ZDF-Doku "Verratene Liebe"

"37°"-Autorin spricht über "Loverboy"-Recherche: "Überstieg meine Vorstellungskraft"

von Frank Rauscher

Die ZDF-Doku über die "Loverboys" hat keinen, der ihn gesehen hat, kalt gelassen. Jetzt äußert sich die Autorin über die intensiven Recherchen. Es war mir unbegreiflich, dass das in der gleichen Welt passiert, in der ich lebe, und dass so etwas in diesem Ausmaß möglich ist", schreibt sie.

Über ein Jahr lang arbeitete die Filmemacherin Nathalie Suthor an ihrer "37°"-Reportage über die Machenschaften der sogenannten "Loverboys". Die umfangreichen Recherchen ließen sie tief in ein nach wie vor sehr selten ausgeleuchtetes Milieu blicken, brachten sie mit Sozialarbeitern, Juristen und Opfern zusammen, sogar ein Täter kam in "Verratene Liebe – Die Masche der Loverboys" zu Wort. Nachdem der Film am Dienstagabend im ZDF ausgestrahlt wurde, veröffentlichte die "37°"-Redaktion auf Facebook ein persönliches Statement der Autorin, das verdeutlicht, mit welchen Abgründen die erfahrene TV-Journalistin in den vergangenen Monaten konfrontiert war.

"So etwas überstieg meine Vorstellungskraft. Es war mir unbegreiflich, dass das in der gleichen Welt passiert, in der ich lebe, und dass so etwas in diesem Ausmaß möglich ist", schreibt Nathalie Suthor, die schon diverse Beiträge der "37°"-Reihe verantwortete, aber wohl noch nie zuvor derart an ihre Grenzen geführt wurde. Die Geschichten, die ihr die Protagonistinnen anvertraut hätten, seien für sie "zutiefst schockierend" gewesen. "Hilflos und schutzlos wurden sie jahrelang vergewaltigt, und niemand will etwas mitbekommen haben?"

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Den ersten Kontakt habe sie in allen Fällen über das Telefon hergestellt. Nathalie Suthor erinnert sich, dass ihr aufgefallen sei, "dass alle Frauen, mit denen ich Kontakt hatte, der gleiche Typ waren: auffällig höflich, nett und sehr verbindlich. Diese Frauen haben unschuldig und aufrichtig geliebt und tappten in die Falle von skrupellosen Menschenhändlern."

Wie vermutlich die meisten Zuschauer auch habe sich die Autorin zunächst jedoch die naheliegende Frage gestellt: "Wieso reagiert man nicht mit aller Vehemenz, wenn der Freund einen dazu auffordert, sich zu prostituieren?" – Im Nachhinein, so hat Nathalie Suthor herausgefunden, stellen sich auch die meisten Opfer diese Frage – "und dann setzt das ein, was diese Frauen oft bis an ihr Lebensende mit sich herumtragen: Scham!" Immer wieder habe sie diese Aussage gehört: "Ich schäme mich so, dass ich das habe mit mir machen lassen, und deswegen habe ich keine Hilfe verdient."

Nach den vielen Begegnungen und Gesprächen mit den mutigen Opfern, darunter auch die aus anderen einschlägigen Beiträgen, unter anderem in "Aktenzeichen XY ... ungelöst", bekannte Sandra Norak, die ein sechs Jahre langes Martyrium durchlitt und sich nun als angehende Juristin couragiert gegen die Zwangsprostitution engagiert, steht für Nathalie Suthor fest: "Mir kann das nicht passieren', sagen nur die, die diese perfide Masche erheblich unterschätzen."

Die Mitinhaberin der Produktionsfirma bentar media betont, sie habe die Protagonisten besonders sorgfältig ausgewählt, denn sie wisse, "dass dieser Film auch von Opfern gesehen wird, die nicht die Hoffnung haben, je wieder in ihrem Leben Fuß zu fassen. Dieser Film ist nicht nur für die Zuschauer entstanden, er ist auch für genau diese Frauen entstanden und soll ihnen helfen, weiterzukämpfen." Nathalie Suthor: "Meine Hoffnung ist, dass irgendwann jeder Mensch so gut über die Methoden dieser sogenannten Loverboys Bescheid weiß, dass die Bemühungen dieser Menschenhändler ins Leere laufen."


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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