Vera Chytilová

Lesermeinung
Geboren
02.02.1929 in Ostrava, Tschechische Republik, heute: Tschechien
Gestorben
12.03.2014 in Prag, Tschechien
Sternzeichen
Biografie
Es ist die große Zeit des tschechischen Kinos, als Vera Chytilová ihre innovativen Filme drehte. Ihr Name war, wenn auch nicht sehr bekannt, so doch immer in Erinnerung geblieben. Andere hat man vergessen wie die von Jaromil Jires, Jan Nemec und Jiri Weiss. Milos Forman schließlich, der fünfte aus der Gruppe des "jungen tschechoslowakischen Films", avancierte in Hollywood zum amerikanischen Star-Regisseur.

Es begann 1963 mit einer Etude über die Sehnsucht der Frauen, ihr Verhältnis zu den Männern: "Von etwas anderem". Was unterscheidet die Hausfrau Vera von der Turnerin Eva? Eva, die zweifache Olympiasiegerin, kennt nur Training und noch einmal Training. Die Hausfrau Vera ist eine nahe Verwandte von Chantal Akermans "Jeanne Dielman", allerdings ohne deren tödliche Konsequenz. Sie tut ihre Arbeit, erzieht ihren Sohn, pflegt ihr Verhältnis mit Jirka, dem Liebhaber.

Chytilová versuchte nicht, Parallelen aufzubauen, auch keine Gegensätze, legte nicht so etwas wie "Handlung" fest, sondern schilderte ihre Personen in deren eigener Umgebung und überliess jede Reflektion dem Zuschauer selbst, appellierte an dessen Denkfähigkeit. Und das gerade gibt dem fiktiven Kinogeschehen etwas Authentisches, hier spürt man, dass Vera Chytilová, die sich der französischen Nouvelle Vague verwandt fühlte, eigene Wege ging und nicht alterprobte, ausgetretene Pfade beschritt. Und noch etwas: Sie setzte im Spielfilm fort, was ihre früheren, populärwissenschaftlichen Filme auszeichnete: klare Gegenüberstellungen, die dem Zuschauer Vergleichsmöglichkeiten geben, statt Zeigefinger-Belehrung.

Fast alle Filme von Vera Chytilová, auch ihr berühmtester, "Tausendschönchen - kein Märchen" (1966), behandeln die Stellung der Frau in der sozialistischen Gesellschaft, erzählen von Lebensweisen und Gefühlsleben junger Frauen. Vielfach sprach sie in Symbolen und Allegorien. Am deutlichsten ist das bei Marie 1 und Marie 2, den beiden meckernden, staksigen Mädchen, die sich aus Langweweile über ihre Mitmenschen lustig machen. Sie geben sich erfahren und raffiniert, sind aber im Grunde verspielt und ein bisschen verrückt. Ihre Streiche verlieren die Harmlosigkeit, werden immer makabrer und enden im totalen Chaos.

Vera Chytilová studierte Architektur in Brno, war Vorführdame und technische Zeichnerin, kam 1953 nach Prag zum Film, wo sie bis 1957 als Regieassistentin tätig war. Von 1957 bis 1962 studierte sie an der FAMU, ihr 75-Minuten-Abschlussfilm findet Anerkennung, obwohl er sich sehr kritisch mit der Wirklichkeit auseinandersetzte. Denn ihre Hauptfigur, eine Prager Studentin, hat eine moderne Wohnung, wohlsituierte, hilfsbereite Freunde und eine gute Arbeit als Mannequin. Das alles verhindert nicht, dass ihr bisweilen Selbstmordgedanken kommen.

Vera Chytilovás populärwissenschaftliche Filme fanden auf internationalen Filmfestivals, auch in Oberhausen und Mannheim, viel Beachtung und erhalten Preise. Weitere Spielfilme: "Ein bisschen schwanger" (1976), "Geschichte der Wände" (1979), "Kalamitäten" (1980), "Fauns allzuspäter Nachmittag" (1983), "Der Narr und die Königin" (1987), "Einmal hin, einmal her" (1988), "Detictvi Aneb Kurvahosigutntag" (1993) und "Große Fallen, kleine Fallen" (1998).

Filme mit Vera Chytilová

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