Seit Juli 2011 gibt es in Deutschland keine Wehrpflicht mehr. Sie wurde vom Bundeskabinett bis auf weiteres ausgesetzt. Jahrzehntelang waren der Kriegsdienst und dessen "Verweigerung" im Osten wie im Westen Deutschlands ein schwer wiegendes Problem für hunderttausende junge Männer und ihre Familien.

Die Entscheidung griff – zumindest zeitweise – tief in das Leben der Wehrpflichtigen ein. Dabei hatte das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland bereits 1949 festgelegt: "Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden." – Doch die Hürden waren groß. Die Dokumentation von Knut Weirich "Als das Gewissen geprüft wurde" vom NDR blickt auf die inquisitorischen Verfahren zur Kriegsdienstverweigerung zurück, es erinnern sich Betroffene aus Ost und West. So wird noch einmal das politische Klima von einst lebendig.

Eine Verweigerung war nur unter großen Hemmnissen möglich. Sogenannte Notwehr-Fragen waren berühmt: Was, wenn der Feind ihre Mutter oder Freundin vergewaltigt? Würden Sie dann zur Waffe greifen? In der DDR mussten Verweigerer als Bausoldaten in der Nationalen Volksarmee dienen. Im Westen gab es "Totalverweigerer", die nicht nur den Dienst in der Bundeswehr ablehnten, sondern auch den Ersatzdienst, weil der dazu beitragen würde, die Heimatfront zu verteidigen. Einer der Filmzeugen bekam dafür acht Monate Haft.


Quelle: teleschau – der Mediendienst