Exakt zum fünften Jahrestag seiner Amtseinführung am 13. März zeigt ZDFzeit ein aufschlussreiches Porträt des amtierenden Pontifex und widmet sich mit "Mensch Franziskus! – Der unberechenbare Papst" den Licht- und Schattenseiten des Oberhaupts der katholischen Kirche.

Regisseur Michael Strompen gelingt es mit seiner Bestandsaufnahme, die unterschiedlichsten Facetten einer der bedeutendsten Persönlichkeiten der Gegenwart zu beleuchten und somit ein sehenswertes, dreidimensionales Bild einer Person "larger than life" zu erschaffen. Denn hinter "Seiner Heiligkeit" steckt immer auch ein Mensch – in diesem Falle der Argentinier Jorge Maria Bergoglio. Ob dieser es tatsächlich vermag, die katholische Kirche in Zeiten von Missbrauchsskandalen, Korruptionsfällen und Mitgliederschwund wahrhaft zu revolutionieren, ist eine der Fragen, mit der sich die Doku auseinandersetzt.

Demut als Markenzeichen

Bergoglio ist erklärter Fußballfan und machte zunächst eine Ausbildung zum Chemietechniker. Erst spät trat er dem Jesuitenorden bei und stieg dort schnell die Karriereleiter hinauf. Völlig überraschend wurde er im Jahr 2013 mit 76 Jahren als erster Nicht-Europäer zum Papst gewählt und schockte die Konservativen sogleich mit seinen Modernisierungsvorhaben und liberalen Ideen: Modischen Prunk lehnt er strikt ab, Demut ist zu seinem Markenzeichen geworden. Die Missbrauchsfälle möchte er aufklären, weshalb in der Dokumentation auch der Schweizer Daniel Pittet zu Wort kommt – dieser wurde als Kind jahrelang von einem Priester vergewaltigt. Auch die Korruption der Vatikanbank will Franziskus beenden – doch bei vielen Themen hat er sich bereits mächtige Feinde gemacht und internes Chaos verursacht.

"In den letzten 100 Jahren hat es nie einen solchen Widerstand gegen den Papst gegeben", konstatiert Vatikan-Experte Marco Politi. All dies und die Tatsache, dass Bergoglios Rolle in der Militärdiktatur der 1970er-Jahre immer noch Fragen aufwirft, erinnern an Dimensionen, wie man sie sonst nur von Mafiaklassikern à la Coppola und Scorsese kennt – der Werdegang des Papstes gäbe sicherlich auch ein gutes Ausgangsmaterial für einen Spielfilm her. Die Doku überzeugt auf jeden Fall schon mal und gewährt spannende Einblicke hinter die verschlossenen Türen des Vatikans.


Quelle: teleschau – der Mediendienst