Nicholas Ray

Raymond Nicholas Kienzle
Geboren: 07.08.1911 in La Crosse, Wisconsin, USA
Sternzeichen: Löwe
Gestorben: 16.06.1979 in New York City, New York, USA

Statt Rührung Humanität, statt Sentimentalität Mitempfinden, das ist typisch für die Filme des Regisseurs Nicholas Ray. Seine Protagonisten passen nicht in das Hollywoodbild von Siegern und Verlierern. Sie führen keinen Kampf mehr, wollen gar nicht siegen - so wenig wie Nicholas Ray selbst. Lange vor James Dean und Marlon Brando kreiert er den Antihelden im amerikanischen Film, sein Rick Romano, John Derek - einst Ehemann von Bo Derek - wird zum Star.

Jim, Plato, Judy und die anderen aus "... denn sie wissen nicht, was sie tun" (1955) kommen nicht aus den Armenvierteln, den Arbeiter- oder Negerghettos, sie sind Söhne und Töchter aus "besserem Haus", ihre Eltern haben Geld und Einfluss. Jim Stark, der Held des Films hat Angst, einmal so angepasst zu sein wie sein Vater, deshalb tut er all die verrückten Dinge, die seine Eltern zwingen von Ort zu Ort, von Wohnung zu Wohnung zu ziehen um nur ja nicht aufzufallen. Dies ist einer der besten Filme zum Thema Jugend in den Fünfzigerjahren. Sein Hauptdarsteller James Dean bleibt bis zu seinem tragischen Tod das Idol der Jugend, Rays Film bleibt bis heute ein Kultfilm wie später etwa auch Dennis Hoppers "Easy Rider".

Das gilt auch für den ein Jahr früher entstandenen Film "Johnny Guitar - Wenn Frauen hassen". Der Titelheld, gespielt von Sterling Hayden vertauscht seine Waffe mit dem Musikinstrument, doch wie andere Westernhelden wird auch er zum "Handeln" gezwungen: Er muss die ebenso schöne wie tüchtige Vienna vor der wütenden Meute der Ortsbewohner bewahren, die um ihren hübschen Hals einen Strick winden wollen, nur weil ihr Freund mit seiner Bande die Bank überfallen hat. Sehr untypisch für den amerikanischen Western sind es Frauen, die die Drähte ziehen. Raymond Kienzle, in einem 5000-Einwohnernest aufgewachsen, hat viele Träume: Theater, Film, Musik. Dann studiert er an der Universität von Chicago Architektur bei dem berühmten Frank Lloyd Wright, arbeitet aber während des Krieges als Regisseur und Schauspieler am Theater mit Elia Kazan, Martin Ritt und John Houseman zusammen. Er assistiert bei Kazans erstem kommerziellen Film "Ein Baum wächst in Brooklyn". Es ist eine äußerst aktive Zeit. Ray arbeitet fürs Radio, hat mit der Radioserie "Zurück zu den Wurzeln" Erfolg und inszeniert bei Houseman beim Fernsehen.

Die Fernsehfassung von "Sorry, Wrong Number" ist für ihn ein großer Erfolg. Als Dore Schary Chef der RKO wird, überträgt er Ray die erste Filmregie: "Im Schatten der Nacht" mit Farley Granger. Und Ray holt als Produzenten seinen Freund Houseman. Doch Hollywood ist nicht sein Ding: "Ich habe immer einen Koffer gepackt" ist der zynische Kommentar des Regisseurs. Und sein zweiter Film "Geheimnis einer Frau" nach Vicki Baum sei für ihn ein sehr teurer Film geworden, denn da habe er Gloria Grahame getroffen. Sie wird seine Frau und sein Albtraum. Der ist erst zu Ende, als Nicks ältester Sohn sie heiratet. Ebenso wie "Ein einsamer Ort" ist "Vor verschlossenen Türen" (1949) ein düsterer Film: Ein Anwalt (Humphrey Bogart) wird in einen Mordfall verstrickt, sein überschäumendes Temperament bringt ihn in ständige Schwierigkeiten. Es folgten "Jagdgeschwader Wildkatze" (1950), "Gangster" (1951), "Macao" und "The Lusty Men" (beide 1952). "Im Schatten des Galgens" (1954) war ein psychologisch vertiefter Western über den vergeblichen Versuch, einen auf die schiefe Bahn geratenen jungen Mann zum Besseren zu bekehren.

Fünfzehn Jahre lang ist Nicholas Ray ein gefeierter und erfolgreicher Regisseur. Er dreht Filme wie "Feuer im Blut" (1955), "Eine Handvoll Hoffnung" (1956), "Rächer der Enterbten" (1956), "Bitter war der Sieg" (1957), "Partygirl - Das Mädchen aus der Unterwelt", "Sumpf unter den Füßen" (beide 1958) und "Im Land der langen Schatten" (1959). Mit den in Europa gedrehten blutleeren Monumentalschinken "König der Könige" (1960) und "55 Tage in Peking" (1962) hatte er seinen Zenit jedoch merklich überschritten. Danach zog er sich weitgehend aus dem Filmgeschäft zurück und lehrte als Filmprofessor an der New York State University. Aus dieser Arbeit resultierte 1973 drehte der Experimentalfilm "You can't go home again". Außerdem war er mit einem Beitrag an dem pornographischen Episodenfilm "Wet Dreams" (BRD/Niederlande 1974) beteiligt.

Wim Wenders gibt ihm 1976 schließlich eine wunderbare Rolle in "Der amerikanische Freund" (1976), Ray spielt einen alten Maler. Ein Jahr später übernimmt Ray auch eine Gastrolle in Milos Formans Musical-Verfilmung "Hair". "Nicks Film" von Wim Wenders ist eine Hommage an den großen alten Regisseur, ein Dokumentarfilm über das Sterben, über die letzten Worte.


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