Das Großziehen eigener Kinder gilt vielen als Herzenswunsch. Wie aber steht es in einem Land, das Alleinerziehende oftmals sehend ein Leben am Limit führen lässt? Das zeigt der Film von Katrin Wegner im Rahmen der ZDF-Reihe "37°".

Warmer Kerzenschein taucht das Wohnzimmer von Stefanie in ein angenehmes Licht. Vor allem ihre Tochter mag die wohlige Atmosphäre. Mit ihren erst sechs Jahren glaubt die Kleine an einen besonderen Abend mit ihrer Mutter. Die Alleinerziehende hingegen sieht nur den Nutzen im Kerzenschein: Sie spart Geld!

"Meine Stromrechnung hat sich jetzt zwei Monate aufgelaufen. Weil ich andere Rechnungen schnellstmöglich begleichen musste. Und jetzt muss ich mir das Geld leihen", berichtet die 30-Jährige. So wie Stefanie ergeht es vielen der fast drei Millionen Alleinerziehenden in Deutschland. Sie balancieren täglich am Abgrund. Sie leben fünfmal häufiger in Armut als Paarhaushalte. Ihre Aussicht auf Besserung: kaum vorhanden! Im Film von Katrin Wegner, der nun im Rahmen von "37°" drei Alleinerziehende vorstellt, wird deutlich, woran ein beinahe schon kinderfeindliches System krankt.

Vielen Arbeitgebern gelten junge Mütter wie Stefanie als nicht verlässlich und flexibel genug. Nur wegen einer harmlosen fiebrigen Erkältung ihrer Kleinen müsste die Alleinerziehende daheim bleiben. Ihren immer wieder möglichen Ausfall im Job wollen sie in einer vielfach zitierten Leistungsgesellschaft sodann auch nicht tragen.

Zudem stoßen Menschen wie Manuel bei der Wohnungssuche an ihre Grenzen. Der Vater, der nur auf sich gestellt drei Buben großzieht, findet keinen bezahlbaren Wohnraum. Vermieter würden aus Angst vor ungezogenem Nachwuchs kinderlose Paare vorziehen, erklärt er. Diese sitzen abends dann wunderbar in einem geräumigen Wohnzimmer. Aber nicht bei Kerzenschein, so wie bei Stefanie und ihrer Tochter.


Quelle: teleschau – der Mediendienst