Antikriegsfilm im ZDF

"Unter dem Sand – Das Versprechen der Freiheit": der Irrsinn der Landminen

von Wilfried Geldner

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs müssen deutsche Soldaten – sie sind fast noch Kinder – die dänische Nordseeküste von Landminen befreien. Mit bloßen Händen. Eine tabuisierte Geschichte, die lange in Archiven schlummerte.

ZDF
Unter dem Sand – Das Versprechen der Freiheit
Drama • 09.05.2020 • 00:05 Uhr

Fünf Jahre lang hatten die Deutschen Dänemark besetzt und mit dem sogenannten Atlantikwall umgeben, als die Alliierten das Land befreiten. An der dänischen Westküste lagen insgesamt 1,5 Millionen Landminen unter dem Strand. Was lag näher, als diejenigen, die sie gelegt hatten, nun zur Räumung heranzuziehen? Auf Anweisung der britischen Befreier taten die Dänen genau das und benutzten dafür nicht selten noch jugendliche Soldaten zwischen 16 und 18, die Hitler in den letzten Jahren des Krieges eingezogen hatte. Ein Racheakt, ein Kriegsverbrechen gar, das hinter dem Unrecht der deutschen Besatzung lange verborgen blieb. Mit dem Drama "Unter dem Sand – Das Versprechen der Freiheit" gelang dem dänischen Regisseur Martin Zandvliet ein beeindruckender Film über jene tabuisierte Geschichte und den Wahnsinn des Krieges. Das ZDF wiederholt das oscarnominierte Werk zu später Stunde.

"Mir ist es wichtig zu sagen, dass dieser Film keine Verteidigung der Deutschen darstellen soll", sagt Martin Zandvliet über sein Antikriegs-Drama, das eine bislang vergessene Marginalie des Krieges behandelt. Vielmehr sei es wichtig, dass Rache, "diese 'Auge um Auge'-Mentalität uns alle zu Verlierern macht".

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In "Unter dem Sand" wird einem dänischen Feldwebel ein Trupp junger deutscher Soldaten unterstellt, mit dem er innerhalb weniger Wochen einen Strand von 40.000 Landminen räumen soll. Nach und nach wird jeder der elf jungen Männer zum Entschärfen einer Mine aufgerufen, und es dauert nicht lange, bis einer der Deutschen die gefährliche Ladung mit zittrigen Händen hochgehen lässt. Der erste Tote – weitere werden folgen. Doch das Versprechen, nach getaner Arbeit eines schönen Tages nach Hause zu dürfen, hält die Truppe der jungen Soldaten am Leben.

Der Däne Roland Møller macht zwar aus seinem Feldwebel eine tickende Zeitbombe, vor dem sich die jungen Gefangenen mehr fürchten müssen als vor den Minen, die unter dem Sand an der so naturschönen dänischen Küste liegen. Schnell wird aber klar, dass der von ihm verkörperte Carl Rasmussen kein bloßer Racheengel ist. Nur widerwillig, das spürt man, erfüllt er seine Pflicht.

Das deutsche Trüppchen hingegen erinnert stark an das letzte Aufgebot aus Bernhard Wickis berühmtem Anti-Kriegsdrama "Die Brücke" – allerdings sind die Charaktere nicht so beeindruckend durchgeformt wie in diesem Klassiker. Alleine Joel Basman ("Wir sind jung. Wir sind stark.") und vor allem Louis Hofmann ("Dark"), der in seiner Rolle als Sebastian in wortkargen Dialogen die harte Schale des dänischen Feldwebels knackt, gewinnen wirklich Kontur.

"Unter dem Sand" verweist auch auf den Irrsinn der geschätzt 100 Millionen Landminen, die heute in über 60 Ländern weltweit unter dem Boden vergraben sind. Seit 1975 wurden mehr als eine Million Menschen durch Landminen getötet. So gesehen ist Zandvliets Film mehr als nur ein Stück über eine unbekannte Vergangenheit.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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