Auf einer Facebook-Party kommt es zu einer Vergewaltigung. Alkohol und Drogen in rauen Mengen sind im Spiel.

Man kann das Ganze über den Coming of Age-Leisten schlagen: Schüler bei einer Facebook-Party. Es geht drunter und drüber, es wird gesoffen, es werden Pillen eingeworfen und sogar gekokst. Und klar, werden auch die Wände der elterlichen Wohnung beschmiert. Alles auf der Schwelle zum Erwachsenwerden, Sexualität zwischen Unschuld und forscher Berechnung. Schließlich kommt es zu einer Vergewaltigung. Lenny (Ludwig Simon), im zarten Alter schon ein wahrer Don Juan, treibt die Freunde Martin (Jakob Schmidt) und Jonas (Michelangelo Fortuzzi) an, die ohnmächtige Isy (Milena Tscharntke) zu vergewaltigen. Isy wird sich daran nicht mehr erinnern können. Und wenn schon – es wird keine Zeugen geben, und zudem die Scham, man weiß es ja. Das alles zeigt "Alles Isy", der Film des Autorenregiegespanns Mark Monheim und Max Eipp, in wahrhaftigen, unspektakulären Bildern – es ist als Warnung und Aufklärung gemeint.

Mit den alten k.o.-Tropfen-Filmen wie "Es war einer von uns", erst recht mit der gängigen "#Metoo"-Debatte hat das alles nichts zu tun. "Alles Isy" bleibt sehr nahe beim Thema, dem sexuellen Übergriff unter jungen Leuten, den es durch genaues Hinsehen zu verhindern gilt – die Folgen sind schließlich kaum noch zu heilende seelische Schmerzen.

Dass Jonas sich in die Sache hineinziehen lässt – er ist neben Isy die Hauptfigur -, begründet der Film etwas waghalsig damit, dass Jonas kurz vor der Party von Isy wegen eines anderen abgewiesen wird. Dabei war Isy doch immer seine beste Freundin, und er in sie schwer verliebt. Aber es sind eben auch Drogen und Alkohol in rauen Mengen im Spiel. Alles kein Entschuldigungsgrund, sagt der Film, der so richtig erst damit beginnt, dass nun das große Verschweigen, das Zudecken der Schuld beginnt.

Die Elternpaare von Isy und Jonas sind miteinander gut bekannt. Die Mütter sind gerade in der Eröffnung eines gemeinsamen Designerladens begriffen. Jonas' Vater Richard (Hans Löw) ist Staatsanwalt und wird in der Folge alles versuchen, um das Fehlverhalten seines Sohnes geheimzuhalten. Klar, dass er Jonas zur Schnecke macht und die beiden anderen Täter harsch zur geheimen Absprache einbestellt. Nicht ohne darauf zu verweisen, dass die meisten Vergewaltigungsdelikte spätestens nach 48 Stunden angezeigt werden, jetzt sind jedoch bereits "vier Tage vergangen".

Schweigen, Scham, Vertuschen – das ist die große Thematik des Films. Und er setzt sie glaubwürdig um: vor allem wenn sich Isy und Jonas einander zu nähern versuchen und jeglicher Mut zur Aussprache fehlt. Sehr allmählich erst sehen sie der ganzen Wahrheit ins Auge. Milena Tscharntke und Michelangelo Fortuzzi stehen sehr zurückhaltend für ihre Figuren ein, Ludwig Simon spielt Lenny, den Bösewicht, der beinahe gar noch Jonas' Mutter (Claudia Michelsen) verführt, ein paar Nummern zu groß und kennerisch.

Das Ende ist offen und doch versöhnlich. Isy möchte nachvollziehbarerweise nur noch "ans andere Ende der Welt". Der Film schaffte es leider nicht, ins Kino zu kommen, wie eigentlich vorgesehen. Zehn Jahre dauerte es, bis sich ein Sender (RBB) zur Annahme entschloss. Aber die Zeit hat sich gelohnt. "Alles Isy" ist insbesondere als Coming of Age-Drama absolut mitreißend.


Quelle: teleschau – der Mediendienst