will es zuletzt nichts wirklich Glaubhaftes werden. Dass aber zwei zerstörte Seelen zurück geblieben sind, das wird von Franziska Hartmann und Barnaby Metschurat nachvollziehbar gezeigt.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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