Mehr als 20 Jahre liegt der "Prozess des Jahrhunderts" zurück, und noch immer spaltet die Frage Amerika: Hat O.J. Simpson am 12. Juni 1994 seine Ex-Frau Nicole Brown Simpson und ihren Begleiter, den Kellner Ronald Goldman, ermordet?

Zwar wurde der einstige Football-Held und Filmschauspieler in einem spektakulären Verfahren freigesprochen. Zweifel an seiner Unschuld säten jedoch die erdrückende Beweislast – sowie ein ominöses Interview, das O.J. Simpson vor zwölf Jahren der Verlegerin Judith Regan gab. Lange galten die Bänder als verschollen. Jetzt wurden sie erstmals im US-Fernsehen unter dem Titel "O.J. Simpson: The Lost Confession?" (zu Deutsch: "O.J. Simpson: Die verlorene Beichte?") gezeigt. Viele Beobachter waren sich hinterher einig: Das Fragezeichen im Sendetitel war eigentlich überflüssig.

"Alles ringsum war voll Blut"

Bereits der Interview-Anlass im Jahre 2006 war einigermaßen makaber: Simpson wollte im Gespräch mit Judith Regan sein Buch "If I Did It" bewerben, das sich hypothetisch mit dem Szenario befasst, Simpson sei tatsächlich der Mörder. Eben jenen hypothetischen Duktus adaptiert der tief gefallene, aber eben nicht verurteilte Sport- und Unterhaltungsstar auch im TV-Interview, das in Auszügen jetzt auch online veröffentlicht wurde. Doch mitten im Gespräch verlässt Simpson den Konjunktiv und schildert die Tatnacht aus Ich-Perspektive.

Minutiös beschreibt der heute 70-Jährige, wie er mit einem Freund namens "Charlie" zum Haus seiner Ex-Frau gefahren sei und dort ein Streit mit ihrem Begleiter Ron Goldman entbrannt sei. "Ich erinnere mich, dass Nicole gestürzt ist und sich verletzt hat, und dieser Typ hat irgendwie mit seinem Karate-Ding losgelegt, und ich sagte: Denkst du, du kannst es mit mir aufnehmen? Und dann erinnere ich mich, dass ich zum Messer griff." An den Blutrausch, der dann gefolgt sein muss, habe er keine Erinnerungen, so Simpson, weiter aus der Ich-Perspektive: "Ich erinnere ich mich an nichts mehr, außer, dass ich dort stand und alles ringsum war voll Blut."

Als Simpson im Gespräch auffällt, dass seine Schilderungen den Rahmen des Hypothetischen verlassen haben, lacht er laut auf: "Ich hasse es zu sagen, aber das hier ist alles rein hypothetisch. Vergesst es nicht. Es ist schwer, die Leute glauben zu machen, ich sei ein Mörder."

Verurteilung wegen bewaffneten Raubes

O.J. Simpson wurde in einem dem Strafprozess nachfolgenden Zivilprozess des Mordes schuldig gesprochen und zu 33,5 Millionen US-Dollar Schadensersatz an die Opfer-Familien verurteilt, die er bis heute nicht zahlen konnte. Nach einer Verurteilung wegen bewaffneten Raubes im Jahr 2008 kam Simpson im Juli 2017 auf Bewährung frei. Den Doppelmord an Nicole Brown Simpson und Ronald Goldman bestreitet er noch heute.


Quelle: teleschau – der Mediendienst